Wirtschaft & Politik

EU-Gipfel verabschiedet umfassendes Rettungs-Paket

Private Investoren wie Banken und Versicherungen sollen auf 50 Prozent ihrer Forderungen gegenüber dem Land verzichten. Es ist ein Schuldenschnitt von 50 Prozent für Griechenland beschlossen worden. Dieser Schritt soll den griechischen Schuldenberg bis zum Jahr 2020 um rund 100 Milliarden Euro absenken. Gleichzeitig muss die Regierung in Athen jedoch weiter eine drastische Sparpolitik betreiben. Hier wurden auch strengere Kontrollen angekündigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel verwendete den Begriff „verstärktes Überwachungsregime“.

Banken müssen sich 106 Milliarden Euro frisches Kapital besorgen

Eine weitere Einigung der vergangenen Nacht betrifft die großen Banken Europas. Demnach müssen sich die führenden Institute insgesamt gut 106 Milliarden Euro frisches Kapital besorgen, um den auf ihren Schultern lastenden Schuldenerlass für Griechenland auch tragen zu können. Bis spätestens Ende Juni 2012 müssen sie ihre Kernkapitalquote auf 9 Prozent anheben. Rund 30 Milliarden Euro davon werden von griechischen Banken gebraucht werden, weitere 26 Milliarden von spanischen. An dritter Stelle kommen mit knapp 15 Milliarden Rekapitalisierungsbedarf die italienischen Banken und mit 9 Milliarden schließlich die französischen. Deutsche Banken brauchen voraussichtlich insgesamt 5 Milliarden Euro.

Erst Ende Juli war ein Paket verabschiedet worden, wonach die privaten Gläubiger zu einer Beteiligung – sprich Forderungsverzicht – von 21 Prozent verpflichtet wurden. Dies wurde nun auf 50 Prozent erhöht. Dazu müssen die Griechen den privaten Investoren eine Umtauschofferte der Anleihen vorlegen, die diese dann akzeptieren.

EFSF wird durch Hebel zur Teilkasko-Versicherung

Ein dritter Punkt auf der Agenda war die Verbesserung der Schlagkraft des Euro-Rettungsfonds EFSF von 440 Millionen Euro Kreditvolumen auf eine Billion Euro. Dies soll mittels eines so genannten Hebels von statten gehen. Demnach wird der EFSF künftig nur noch teilweise das Zahlungsausfallrisiko für Schuldentitel gefährdeter Euro-Staaten übernehmen – in Form einer Art Teilkaskoversicherung. Diese greift bei neu-emittierten Staatsanleihen. Gleichzeitig soll es noch einen Sonderfonds geben, in den auch der Internationale Währungsfonds (IWF) einzahlt. Mit ihm könnten ebenfalls Anleihen, die der EFSF teilweise versichert, zusätzlich abgesichert werden. Außerdem könnten sich über dieses Mittel auch Nicht-EU-Länder wie China oder Brasilien beteiligen.

Der Garantierahmen Deutschlands von maximal 211 Milliarden Euro soll in keinem Fall überschritten werden. Dies hatte der Bundestag gestern mit den Stimmen der Union, der FDP, der SPD und der Grünen Merkel als Bedingung mit nach Brüssel gegeben.

(BörseGo)


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