Burn-out oder Sinnkrise?Eine Auszeit eröffnet neue Perspektiven

„Du musst mobil sein.“ „Du musst stets erreich- und ansprechbar sein“. „Du musst mehr Eigenverantwortung zeigen.“ Mit solchen Anforderungen werden Arbeitnehmer heute zunehmend konfrontiert – beruflich und privat. Sie sollen nicht nur mehr, sondern auch stets neue Anforderungen erfüllen; Anforderungen zudem, die sich oft schwer vereinbaren lassen.

Ein er-fülltes Leben oder ein ge-fülltes Leben?

Viele Menschen reagieren hierauf, indem sie versuchen, immer mehr Dinge in stets kürzerer Zeit zu bewältigen. Die Folge: Sie führen ein Leben im High-Speed. Und zunehmend verstärkt sich in ihnen das Gefühl: Ich bin nicht mehr „Herr“ meiner Zeit; ich werde zunehmend fremdbestimmt. Doch: Wer nur noch funktioniert, verliert irgendwann die Balance im Leben. Er schlittert fast zwangsläufig in eine Krise – körperlich oder psychisch.

Solche Krisen können wir nur vermeiden, wenn wir uns regelmäßig fragen:

  • Was ist mir in meinem Leben wirklich wichtig?
  • Welche (Lebens-)Ziele möchte ich erreichen?
  • Wie kann ich meine (Lebens-)Ziele erreichen?
  • Auf diese Fragen finden wir in der Alltagshektik meist keine Antwort – vor allem, weil uns dann die nötige Distanz zum Alltag fehlt.

Auszeiten schaffen die nötige Distanz

Deshalb sollten wir uns regelmäßig eine Auszeit gönnen. Diese Auszeiten können vielfältiger Natur sein. Hierbei kann es sich zum Beispiel um einen Kurzurlaub in den Bergen oder ein Verwöhn-Wochenende in einem Wellness-Hotel handeln. Entscheidend ist es, dem Trubel des Alltags zu entfliehen, um innerlich zur Ruhe zu kommen. Denn nur dann haben wir die Muße, um uns mit den wirklich wichtigen Fragen zu befassen.

Eine besondere Form der Auszeit ist das Sabbatical. Eine solche Auszeit über mehrere Monate oder gar ein Jahr empfiehlt sich, wenn wir das Gefühl haben: Ich stecke fest. Auf meinem jetzigen Lebensweg kann ich keine Erfüllung finden. Ich muss einen neuen Weg für mich entwerfen, weil es in mehreren Lebensbereichen zwar noch nicht brennt, aber bereits die ersten Flammen einer künftigen Krise lodern. Dann sollten wir eine längere Auszeit nehmen, denn in ein, zwei Tagen oder Wochen können wir kein neues Lebenskonzept entwerfen.

Ausgetretene Pfade verlassen

Auch aus folgendem Grund: Wenn wir uns auf einen neuen Lebensweg begeben, müssen wir unsere ausgetretenen (Verhaltens-)Pfade verlassen. Das fällt uns in der Alltagsumgebung meist schwer. Deshalb verbringen die meisten Menschen ihr Sabbatical nicht zu Hause. Sie begeben sich vielmehr zum Beispiel auf eine Weltumseglung oder ziehen sich in eine Almhütte zurück. Denn sie wissen: Dann finde ich eher die innere Ruhe, in der neue Gedanken in mir aufsteigen. Und fern von zu Hause wird mir eher bewusst, was mir wirklich wichtig ist.

Solche Auszeiten sind keine verlorene Zeit. Das zeigt die Erfahrung. Sie wirken sich meist auch positiv auf den beruflichen Erfolg aus. Denn wenn wir unseren Lebensweg (wieder-)gefunden haben, können wir voller Energie durchstarten. Denn nun wissen wir, was wir wirklich wollen. Entsprechend konzentriert und fokussiert gehen wir ans Werk. Wir laufen nicht mehr mit „angezogener Handbremse“ durchs Leben.

Klarheit gewinnen vor ausspannen

Doch Vorsicht! Ein Sabbatical ist kein verlängerter Urlaub. Das zentrale Anliegen hierbei ist nicht das Ausspannen, sondern das Sich-neu-Besinnen. Deshalb sollte ein Sabbatical vorbereitet sein. Sie sollten vorab wissen: Worüber möchte ich Klarheit gewinnen? Welches Ziel möchte ich in dem Sabbatical erreichen? Sonst besteht die Gefahr, dass Woche für Woche und Monat für Monat verstreichen. Diese genießen Sie zwar, doch wenn Sie nach dem Sabbatical in den Alltag zurückkehren, starten Sie wieder dort, wo Sie sechs Monate oder ein Jahr zuvor ausgestiegen sind. Dann war die Auszeit kein Sabbatical, sondern ein langer Urlaub.

Autorin: Sabine Prohaska, www.seminarconsult.at


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