E-Business

Entwicklung in der Immobilienbranche: PropTechs auf dem Vormarsch

kantver

Bei PropTechs handelt es sich im Allgemeinen um den Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienbranche. Foto: ©kantver/Depositphotos.com

Vor nicht allzu langer Zeit sah das Immobilienkerngeschäft noch recht einfach aus: Suchende inserierten oder lasen entsprechende Anzeigen in entsprechenden Zeitungen, oder sie kontaktierten direkt einen gewieften, ortskundigen Makler, welcher ihnen bei der Immobiliensuche mit Rat und Tat zur Seite stand und für diese Beratungsleistung eine bestimmte Gebühr sich zu veranschlagen erlaubte. Telefongespräche, Wohnungsbesichtigungen und das Blättern in Immobilienkatalogen waren die gewöhnlichen Praktiken jener Tage, die bei der Wohnungs- oder Haussuche anstanden und die ebenfalls zum Makler-Job dazugehörten. Diese Zeiten, die unbestreitbar auch ihre Komplexitäten und Unübersichtlichkeiten hatten, sind nun vorbei. Heute sind sowohl die Immobilienbranche als auch diejenigen, die auf ihre Dienste angewiesen sind, mit neuen – manche sagen gar disruptiven – Komplexitäten konfrontiert. Gemeint ist hiermit vor allem das, was mittlerweile mit der bereits in der Einleitung eingeführten Abkürzung »PropTech« in den Immobilienfachjargon eingegangen ist.

Was sind PropTechs?

Obschon die Digitalisierung nun bereits ein durchaus länger in die Geschichte zurückragendes Phänomen ist, ist dieses Thema in der Immobilienbranche erst in den vergangenen vier bis fünf Jahren so richtig auf die Agenda genommen worden. Organisatoren von Tagungen, Vortragende und Publizierende kommen heutzutage nicht mehr umhin, Digitalisierung zu einem festen Bestandteil des thematischen Repertoires ihrer Kommunikationen zu machen. So stellt sich etwa auch Sascha Donner in der zweiten Ausgabe das Magazins der Gesellschaft für Immobilienforschung e.V. von 2016 die Frage, welche Auswirkungen die »digitale Transformation« in der Immobilienbranche tatsächlich mit sich bringt.

Dabei sind PropTechs mitunter ein zentrales Streitthema. Bei PropTechs handelt es sich kurz gesagt um Prozesse der Digitalisierung von ansonsten klassisch abgewickelten Geschäftsprozessen, aber auch ganz grundsätzlich um den Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienbranche. Und hierzu gehört eben neben dem, was gemeinhin unter dem Terminus »Smart Home« oder »Crowdfunding« verhandelt wird, auch und vor allem die Immobiliensuche, die insofern heutzutage im Kern eine Online-Immobiliensuche ist bzw. es gänzlich noch werden soll.

Und wie bei jeder wirtschaftlichen Tätigkeit geht es auch hier insbesondere um Effizienzsteigerung: Für Suchende wie für Vermittelnde und Anbietende sollen die spezifischen Prozesse einfacher, zielführender und schneller gestaltet werden. Nicht zuletzt, so betont Donner in seinem Artikel, seien für diese Entwicklung Angehörige der »Generation Y« bzw. die sogenannten »Digital Natives« verantwortlich, die mittlerweile immer mehr einflussreiche berufliche Positionen besetzen. Somit wird der Druck auf die Unternehmensführungen auch immer stärker, sich den mit der Digitalisierung einhergehenden Möglichkeiten zu öffnen und diese verstärkt zu nutzen.

Folgen des PropTech-Einsatzes

Wenn im Zusammenhang mit PropTechs nun immer mal wieder von »disruptiven Technologien« gesprochen wird, so stellt sich letztlich doch die Frage, ob es sich denn dabei tatsächlich um gänzlich neue Entwicklungen handelt, die alte Strukturen und Prozesse förmlich obsolet werden lassen oder ob wir es nicht bloß mit einer Neuverpackung von etwas Altem zu tun haben. Lässt man die Entwicklungen im Bereich Smart Home und Crowdfunding dabei außen vor und legt den Fokus auf die Immobiliensuche, so muss man auf jeden Fall konzedieren, dass der Einsatz von PropTech hier eindeutig zu gravierenden Veränderungen geführt hat und immer noch führt. Nicht nur beginnen die meisten Immobiliensuchen heute im Internet, auch sind sie weitaus spezifischer und maßgeschneiderter als früher. Hier wird nunmehr nicht nur nach der Immobilienart gefiltert, sondern etwa auch nach der Struktur der Räume. Verstärkt lassen sich gar Objektbesichtigungen mithilfe entsprechender Software gänzlich online durchführen.

Spezielle Suchmaschinen optimieren die Interaktion zwischen Kunde und Anbieter bzw. Kunde und Makler, wenn sie beispielsweise dem Kunden eine möglichst genaue Vorauswahl ermöglichen, die erst im zweiten Schritt um die Beratung durch einen ortskundigen Makler gezielt ergänzt wird. Schließlich werden die Suchmaschinen selbst immer genauer, indem sie nicht nur alle auffindbaren Informationen über ein bestimmtes Objekt zu akkumulieren, sondern auch den realen Immobilienbestand einer bestimmten Region immer exakter abzubilden in der Lage sind.

Gänzlich digitalisieren lassen wird sich der Immobiliensuchprozess letztlich aber dennoch wohl kaum – zumindest so lange nicht, wie es immer noch eines Menschen bedarf, der die Suchmaschinen baut, füttert, überwacht, optimiert und gegebenenfalls repariert.


Auch auf Onpulson

Mehr zum Thema

, ,

0Kommentare

Es wurde bisher noch kein Kommentar verfasst. Starten Sie die Diskussion!

Die von Ihnen erstellten Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern erst nach Prüfung und Freigabe durch unsere Redaktion. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen und unsere Datenschutzerklärung.