UnternehmensführungIT-Start-ups brauchen Kapital und Kontakte

Das teilten der Hightech-Verband BITKOM und der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungs-gesellschaften (BVK) mit. Im gesamten Jahr 2012 wurden 256 Millionen Euro investiert. Wie bereits im Vorjahr bleibt Berlin die Venture-Capital-Hauptstadt Deutschlands. Allein 69 Millionen Euro flossen im ersten Halbjahr in ITK-Unternehmen aus der Bundeshauptstadt. Auf dem zweiten Platz liegt Bayern mit 36 Millionen Euro – weit vor Baden-Württemberg auf Platz drei mit 5 Millionen Euro.

Auch über alle Branchen hinweg sind die VC-Investitionen gestiegen. Sie lagen im ersten Halbjahr 2013 bei insgesamt 354 Millionen Euro. Im Jahr 2012 sind insgesamt 549 Millionen Euro Venture Capital investiert worden. Venture Capital hat nach Ansicht von BVK und BITKOM eine entscheidende Bedeutung für die Gründungsfinanzierung. Besonders der private Venture-Capital-Sektor müsse gestärkt werden. „Alle Bundestagsfraktionen haben sich zu Venture Capital bekannt. Die Politik sollte Anreize setzen, um Investoren zu mobilisieren und Investitionen zu stimulieren“, sagte BVK-Geschäftsführerin Ulrike Hinrichs in Berlin. „Die steuerliche Behandlung von Venture-Capital-Fonds ist weiterhin verbesserungswürdig. Und für die jungen Unternehmen wiederum sind der Erhalt der Verlustvorträge und die steuerliche Unterstützung von Forschung und Entwicklung besonders wichtig.“

Unabhängig vom Ausgang der Bundestagswahl müssten in der kommenden Legislaturperiode die Weichen für eine nachhaltige Start-up-Politik gestellt werden. „Deutschland braucht eine Start-up-Politik aus einem Guss“, sagte BITKOM-Vizepräsident Ulrich Dietz. „Dauerhaft erfolgreiche Start-up-Politik beginnt in den Schulen, wo der Gründer- und Unternehmernachwuchs heranwächst. Sie schließt die wichtigen Finanzierungsbedingungen ein, schafft Start-up-orientierte Rahmenbedingungen und unterstützt junge Firmen bei Wachstum und Internationalisierung.“ Außerdem sei eine höhere gesellschaftliche Anerkennung für Gründer wünschenswert, da der Aufbau eines Unternehmens in der Regel mit großem persönlichen Einsatz verbunden sei. Dietz: „Die Gesellschaft profitiert von einem Anstieg der Gründungstätigkeit direkt durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze.“ Besonders zukunftssichere Jobs entstünden im Hightech-Sektor.

Die Grundlagen für eine stärkere Gründungstätigkeit im Hightech-Bereich müssen aus Sicht des BITKOM bereits im Bildungssystem gelegt werden. In den Schulen sollten mit einem Pflichtfach „Wirtschaft und Gesellschaft“ grundlegende Kenntnisse über das Wirtschaftssystem vermittelt werden. „Die Schulen müssen ein authentisches Unternehmerbild vermitteln und jungen Menschen Lust machen auf eigene unternehmerische Aktivitäten“, sagte Dietz. Die Entscheidung, ob junge Menschen ein Unternehmen gründen, falle häufig noch während des Studiums. „Hochschulen sind die beste Plattform für eine Gründung“, sagte Dietz. Daher müssten die bereits bestehenden Gründerzentren an den Hochschulen ausgebaut und weiter professionalisiert werden. Zudem sollte ein praxisorientiertes Lernmodul „Entrepreneurship“ in sämtliche Studiengänge integriert werden.

Dringend erforderlich ist aus Sicht von BITKOM und BVK die Verbesserung der Finanzierungssituation von Start-ups und jungen Unternehmen, die sich in einer Wachstumsphase befinden. Folgende Massnahmen müssen angepackt werden:

  • Wagniskapitalfonds muss als vermögensverwaltend auch gesetzlich verankert werden. Dies fördert das Vertrauen möglicher Investoren erheblich.
  • Investoren müssen Verluste aus Start-up-Beteiligungen bei ihrer Einkommensteuer geltend machen können.
  • Wenn Business Angels ihre Anteile von Start-ups veräußern, muss die Steuer auf Gewinne bei einer Re-Investition in andere Start-ups („Roll-over“) solange gestundet werden, bis sie nicht mehr in neue Gründungen fließen.
  • Verluste aus der Startphase müssen bei Start-ups in Gewinnjahren sofort und nicht erst zeitverzögert steuerlich geltend gemacht werden können, damit sie in der wichtigen Wachstumsphase gestärkt und nicht geschwächt werden.
  • Ankerinvestoren auf Bundes- und Landesebene für Venture-Capital-Fonds. Die KfW und die Förderbanken der Länder müssen sich intensiver an der Finanzierung von Venture-Capital-Fonds beteiligen.

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