Personal

Die vier verschiedenen Mitarbeitertypen

Der Machtkämpfer

Fangen wir mit dem vielleicht schwierigsten Fall an. Dieser Mitarbeitertyp ist außerordentlich schwer zu führen, denn er erkennen seinen Vorgesetzten nicht als Führungskraft an, sondern sieht sich gerne selber als „Vorarbeiter“.

Solche leidvollen Erfahrungen machte ein Manager, der innerhalb eines großen Konzerns zum Chairman einer Tochterfirma ernannt wurde. „Chairman“ war definiert als Erster unter Gleichen. Einer seiner Mitstreiter, bedeutend jünger und aggressiver als er, konterkarierte alle seine Anweisungen, stellte alles, was von ihm kam, infrage, wusste alles besser und inszenierte einen heftigen Machtkampf mit ihm, in dessen Verlauf der Jüngere den Älteren bei einer Konfrontation sogar einmal nieder brüllte. Das Ende vom Lied war, dass die Business Unit, in der mehrere kleine Firmen des Unternehmens zu einer Einheit zusammengefasst waren, schließlich zerschlagen wurde.

Der Fehler des älteren Managers war, den Machtkampf viel zu spät aufgenommen zu haben, in der Hoffnung: „Das wird sich schon noch alles regeln.“ Doch aufgrund der Persönlichkeitsstruktur seines Rivalen ließ sich der Konflikt schwer lösen. Der Mitarbeiter setzte sich über Höflichkeitsformen hinweg und verhielt sich in einer Art und Weise, mit der der Ältere nicht umgehen konnte.

In einem solchen Fall ist es sinnvoll, so früh wie möglich die Machtverhältnisse eindeutig klarzustellen, auch auf die Gefahr hin, einen Konflikt zu provozieren, der früher oder später sowieso kommt. Wenn man es mit einem solchen Mitarbeiter zu tun hat, darf man auf gar keinen Fall einen Konflikt scheuen, der sich zu einem etwas späteren Zeitpunkt verschärft. Je schneller für klare Verhältnisse gesorgt wird, desto besser ist es.

Der Fürsorgliche

Ein weiterer Typ von Mitarbeiter ist der „Fürsorgliche“. Sie sollten sich als Vorgesetzter darauf gefasst machen, dass dieser ebenfalls gerne kämpft, allerdings nicht für sich, sondern für all die anderen armen Geschöpfe, die seiner Fürsprache bedürfen. Der Fürsorgliche tut gerne Anderen Gutes, mitunter auch Leuten, die davon weder wissen, geschweige denn, es wollen! Doch da sie für andere gerne zum Löwen werden, werden sie auch häufig vorgeschickt in Missionen, an denen sich niemand sonst die Finger verbrennen will, und so fallen sie leider auch der einen oder anderen Intrige zum Opfer.

Wenn ein Vorgesetzter merkt, dass sich jemand überfürsorglich verhält, sollte er versuchen, ihn zu bremsen: „Es ist schön, dass Sie sich so für andere einsetzen, aber kehren wir doch zu Ihnen zurück“.

Der Sachliche

Am wenigsten Probleme verursacht vermutlich der Umgang mit Mitarbeitern, die sich sehr Sachlich verhalten, wenig Emotionen zeigen und aus diesem Grund manchmal vielleicht ein bisschen langweilig wirken. Von Begeisterungsfähigkeit ist nicht viel zu spüren. Wenn solche Mitarbeiter Teil eines sehr emotionsgeladenen Teams sind, ist es die Aufgabe der Führungskraft, dafür zu sorgen, dass sie in dem Team eingebunden bleiben.

Hat man als Vorgesetzter die Aufgabe den Sachlichen-Mitarbeitertyp zu führen, so muss man sehr viel Ermutigung geben. Denn jemand, der leicht in die Überanpassung geht, hat so viel Angst, etwas falsch zu machen, dass er im Zweifelslsfall besser gar nichts tut.

Der Rebell

Die Wertschätzung ist das beste Mittel, um die Rebellen zu zähmen. Selbstverständlich nur ernst gemeinte Wertschätzung, denn alles andere wird gespürt und führt nur zu einer Verschlechterung der Beziehung. Hat man darüber hinaus Humor in die Waagschale zu werfen, sodass man den Rebellen gelegentlich zum Lachen bringen kann, ist die Lage deutlich entschärft. Rebellische Mitarbeiter stecken viel Kreativität und Energie in das Dagegensein. Das ist natürlich lästig, vor allem, wenn sie damit auch noch andere aufwiegeln.

Doch man sollte auf gar keinen Fall den Fehler machen, sich vom Rebellen in kleine Kämpfe verstricken zu lassen. Besser ist es mit Witz auf Provokationen zu reagieren. Das gelingt leichter, wenn man sich klar macht, dass man als Vorgesetzter eigentlich immer nur die Projektionsfläche für den Rebellen ist, er kennt den Menschen hinter der Funktion ja oftmals gar nicht.

Gerade in Berufen, die sehr viel Kreativität erfordern, trifft man verstärkt auf Menschen, die sich äußerst rebellisch verhalten. Arbeitszeiten, Pünktlichkeit und Abgabetermine sind oftmals ein Fremdwort für den Rebellen.

Für die Führungskraft bedeutet das die stetige Gratwanderung, wie weit man dem „kreativen Chaos“, damit aber auch der Schaffensfreude und dem Einfallsreichtum Rechnung tragen kann und wo regulierend gemahnt werden muss. Des Weiteren ist es wichtig, die Vorschläge und die Vereinbarungen des Rebellens immer kritisch im Auge zu behalten, denn ein solcher Mitarbeiter ist zwar begeisterungsfähig und flexibel, dafür geht ihm manchmal etwas der Realitätssinn ab.

Quelle: Ruth Pink – Souveräne Gesprächsführung und Moderation, ISBN-10: 3593368269


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