Soft SkillsZum eigenen Lebensglück gelangen

Heutzutage werden wir permanent mit neuen Anforderungen konfrontiert: Wir sollen mobil und stets erreichbar sein. Wir sollen uns lebenslang weiterbilden. Und um unsere Alters- und Gesundheitsvorsorge? Auch um sie sollen wir uns verstärkt kümmern. Egal, wohin wir schauen: Überall wird von uns mehr Eigenverantwortung gefordert, und überall werden wir mit neuen Herausforderungen konfrontiert – Herausforderungen, von denen wir oft noch nicht wissen, wie wir sie bewältigen sollen. Unser Lebensglück ist sehr brüchig.

Zudem geraten wir häufiger in Situationen, in denen wir uns entscheiden müssen. Ziehe ich nach München oder London um, weil ich Karriere machen möchte, oder sind mir meine Freunde wichtiger? Spare ich 200 Euro pro Monat fürs Alter oder fahre ich zwei Mal pro Jahr in die Karibik? Will ich mit meinem Partner Kinder kriegen oder ist mir meine Unabhängigkeit wichtiger? Bei all diesen Fragen müssen wir uns in der Regel entscheiden, denn es ist eine Illusion anzunehmen: Alles ist zugleich möglich.

Herausforderung: Sich entscheiden

Solche Entscheidungen zu treffen, fällt vielen Menschen schwer, denn: Wenn wir uns für etwas entscheiden, müssen wir andere Möglichkeiten verwerfen. Dies können wir aber nur, wenn wir wissen, was uns wichtig ist. Sonst fassen wir zwar viele Vorsät-ze, doch ein, zwei Tage später sind sie vergessen, denn unsere Vorsätze sind nicht in einer Lebensvision verankert. Deswegen werfen wir sie, wenn sich die ersten Widerstände beim Umset-zen zeigen, schnell wieder über Bord und entfernen uns von unserem Lebensglück.

Hinzu kommt: Was in unserem Leben wirklich wichtig ist, ist nie dringend.

  • Es ist nie dringend, joggen zu gehen. Es wäre aber gut für unsere Gesundheit.
  • Es ist nie dringend, mit den Kindern zu spielen. Es wäre aber für sie wichtig.
  • Es ist nie dringend, sich Zeit für ein Gespräch mit dem Partner zu nehmen. Es wäre aber für die Beziehung wichtig.
  • Es ist nie dringend, sich zu fragen „Welche Ziele habe ich im Leben?“ Es wäre aber wichtig, damit wir nicht in eine Sinnkrise geraten.

Weil die wirklich wichtigen Dinge nie dringend sind, schieben wir sie oft vor uns her. Oder wir hegen die Illusion: Wenn ich alles schneller erledige, habe ich auch dafür Zeit. Das erweist sich meist als Trugschluss. Die einzige Konsequenz: Wir führen zu-nehmend ein Leben im High-Speed-Tempo. Und irgendwann stellen wir resigniert fest: Nun führe ich zwar ein (noch) gefüllteres Leben, aber kein erfülltes Leben und bin weit entfernt von meinem Lebensglück.

Herausforderung: Die Balance im Leben wahren und zum Lebensglück finden

Eine solche Schieflage ist kein Einzelschicksal. Immer mehr Menschen plagt das Gefühl: Mein Leben ist nicht im Lot. Eine Ursache hierfür ist: Bezogen auf ihre berufliche Laufbahn haben die meisten Menschen eine klare Perspektive – zum Beispiel: „Ich will Vertriebsleiter werden und 80.000 Euro im Jahr verdie-nen.“ Anders sieht es in den Lebensbereichen „Sinn/Kultur“, „Körper/Gesundheit“ und „Soziales Leben“ aus. Hier fehlen uns häufig klare Ziele.

In der Alltagshektik übersehen wir zudem oft, dass die vier Lebensbereiche in einer Wechselbeziehung stehen. Deshalb verliert, wer zum Beispiel den Bereich „Berufliches Leben“ längerfristig überbetont, auf Dauer neben seiner Lebensfreude, auch seine Leistungskraft. Denn:

  • Wer krank ist, kann weder sein Leben in vollen Zügen genießen noch ist er voller Leistungskraft.
  • Wer einsam ist, ist weder „quietsch-vergnügt“ noch kann er die volle Energie auf seinen Job verwenden.
  • Wer in einer Sinnkrise steckt, ist weder „lebensfroh“ noch sehr leistungsfähig. Denn hinter all seinem Tun steht die Frage „Was soll das Ganze?“.

Wenn wir ein erfülltes Leben führen möchten und zu unserem Lebensglück gelangen wollen, müssen wir folglich für die rechte Balance zwischen den vier Lebensbereichen sorgen. Hierfür brauchen wir eine Vision von unserem künftigen Leben.

Schlüsselkompetenz Gelassenheit und Zuversicht

In der medizinischen Forschung gewinnt zunehmend das Thema Salutogenese an Bedeutung. Das heißt die Frage: Warum werden gewisse Menschen nicht krank – obwohl sie in ihrem Leben denselben gesundheitsbelastenden Faktoren ausgesetzt sind wie viele erkrankte Menschen? Des Weiteren die Frage: Wie kann man die Widerstandskraft von Menschen so stärken, dass sie gesund bleiben, selbst wenn sie – sei es beruflich oder privat – großen Belastungen unterworfen sind?

Eine zentrale Erkenntnis dieser Forschung ist: Ob uns etwas krank macht, hängt auch davon ab, wie wir auf (neue) Herausforderungen, reagieren. Eher passiv, ängstlich mit der Grundhal-tung „Das schaffe ich nicht“? Oder eher selbstbewusst und getragen von der Zuversicht: „Irgendwie schaffe ich das schon, denn ich habe in meinem Leben schon viele Herausforderungen gemeistert.“

Wie selbstbewusst wir mit Herausforderungen umgehen, hängt auch davon ab, ob wir eine Vision von unserem künftigen Leben haben. Denn heute werden viele Anforderungen an uns gestellt, die sich nur bedingt miteinander vereinbaren lassen. Dies werden berufstätige Mütter sofort bestätigen. Denn in den meisten höher qualifizierten Jobs sind unregelmäßige Arbeitszeiten normal. Für berufstätige Mütter bedeutet dies: Sie können nicht mehr täglich beispielsweise Punkt 16 Uhr das Büro verlassen. Was sollen sie aber tun, wenn der Kindergarten um 16 Uhr schließt? Noch ein Beispiel: Vielen Vertriebsmitarbeitern von Unternehmen fällt es zunehmend schwer, regelmäßige private Termine wahrzunehmen. Denn immer wieder dauert ein Kundentermin länger als geplant. Entsprechendes gilt für viele Projektverantwortliche in Unternehmen. Folglich sind (Interessen-)Konflikte vorprogrammiert.

Für solche Konflikte bietet uns das klassische Zeit- und Selbstmanagement keine Lösung. Denn irgendwann ist unser Terminplan voll. Und auch das empfohlene Delegieren von Aufgaben stößt an seine Grenzen – zum Beispiel, weil uns schlicht das Geld zum Beschäftigen einer Haushaltshilfe oder eines weiteren Mitarbeiters fehlt.

Herausforderung: Das eigene Leben managen und zum Lebensglück finden

Hinzu kommt: Unsere größten Konflikte resultieren meist daraus, dass wir in ein soziales Beziehungsnetz eingebunden sind. Hierfür zwei Beispiele: Ein Angestellter kann sich zwar vorneh-men „Heute Abend, Punkt 18 Uhr, verlasse ich das Büro.“ Wenn sein Chef aber kurz vor 18 Uhr sagt „Dieses Angebot muss heu-te noch raus“, dann hat er ein Problem. Ebenso verhält es sich, wenn er sich vornimmt „Ich gehe abends regelmäßig joggen“, sein Lebenspartner aber sagt: „Wenn du schon so spät von der Arbeit kommst, könntest du wenigstens dann bei mir und den Kindern bleiben.“

Das klassische Zeit- und Selbstmanagement tut so, als würden wir als „lonely heroes“ durch das Leben gehen. Dies können wir zwar, aber ein erfülltes Leben führen wir so nicht, denn: Menschliches Leben ist Leben in Gemeinschaft. Hinzu kommt: Wenn unser Privat- oder Berufsleben an uns Anforderungen stellt, die sich nur schwer miteinander vereinbaren lassen, dann können wir diese meist nur mit Hilfe anderer Menschen meistern. Zum Beispiel, indem wir mit Bekannten vereinbaren: „Montags holst du meine Kinder ab, damit ich länger arbeiten kann. Dafür nehme ich am Dienstag deine Kinder mit.“

Hieraus resultiert eine weitere Anforderung: Wir müssen sozusagen „Manager“ unseres eigenen Lebens werden – sprich Personen, die durch ihr heutiges Handeln dafür sorgen, dass sie auch künftig ein glückliches und erfülltes Leben führen.

Eine Voraussetzung hierfür ist: Wir müssen heute dafür (vor-)sorgen, dass wir auch künftig nicht unsere Lebensbalance ver-lieren. Zum Beispiel, weil

  • wir unseren Arbeitsplatz verlieren (Bereich „Berufliches Leben“),
  • uns unser Lebenspartner verlässt (Bereich „Soziales Le-ben“),
  • wir einen Herzinfarkt erleiden (Bereich „Kör-per/Gesundheit“) oder
  • uns das Burn-out-Syndrom und damit die Sinnkrise packt (Bereich „Sinn/Kultur“).

Der erste Schritt hierzu besteht darin, dass wir eine Vision von unserem künftigen Leben und unserem Lebensglück entwickeln. Hierzu müssen wir uns bezogen auf die vier Lebensbereiche fragen:

  • Was ist mir wirklich wichtig?
  • Worin zeigt sich für mich ein erfülltes Leben?
  • Was muss ich tun, damit ich auch morgen ein glückliches Leben führe?

Proaktiv handeln statt reagieren

Fragen sollten wir uns zudem regelmäßig: Gibt es in meinem Lebensumfeld Anzeichen dafür, dass künftig die Balance in meinem Leben bedroht sein könnte? Diese Signale können vielfältig sein. Zum Beispiel:

  • Zwischen Ihnen und Ihrem Lebenspartner herrscht zunehmend Schweigen. Auch wichtige Freunde melden sich nicht mehr (Bereich „Soziales Leben“).
  • In Ihrem Betrieb lautet die oberste Maxime plötzlich „Spa-ren“ (Bereich „Berufliches Leben“).
  • Sie fragen sich immer häufiger: Was soll das Ganze? (Bereich „Sinn/Kultur“).
  • Sie spüren ab und zu ein Stechen in Ihrer Herzgegend (Bereich „Körper/Gesundheit“).

Spätestens, wenn wir solche Warnsignale registrieren, sollten wir aktiv werden. Denn dann können wir oft noch vermeiden, dass wir die Lebensbalance verlieren. Dann haben wir auch noch die Kraft, Weichen für unser Lebensglück neu zu stellen. Wenn wir bereits in der Krise stecken, fehlt uns diese meist.


Sabine Prohaska

Über den Autor Sabine Prohaska

Sabine Prohaska ist Inhaberin des Trainings- und Beratungsunternehmens seminar consult prohaska in Wien. Sie ist Autorin des Buchs „Erfolgreich im Training - Praxishandbuch“. www.seminarconsult.at

1Kommentare

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  1. 1 Wilkening, Günter | 6. August 2013

    Hallo,
    Alle und viele suchen das Lebensglück der Zweisamkeit um die schönen Wege des Herzens zu gehen und darum bitte ich um Gratiseintrag (Ratschlag).:
    Wie wichtig es doch ist, dass zwei Menschen in einer
    Beziehung/Partnerschaft folgende Regeln bzw. Grundsätze
    Unbedingt einhalten und beherzigen.:

    1.) Jeden Tag sollte man kreativ und positiv gestalten sowie
    neugierig sein und gemeinsam viel neues aus probieren,
    denn Langeweile ist nicht gut für die gemeinsame Zeit und
    die Liebe.

    2.)Die Freiheit sollte man immer bewahren, denn beide
    Partner müssen und sollten sich immer frei entfalten
    sowie können sich ruhig mal ein paar Tage getrennt
    voneinander verbringen und allein sein, denn es
    es tut immer gut sich nacheinander zu sehnen.

    3.) Zeit füreinander investieren, denn wenn keine Zeit
    für gemeinsame Gespräche und Unternehmungen
    vorhanden und möglich ist, dann bedeutet es, dass die
    Beziehung/Partnerschaft nicht von Bestand ist.

    4.) Verschiedene Interessen pflegen, denn Sie müssen
    nicht unbedingt dasselbe Hobby oder den identischen
    Freundeskreis haben, denn unterschiedliche Erfahrungen
    Bereichern die Beziehung/Partnerschaft sowie die Liebe.

    5.) Sehr wichtig ist auch der Austausch von Zärtlichkeiten,
    Gefühlen, Streicheleinheiten usw., denn das und vieles
    ist die Grundlage der Liebe/Zweisamkeit, was zwei bewegt
    um gemeinsam füreinander immer da zu sein sowie der
    Nektar des Lebens.

    Bitte um Kenntnisnahme und Beachtung.

    Günter Wilkening