Gründungsfinanzierung

Kreditvertrag für Selbstständige: Eckdaten, Stolperfallen, Lösungen

kbuntu

Beim Kreditvergleich sollten Sie auch auf versteckte Gebühren im Kleingedruckten achten. Foto: ©kbuntu/Depositphotos.com

Kreditbedarf ermitteln und Angebote vergleichen

Durch einen Businessplan lassen sich die voraussichtlichen Ausgaben des eigenen Unternehmens rasch ermitteln. Dabei sollten gerade die regelmäßig anfallenden Ausgaben wie die Raummiete, Kosten für das Personal und gegebenenfalls den Fuhrpark sowie Werbekosten berücksichtigt werden.

Achtung: Selbstständige sollten nicht nur monatliche, sondern auch die einmal jährlich anfallenden Kosten bedenken, beispielsweise für die Haftpflichtversicherung. Diese werden oft übersehen.

Reichen die voraussichtlichen Einnahmen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken, wird der Kreditbedarf anhand der Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben berechnet. Dieser bewegt sich bei Gründern schnell im fünfstelligen Bereich. Soll beispielsweise in eine Immobilie investiert werden, ist der Kreditbedarf für einen Unternehmer natürlich noch einmal deutlich höher.

Bei jeder Kreditanfrage lohnt sich vorab ein umfassender Vergleich der verschiedenen Angebote. Die Gegenüberstellung des Effektivzinses pro Jahr kann schon dabei helfen, attraktive Kredite von eher unattraktiven Angeboten zu unterscheiden. Der effektive Jahreszins verrät auf einen Blick, welche Mehrkosten jährlich für die Kreditaufnahme anfallen.

Versteckte Gebühren durch Sondertilgung: Typische Stolperfalle vermeiden

Beim Kreditvergleich sollte auch auf eventuell gut im Kleingedruckten versteckte Gebühren geachtet werden, um böse Überraschungen zu vermeiden. Gerade freiberufliche Unternehmer machen mit einem ungeahnt großen Auftrag schon einmal einen unvorhergesehenen Gewinn – und möchten diesen bei einem laufenden Kreditvertrag dann in eine sogenannte Sondertilgung investieren. Diese umschreibt eine Zahlung außerhalb der üblichen Kreditraten und hilft dabei, den Kredit schneller abzuzahlen. Doch verlangen einige Banken für die auf diese Weise entgangenen Zinsen eine Gebühr. Diese kann sich in einem höheren Sollzins für die weiteren Raten oder in einer Einmalgebühr niederschlagen.

Tipp: Selbstständige sollten vor Vertragsabschluss darauf achten, ob in dem Kreditvertrag überhaupt Sonderzahlungen möglich sind. Falls ja, kann sich der Zinssatz sogar von vorneherein erhöhen. Auch kann die maximale Höhe individuell festgelegt werden.

Kredit aufnehmen: Das wird benötigt

Haben sich Unternehmer für einen Kredit entschieden, werden verschiedene Unterlagen für den Antrag benötigt. Dazu gehört der Einkommensnachweis bzw. der Steuerbescheid der letzten Jahre. Die SCHUFA-Abfrage erfolgt seitens der Bank und erfordert somit keine zusätzlichen Unterlagen von Seiten des Kreditnehmers. Allerdings kann je nach Unternehmensform eine Einsicht in eine aktuelle betriebswirtschaftliche Analyse sowie in die Auftragsbücher der Firma erforderlich sein. Das wird abhängig von der Kredithöhe, dem Zweck, der Branche und Unternehmensform von Bank zu Bank individuell entschieden.

Tipp: Gründer verfügen im Anfangsstadium des Unternehmens natürlich noch nicht über die benötigten Einkommensnachweise. Hier kann eine strukturierte Auflistung der Geschäftsidee und geplanten Finanzierung in Form eines Businessplans helfen, den Kredit trotzdem zu erhalten. Auch ist es möglich, spezielle Gründerkredite über die KfW zu beantragen, die den Vorteil der überwiegenden Haftung mit sich bringen.

Einige weitere Kriterien wie Ihr Alter können ebenfalls die Wahrscheinlichkeit beeinflussen, ob Sie einen Kredit erhalten. Gründer über 65 Jahre kommen selten vor, sind aber nicht unmöglich – doch werden sie nur selten eine Kreditzusage seitens der Banken erhalten. Auch ist es nicht möglich, im minderjährigen Alter einen Kredit zu beantragen. Ausnahme: Es liegen zwingende Gründe sowie die Unterschrift der Erziehungsberechtigten vor.

Kreditantrag abgelehnt? Auswege für Selbstständige und Unternehmer

Wenn der Kreditantrag seitens der Bank abgelehnt wurde, gibt es mehrere Möglichkeiten, doch noch die benötigte Finanzspritze zu erhalten. Dazu zählen Spezialkredite mit Sonderkonditionen für Selbstständige sowie Kredite mit Bürgen oder von Privatpersonen.

1. Spezieller Kredit für Selbstständige

Selbstständigenkredite richten sich explizit an Freiberufler und selbstständige Unternehmer. Allerdings sind die Eckdaten oftmals weniger attraktiv als bei herkömmlichen Krediten. Erhöhte Zinskonditionen oder zusätzliche, geforderte Sicherheiten (wie zum Beispiel eine Lebensversicherung, der firmeneigene Fuhrpark oder Geschäftsimmobilien) sind typisch bei Selbstständigenkrediten.

Zudem wird ein solcher Kredit oftmals nur dann gewährt, wenn die SCHUFA positiv ist, drei Jahre lang Selbstständigkeit vorliegen und ausführliche Bilanzen erkennbar sind. Auch muss bei manchen Banken ein umfangreiches, schlüssiges Geschäftskonzept vorgelegt werden. Schwierigkeiten treten bei Selbstständigenkrediten für Unternehmer auf, die Berufen „kritischer Branchen“ angehören. Dazu zählen bestimmte Berufe im Versicherungsbereich ebenso wie Beschäftigte in der Gastronomie und im Autohandel.

2. Kredit mit Bürge

Fehlen die benötigten Sicherheiten in Form von Vermögenswerten oder arbeitet der Unternehmer in der „kritischen Branche“, ist ein Kredit mit einem weiteren Kreditnehmer eine erfolgsversprechende Variante. Dabei handelt es sich um ein Darlehen, das neben der Unterschrift des Unternehmers eine weitere erfordert. Der zweite Kreditnehmer muss seinerseits gewisse Anforderungen erfüllen, unter anderem einen positiven SCHUFA-Score aufweisen und ein regelmäßiges Einkommen erzielen.

In Folge der Unterschrift sichert der Bürge den Kredit zusätzlich ab und kommt für die Zahlungen auf, wenn sie durch den Unternehmer nicht mehr geleistet werden können. Wichtig ist auch, dass er selbst während des laufenden Vertrags wahrscheinlich keinen eigenen Kredit erhalten wird und im Zweifelsfall die vereinbarten Monatsraten gleich in voller Höhe begleichen muss. Einen Bürgen zu finden, ist daher nicht immer einfach.

3. Kredit von Privatpersonen

Kann kein Bürge gefunden werden, bietet sich ein Darlehen von Privatpersonen an. Dieses kann grundsätzlich jede Person gewähren. Der klare Vorteil ist die flexible Möglichkeit der Einigung – sowohl was die Zinsen als auch die monatlichen Raten angeht. Ebenso werden gerade bei Krediten durch Bekannte keine besonderen Sicherheiten erfordert. Auch hier liegt die Schwierigkeit wieder darin, einen Kreditgeber zu finden. Anders als der Bürge wird er aber voraussichtlich durch die Kreditzinsen einen Gewinn erzielen, erhält folglich einen eigenen Vorteil. Wer im Bekanntenkreis nicht erfolgreich ist, kann auch online Kredite von fremden Privatpersonen beantragen. Auch hier lohnt natürlich vorab der Vergleich.


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