Deutsche Führungskräfte denken zu rational
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Deutsche Führungskräfte denken zu rational

Von Onpulson Redaktion
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Deutsche Unternehmer und Manager müssen sich von alten Denkschablonen lösen. Wenn man sich immer nur als Opfer irgendwelcher Zwänge sieht, kann man die Gegenwart und Zukunft nicht eigenständig gestalten.

In Deutschland mangelt es an einer offensiven Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Globalisierung. Diese Feststellung gilt sowohl für Gegner wie Befürworter der zunehmenden Internationalisierung des Wirtschaftsgeschehens. Der konservative Publizist Alexander Gauland ist zum Beispiel der Meinung, dass die westlichen Staaten Europas als Verlierer aus dem immer stärker werdenden Wettkampf mit den neuen wirtschaftlichen Konkurrenten hervorgehen werden. Doch selbst bei wirtschaftsnahen Denkfabriken scheint eine defensive Haltung durch, wenn es um technologischen Wandel und die Globalisierung geht. „Um nicht vom Markt gedrängt zu werden, müssen Unternehmen ständig neue Produkte zu immer günstigeren Preisen anbieten“, liest man in der April-Ausgabe von IWG aktuell, den Informationen aus dem Institut für Wirtschaft und Gesellschaft Bonn (IWG Bonn).

„Selbstverständlich gibt es einen wachsenden Kosten-, Flexibilisierungs- und Innovationsdruck“, bestätigt Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash. „Doch dies ist nur ein Teil der Wahrheit. Wir müssen endlich erkennen, dass wir den Wettbewerb mit China oder Indien nur gewinnen werden, wenn wir die technisch besseren Produkte auf den Markt bringen. Die beiden asiatischen Länder sind in unserer westlichen Vorstellungswelt oft nur Billigheimer, die den entwickelten Staaten ausschließlich über die Kostenseite Konkurrenz machen. Diese Vorstellung ist falsch.“ Nadolski fordert insbesondere auch die deutschen Unternehmer und Manager dazu auf, sich von alten Denkschablonen zu lösen. Wenn man sich immer nur als Opfer irgendwelcher Zwänge sehe, könne man Gegenwart und Zukunft nicht eigenständig gestalten.

Ein Beispiel für diese Denkweise sei Bolko von Oetinger, der ein lesenswertes Buch darüber vorgelegt habe, warum Manager Märchen brauchen. In einem Gespräch mit der Publizistin Ulrike Fokken, das bei ChangeX erschienen ist, stellte der Senior Vice President und Geschäftsführer der Boston Consulting Group die Thesen seines neuen Buches „Hänsel und Gretel und die Kuba-Krise“ vor. Von zahlreichen literarischen Vorbildern könnten Manager lernen, sich offensiv mit Herausforderungen auseinander zu setzen. Nur ein glaubwürdiger Manager, so der Autor, könne Mitarbeiter führen: „Und das tut er nur, wenn er die Tonfigur verinnerlicht hat. Nur so kann er Mitarbeiter beflügeln. Wir reden zu oft nur analytisch oder schieben die Verantwortung nach außen – der Kapitalmarkt verlangt, die Globalisierung verlangt…das sind doch reine Abstrakta.“

Insbesondere deutsche Führungskräfte müssten sich von einem rein ökonomisch geprägten Denken lösen. So habe der Shareholder-Value das Ökonomische aus dem Sozialen ausgetrieben. Aber das Ökonomische sei eingebettet in das Soziale; nur sei diese Erkenntnis in den vergangenen 20 Jahren verloren gegangen: „Die Ökonomie hat sich verselbständigt und aus dem sozialen Kontext verabschiedet.“ Die Manager in den westlichen Ländern litten unter einem eindimensionalen Denken, dass alles Nicht-Rationale von vornherein ausschließe: „Andere Kulturen werden uns vorführen, dass diese rationale Welt, die wir uns in Europa und in den USA geschaffen haben, nicht universal anwendbar ist. Ein Teil der Welt lehnt die Aufklärung ab. Das wird uns lehren, dass wir neben den ökonomischen und rationalen auch an kulturelle Grenzen stoßen. Die Welt hat sich nicht hin zum Universalismus entwickelt, was viele geglaubt haben. Je mehr wir globalisieren, desto stärker treten die Unterschiede hervor. Früher konnten wir andere Weltbilder ignorieren, heute geht das nicht mehr.“ Daher rate er jungen Managern, so von Oetinger, auch über den nicht-analytischen Teil des Managements nachzudenken.

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