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Konfliktstrategien

Konfliktstrategie Ironie

Ironie ist im Konfliktfall als Humor getarnte Aggressivität. Es wird über jemanden gelacht, es wird nicht miteinander gelacht. Sinn der Ironie ist es, demjenigen, der sich ihrer bedient, ein Gefühl der Überlegenheit zu verschaffen.

Das braucht er in diesem Moment dringend, denn im Grunde seines Herzens fühlt er sich gerade jämmerlich. Zum Überlegenheitsgefühl trägt bei, dass in der Ironie meistens sehr viel Kreativität steckt, was Zuschauer, falls vorhanden, auch mit Lachen honorieren.

Nur der von der Ironie Getroffene kann das in diesem Moment leider gar nicht würdigen und kontert, was leicht zu einer Eskalation führen kann, weil bei jedem Schlagabtausch mehr Schwachstellen des Kontrahenten bloßgelegt werden. Oder er fühlt sich unterlegen und greift zu anderen Methoden, um sich zu schützen.

Besonders wenn deutliche Unterschiede in Schlagfertigkeit und Rhetorik vorhanden sind, fühlt sich der Getroffene schnell hilflos und ausgeliefert und spürt genau, er macht sich immer lächerlicher, je wütender er wird. Das kann zu tiefen Verletzungen führen, die die weitere Kommunikation beeinträchtigen.

Konfliktstrategie Provokationen

Viele Konflikte werden durch Provokationen ausgelöst oder verschärft. Wer provoziert, will meist den anderen aus der Reserve locken, um ihn dadurch in eine schlechtere Position zu bringen. Neue Führungskräfte haben Provokationen meist von zwei Seiten zu gewärtigen: einmal möglicherweise von Mitarbeitern, die selbst diese Position haben wollten und deshalb zum neuen Chef in Konkurrenz gehen. Die Botschaft, die sie mit Provokationen vermitteln wollen, läuft dann meist auf Folgendes hinaus: Du kannst das doch gar nicht – ich bin sowieso besser!

Wenn man das durchschaut, hat man es nicht mehr nötig, sich ganz fürchterlich abzustrampeln, nur um zu beweisen, dass man doch sehr tüchtig ist. Eine Provokation, die ins Leere läuft, verliert ihren Reiz.

Zum anderen kommt es vor, dass sich Kollegen von dem Neuen bedroht fühlen, besonders natürlich, wenn ihm ein exzellenter Ruf vorauseilt. Dann sollen die provokanten Äußerungen klar machen, dass man von Kollegenseite überhaupt nicht beeindruckt ist und schon viele ganz groß angefangen haben, um ganz klein zu enden.

Der professionellste Umgang mit Provokationen ist, sie zu ignorieren. Hört der andere dann damit auf, ist ja alles in Ordnung. Doch wenn nicht, sollte man sie zum Gesprächsthema machen, um zu klären, was auf der Beziehungsebene nicht stimmt. Denn genau wie Ironie vergiften auch andauernde Provokationen die Atmosphäre.

Konfliktstrategie: Andere lächerlich machen

Wer es nötig hat, andere lächerlich zu machen, leidet schwer an innerer Unsicherheit: Er muss sich selbst erhöhen, indem er andere erniedrigt, was nicht gerade ein Zeichen von Souveränität ist.

Derjenige, der versucht, andere lächerlich zu machen, tut das meist auch in der Absicht, eventuell vorhandenes Publikum auf seine Seite zu bringen, er will die Lacher für sich haben. Da die meisten Menschen ein gut ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl haben, erreicht jemand, der andere lächerlich machen will, jedoch oft nur, dass sich die Stimmung gegen ihn wendet, manchmal so weit, dass es zu offener Ablehnung kommt.

Konfliktstrategie Übertreibungen

Häufig wird in Konflikten übertrieben. Der Hintergrund, warum wir alle es so gerne tun, ist, dass wir so versuchen, unseren Aussagen mehr Gewicht zu geben. Das Erstaunliche ist, dass wir der Versuchung zu übertreiben immer wieder nachgeben, obwohl wir wissen, dass es in den seltensten Fällen funktioniert. Weil sie vom eigentlichen Sachverhalt ablenkt, verfehlt die Übertreibung ihr Ziel.

Durch die Grandiosität, mit der etwas größer oder kleiner gemacht wird, verliert das berechtigte Interesse, das hinter dem Argument steckt, an Schlagkraft. So wird genau das Gegenteil von dem erreicht, wofür die Übertreibung eingesetzt wird, nämlich die eigene Position zu rechtfertigen.

Ein Team, mit dem ein sehr erfolgreiches Schulungstraining absolviert wurde, wollte einen zusätzlichen Vertiefungstag bewilligt bekommen. Es kam zu einer sehr heftigen Diskussion mit dem zuständigen Herrn vom Personalbereich, der meinte: Das geht doch nicht! Noch ein Training, und noch eines und noch eines! Bald machen wir nur noch Training! Mit der maßlosen Übertreibung wollte er sein Nein rechtfertigen, doch es ging ja tatsächlich nicht um viele Trainings, sondern um genau einen Tag!

Übertreibungen machen es sehr schwer, sich sachlich auseinander zu setzen, weil sie die andere Seite natürlich animieren, nun ihrerseits mit Übertreibungen zu kontern. Wenn aus einer Kleinigkeit zu Zwecken der verbalen Schlagkraft ein großes Konstrukt wird, woraufhin der Konfliktpartner jegliche Existenz eines Problems leugnet, ist der Sache nicht gedient. Besser wäre es ohne Zweifel, über die Lappalie zu reden.

Konfliktstrategie Absolutbegriffe

An das Thema Übertreibungen schließt sich logisch gleich der nächste Punkt, Absolutbegriffe, an. Immer, nie, alle, keiner sind eine Sonderform der Übertreibungen, und wenn man diese Aussagen wörtlich nimmt, wird ihre Absurdität schnell deutlich.

Ein Verkäufer, der von seinem Chef kritisiert wird, weil er zu viel im Büro sei und zu wenig zu den Kunden fahre, fragt mit gekränktem Augenaufschlag: Soll ich denn etwa jede einzelne Minute des Arbeitstages beim Kunden verbringen? Dahinter steckt die Hoffnung, dass der Chef nun sagt: Nein, so habe ich das natürlich nicht gemeint!, was dann wieder als Rechtfertigung für das eigene Verhalten genommen werden kann.

Schon als Kind haben wir gelernt, welch eine Quelle an Legitimation Absolutbegriffe darstellen: Alle dürfen immer, nur ich darf nie! Es hat so oft funktioniert, dass wir auch im späteren Leben nicht mehr auf Absolutbegriffe verzichten wollen: Nie ist er mit irgendetwas zufrieden!, wenn der Chef alle halbe Jahre einmal etwas bemängelt. Oder zu Hause heißt es: Immer lässt du überall deine Sachen herumliegen!, wenn man einmal – Ich schwör’s, ein einziges Mal! – die Zeitung nicht wegräumt.

Absolutbegriffe bringen Würze in jeden Konflikt, man kann selbst unscheinbare kleine Wortgeplänkel damit schnell zu einem handfesten Streit ausbauen, und wenn man es schafft, sie noch mit einem Hauch von Provokation zu versehen: Wenn Ihre Abteilung es doch wenigstens ein einziges Mal schaffen würde, pünktlich zu liefern, wäre ich ja schon zufrieden!, eskaliert der Streit völlig.

Konfliktstrategie: Sich zum Opfer stilisieren

Wenn jemand sich schon nicht vehement gegen Vorwürfe verteidigt, so greift er vielleicht zu einem anderen Mittel, sich nämlich zum Opfer zu stilisieren. Eine Strategie, die sich auch bei anderen Arten von Konflikten bewährt hat, um den anderen schlecht aussehen zu lassen. Denn wenn man sich selbst als Benachteiligten darstellt, hat man meist nicht im Sinn, wirklich Mitleid zu erhalten.

Auf der verdeckten Ebene hat diese Strategie deshalb eine sehr aggressive Komponente und ist ein hochwirksamer Zug. Vor allem wenn der Chef zum Beispiel einen hohen sozialen Anspruch an sich selbst hat, sieht er sich schnell gezwungen, will er nicht als grausamer Sklaventreiber dastehen, von einer Forderung abzurücken. Sobald der Mitarbeiter jammert: Ich mach doch schon unentwegt Überstunden! Ich habe ja sogar schon Probleme zu Hause deswegen!, wird er Zugeständnisse machen.

So bekam der neue Abteilungsleiter einer großen Steuerkanzlei von seinem Mitarbeiter versichert, er könnte den neuen Mandanten unmöglich noch übernehmen, denn er betreue ohnehin schon die schwierigsten Mandanten, die sie hätten. Als dem Vorgesetzten dieses Argument jedoch zum vierten Mal vorgetragen wurde, glaubte er es nicht mehr.

Quelle: Ullrich Dehner, Renate Dehner – Als Chef akzeptiert ISBN: 3593370727

 


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