E-BusinessWie digital ist der deutsche Mittelstand?

Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Antrieb Mittelstand. Cloud Computing, Social Media, Online-Marketing: Wie digital ticken kleine und mittlere Betriebe in Deutschland eigentlich? Um dies herauszufinden, hat sich Antrieb Mittelstand einmal ganz genau umgehört – und 1.550 IT-Entscheider aus Unternehmen unterschiedlicher Wirtschaftszweige zu ihrem Internetnutzungsverhalten befragt.

Anhand sogenannter Digitalisierungspunkte (DP) zeigt das Barometer an, wie intensiv sich die einzelnen Branchen mit dem Thema auseinandersetzen. Konkret ging es um die Bereiche „Online-Vermarktung“, „IT/TK-gestützte Prozesse“, „Mobiles Arbeiten“ und „Cloud Services“ sowie die jeweilige Nutzung dieser Technologien. Dem Durchschnitt wurde der Wert 100 DP zugewiesen. Das bedeutet: Unternehmen aus den Wirtschaftszweigen „Energie/Wasser/Verkehr“ liegen mit 105,3 DP, „Sonstige Dienstleistungen (Reinigungs- und Reparaturdienste, Landschaftsbau, Frisöre, Wäschereien, Reisebüros etc.) mit 96,9 DP im Mittelfeld.

„Wir konnten bei mittelständischen Firmen aller Branchen feststellen, dass sie die Chancen des digitalen Zeitalters noch nicht optimal nutzen“, sagt Christian Rätsch, Leiter Marketing KMU bei Telekom Deutschland. Umso wichtiger sei es, dass die Unternehmer hier nachrüsteten, um im internationalen Wettbewerb auch künftig bestehen zu können.

Größere Unternehmen arbeiten digitaler

Platz eins auf dem digitalen Siegertreppchen nehmen mit 125 DP die „professionellen Dienstleistungen“ – wie etwa Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatungen sowie Wirtschaftsprüfungen und Ingenieurbüros – ein. Platz zwei belegen mit 117,4 DP Firmen des Wirtschaftszweigs „Finanzen/Versicherungen/Immobilien“. Den größten Aufholbedarf haben das Gastgewerbe sowie Firmen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen. Auffallend: Je größer das Unternehmen, desto digitaler auch die Betriebsabläufe.

Website ja, Online-Shop nein

Heute schon altbewährt: Die E-Mail. Rund 80 Prozent der Befragten nutzen diese Form der Kommunikation. Damit ist der virtuelle Brief das am häufigsten verwendete „digitale Instrument“. Ganz weit oben stehen mit 70 Prozent außerdem Buchhaltungsanwendungen. Mit einer eigenen Webseite präsentieren sich rund 78 Prozent der Studienteilnehmer. Doch damit diese im Internet auch gefunden wird, gilt es, Kriterien der Suchmaschinenoptimierung einzuhalten. Hier, so das Ergebnis der Studie, gibt es allgemeinen Nachholbedarf: Lediglich 42 Prozent der Unternehmer haben ihre Homepage nach diesen Kriterien gestaltet. Keinerlei Interesse an einem Online-Auftritt haben 13 Prozent der Befragten. Dabei, so Christian Rätsch, könnten Unternehmer besonders mithilfe von Online-Handel und -Marketing ihr Geschäft kräftig ankurbeln. Nur 16 Prozent der Befragten betreiben bisher einen Online-Shop, und lediglich elf Prozent geben an, Online-Werbung zu schalten.

Aufholbedarf bei Cloud und Social Media

Alle sprechen von der Cloud. Doch was ist das eigentlich? Dem Ergebnis der Studie nach zu urteilen steht diese Frage für viele Mittelständler nach wie vor im Raum: Aktuell bezieht nur jedes zehnte mittelständische Unternehmen Sicherheitslösungen aus der Wolke. Rund acht Prozent nutzen andere Software (etwa CRM-Anwendungen oder ERP zur Steuerung von Unternehmensprozessen) aus der Cloud. Besonders interessant hier: Die momentane Zurückhaltung ist – im Gegensatz zu den anderen Themen des Digitalisierungsbarometers – weitgehend unabhängig von Branche und Mitarbeiterzahl.

Auch beim Thema Social-Media liegt der Mittelstand noch zurück: Nicht einmal ein Viertel der Befragten nutzen Facebook oder Twitter. Dabei sind Tweets und Posts in Social-Media-Kanälen heutzutage das, was einst die helle Glocke des Eisverkäufers war. Aufmerksamkeit lässt sich eben auch – und vielleicht gerade – auf diesem Wege erzeugen.


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