Wirtschaft & Politik

Wie sich die Gehälter in einigen europäischen Ländern entwickeln werden

In diesem Jahr sind die Informationen von insgesamt über 400 Unternehmen in die Prognose zu den Gehaltsentwicklungen eingeflossen. Hatte nach der Finanz- und Wirtschaftskrise die Wirtschaft mit einem unerwarteten starken Aufschwung zur alten Stärke zurückgefunden, so häufen sich zurzeit wieder Informationen, die zur Vorsicht mahnen. Meldungen über staatliche Liquiditätsengpässe, dem ausweiten von Rettungsschirmen und letztlich die Herabsetzung der Bonität der USA sind Auslöser der erneuten Unsicherheit.

Auf der anderen Seite sind Nachrichten über sinkende Börsenkurse derzeit oft flankiert von Nachrichten über Umsatz- und Gewinnsteigerungen. Dies gilt vorrangig für die produzierenden Industrieunternehmen, aber auch einige Dienstleister vermelden deutlich positive Nachrichten. Inwiefern die Realwirtschaft von den Unsicherheiten an den Finanzmärkten in Mitleidenschaft gezogen wird, bleibt derzeit noch abzuwarten. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist, getrieben durch gut gefüllte Auftragsbücher, angespannt. Der Fachkräftemangel ist daher ein oft diskutiertes Thema in Unternehmen. Teilweise deutliche strukturelle Gehaltsanpassungen nach oben in vielen der betrachteten Länder, sind die logische Folge.

Auch die Bindung von Leistungsträgern an das Unternehmen wird so immer entscheidender für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg. Um die leistungsstarken Mitarbeiter an das eigene Unternehmen zu binden, werden auch vergütungspolitische Elemente genutzt. So nimmt die Verbreitung der Mitarbeiterbeteiligung auf allen Ebenen immer weiter zu. Die Höhe der variablen Bezüge für das Jahr 2011, die in der ersten Jahreshälfte 2012 zur Auszahlung kommen, werden voraussichtlich auf einem ähnlich hohen Niveau liegen, wie die Auszahlungen für das Jahr 2010 in der ersten Jahreshälfte 2011. So liegt die prognostizierte Inflationsrate in Deutschland bei 2 %. Die prognostizierte Gehaltsentwicklung im Top-Management bei 3,5%, im mittleren Management bei 3,2% und bei Arbeitern bei 2,9%. In Österreich leigt die prognostizierte Inflationsrate bei 2,1%, die Gehaltsentwicklung im Top-Management bei 3,5%, im mittleren Management bei 3,4% und bei den Arbeitern bei 2,7%.

Die Gehaltssteigerungen für Mittel- und Osteuropa weisen traditionell große Unterschiede in ihrer Gehaltsentwicklung auf, wobei die Spannen jene in Westeuropa deutlich  überschreiten. Dies liegt nicht nur an zum Teil höheren Inflationsraten sondern auch an einer langsamen aber stetigen Angleichung an westeuropäische Verhältnisse. Tarifverhandlungen bieten ein interessantes Stimmungsbild eines Landes. Auch wenn die tatsächlichen Erhöhungen nur in übertragenem Sinne auf Führungs- und Expertenebene umgelegt werden können, zeigen sie eine Grundstimmung, die sich über einen längeren Zeitraum aufgebaut hat und die nähere Zukunft beeinflussen wird. Somit lohnt es sich, einen kurzen Blick darauf zu werfen. Im Gegensatz zu Deutschland oder Österreich finden Tarif- bzw. Kollektivverhandlungen im überwiegenden Teil Mittel- und Osteuropas auf Unternehmensebene statt. Die Gewerkschaften verhandeln mit Regierungen und Arbeitgebern in erster Linie über die Mindestlöhne, denen in Ländern mit einem niedrigen Lohnniveau eine zentrale Bedeutung zukommt.

Während in Kroatien der Mindestlohn seit 2009 stagniert, wurde er dieses Jahr in Polen um über 5 %, in Ungarn und in Russland über 6 % (Moskau knapp 17 %) angehoben. In der Slowakei, Tschechien und der Türkei finden derzeit Gespräche statt, denen teilweise substantielle Forderungen der Gewerkschaft zugrunde liegen. Beachten sollte man hierbei, dass der Mindestlohn in manchen Ländern noch deutlich unter dem Existenzminimum liegt.

So liegt beispielsweise die erwartete Inflationsrate in Polen bei 3,2% und die Gehaltsentwicklung bei 5,6%, in Rumänien beträgt die erwartete Inflationsrate 4 % und die Gehaltsentwicklung bei 5,5%. In Russland liegt die erwartete Inflationsrate bei 6,4% und die prognostizierte Gehaltsentwicklung bei 6,8%.

Große Länder wie Russland, Polen, Türkei oder Rumänien sind wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung als Absatzmärkte von strategischer Bedeutung, während Länder wie die Tschechische Republik, Slowenien oder Kroatien oft eine Zusatzfunktion als Marktbearbeitung für eine gesamte Region ausüben. Rumänien, Bulgarien oder die Ukraine sind aufgrund ihrer niedrigen Lohnkosten für internationale Investoren besonders attraktiv. Türkei, Polen, die Tschechische Republik sowie Russland weisen sich derzeit durch eine besonders florierende Wirtschaft aus, wobei die Türkei auch bei kontinentaleuropäischen Ländern immer stärker als Wachstums- und Investitionsmarkt wahrgenommen wird.


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