Wirtschaft & Politik

Studierende sehen ihre Karrierechancen so gut wie nie zuvor

Auch im internationalen Vergleich schätzen mit 57 Prozent so viele der Hochschulabsolventinnen und -absolventen ihre Wettbewerbsfähigkeit positiv ein wie nie zuvor. Verbunden sind diese Trends offenbar mit der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen, die die Befragten mehrheitlich (76 Prozent) optimistisch sehen. 33 Prozent der Studierenden erwarten außerdem im kommenden Jahr eine noch bessere wirtschaftliche Entwicklung als in diesem Jahr. 55 Prozent antizipieren eine unveränderte Entwicklung.

Dementsprechend hoch ist die Erwartungshaltung an einen zukünftigen Arbeitgeber: Die Studentinnen und Studenten bevorzugen solche Unternehmen, die ihnen gute Aufstiegs- und Fortbildungsmöglichkeiten und gleichzeitig Optionen für berufliche Auszeiten für Familie und Weiterbildung bieten. Das sind einige Ergebnisse der repräsentativen 9. „Continental-Studentenumfrage“ 2012 unter angehenden Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie Natur- und Wirtschaftswissenschaftlerinnen und –wissenschaftlern. Das Institut für angewandte Sozialforschung Infas hatte im Auftrag des Unternehmens 1.025 Studierende nach ihren Ansichten zu Karriere, Arbeitswelt und Hochschulthemen befragt. Ein zusätzlicher Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf dem Thema Herausforderungen und Chancen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Verantwortung bei Unternehmen

Klare Tendenz dabei: Vier von fünf Befragten (82 Prozent) sehen eine große gesellschaftliche Verantwortung bei Unternehmen, nur ein Bruchteil hält Unternehmen allein den Aktionären verpflichtet. Bei einem zukünftigen Arbeitgeber legt jeder Fünfte (19 Prozent) Wert auf soziales und ökologisches Engagement und fast jeder Dritte (29 Prozent) auf nachhaltiges Wirtschaften. Gleichzeitig zählen im privaten Bereich soziales und ökologisches Engagement nur für jeden Zehnten (9 Prozent) zu einem zentralen Lebensbereich.

81 Prozent der Befragten haben auch den Anspruch an Bürger und Politiker, auf eine gerechte Wirtschaft hinzuwirken. Für eine Mehrzahl der Befragten (70 Prozent) stellt die gerechte Verteilung der Ressourcen die größte globale Herausforderung der nächsten Jahre dar. Im selben Moment möchte allerdings fast die Hälfte (47 Prozent) die wirtschaftliche Position Deutschlands und Europas um jeden Preis verteidigen. Etwa ein Viertel (23 Prozent) der Befragten wäre nicht bereit, auf einen Teil des eigenen Wohlstands zu verzichten.

Work-Life-Balance entscheidend

Entscheidende Kriterien attraktiver Jobangebote sind neben interessanten Aufgaben (57 Prozent) und vertraglichen Regelungen wie unbefristete Anstellung (41 Prozent) und geregelte Arbeitszeiten (30 Prozent) zunehmend die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf (91 Prozent). Partnerschaft und Familie (62 Prozent) haben für Studierende einen höheren Stellenwert als Studium und Qualifikation (55 Prozent) sowie Beruf und Karriere (30 Prozent). Im Kontext der Priorisierung von Partnerschaft und Familie ist auch die geringe Flexibilität im Bezug auf Arbeiten im Ausland zu sehen: 2012 legt nur jeder Zwanzigste bei der Jobsuche Wert auf einen Arbeitsort im Ausland. Die Schweiz (58 Prozent) und die USA (51 Prozent) haben noch die größte Attraktivität für die Studierenden. Allein die USA haben in dieser Umfrage minimal an Attraktivität gewonnen: 2011: 48 Prozent, 2012: 51 Prozent. Während Russland (11 Prozent) und Osteuropa (14 Prozent) selten im Fokus stehen.


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