Personal

Deutsche Männer überschätzen Chancengleichheit von Frauen im Beruf

Diese wird jedes Jahr vom Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleister Accenture veröffentlicht. 49 Prozent der Männer sagen, absolute Gleichheit sei noch nicht erreicht, aber Frauen stünden kurz davor. Dem schließen sich 44 Prozent der Frauen an. Zwölf Prozent schätzen dagegen, sie werde wohl nie erreicht.

„Frauen müssen heute im Berufsleben immer noch viele Steine aus dem Weg räumen, bei allen Fortschritten der letzten Jahrzehnte“, sagt Catrin Hinkel, Geschäftsführerin bei Accenture und verantwortlich für den Bereich Human Capital & Diversity. „Einer der größten Brocken ist der Glaube vieler Männer, dass die Chancengleichheit mittlerweile besteht oder so gut wie erreicht ist.“ Diese Wahrnehmung berge die Gefahr für Arbeitgeber, nicht immer die optimale Personalentscheidung zu fällen.

Arbeitet eine Frau zum Beispiel Teilzeit, weil sie Kinder hat, zieht ein Vorgesetzter sie oft aus falsch verstandener Rücksichtnahme nicht in Betracht für eine Position mit mehr Verantwortung – selbst wenn sie die beste Kandidatin dafür ist. „Kein Arbeitgeber gesteht sich gerne ein, dass bei ihm keine Chancengleichheit herrscht. Das entspricht nicht der gesellschaftlich akzeptierten Meinung“, sagt Catrin Hinkel. „Es ist einfacher zu glauben, das Problem der Chancenungleichheit sei behoben, als eine Lösung dafür zu finden.“

Immerhin 45 Prozent der befragten berufstätigen Frauen in Deutschland sagen, dass ihr berufliches Fortkommen gelitten hat, seit sie Mütter sind (Väter: 22%). 20 Prozent der berufstätigen Mütter können laut eigenen Angaben auf den (Ehe-)Partner zählen, wenn es um die Betreuung der Kinder geht, jedoch 38 Prozent der Männer. „Viele Frauen steigen nach der Geburt ihrer Kinder nicht auf ihren vorherigen Positionen wieder ein und erreichen später nicht die Positionen, die sie von ihrer Qualifikation her bekleiden könnten“, sagt Catrin Hinkel. „Dieser „Brain Drain“ wirkt schwerer als alle Ab- und Auswanderung. Arbeitgeber sollten sich das nicht länger leisten.“ Verbreitet ist eine andere Praxis. Die befragten Frauen und Männer geben an, der Arbeitgeber unterstütze Frauen beim beruflichen Fortkommen vor allem in fachlicher Hinsicht, durch Fortbildungen und andere Lernangebote (45%). Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie bietet dagegen nach Angabe der Befragten nur eine von vier Organisationen an (24%).


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