Kind und Karriere – kaum vereinbar? Diese 4 Tipps machen es möglich!
Selbstmanagement

Kind und Karriere – kaum vereinbar? Diese 4 Tipps machen es möglich!

Porträtfoto von Patricia Aschwanden,Trainerin
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"Kind und Karriere" beziehungsweise "Kind oder Karriere" ist heutzutage eine Reizphrase, die immer wieder aufkommt. Tendenziell haben Menschen das Gefühl, sich für eines von beiden entscheiden zu müssen. Beruflich wird heute viel gefordert: Man muss für den Job brennen, an das Unternehmen glauben, für Kunden und Kollegen einstehen. Aber ist das wirklich so extrem? Und ist das wirklich eine neue Entwicklung?

In vielen Familien kommt es immer wieder zu Spannungen, die sich zwischen dem beruflich-finanziellen und dem privaten Umfeld aufbauen. Standardisierte 40-Stunden-Wochen, Überstunden und ständige Erreichbarkeit stehen im Kontrast zu einer harmonischen Zeit mit der Familie. Doch diese Spannungen und Kontraste existieren in den meisten Fällen „nur“ in den Köpfen der Menschen. Kind und Karriere sind möglich – für Männer und auch für Frauen. Mit 4 Tipps bekommt man schon viel vereinbart, was normalerweise konträr gedacht wird.

1. Versagen gibt es nicht – nur individuelle Lösungswege

Wir sind heute daran gewöhnt, uns selbst und unsere Wertigkeit entlang bestimmter Zielmarken zu definieren. Das eigene Haus, das Auto, der Urlaub zweimal im Jahr, die Eliteschule für die Kinder, der Karrieresprung, das Gehalt – all das sind vergleichbare Werte. Aber sind wir Menschen vergleichbar? Wollen wir das überhaupt, oder ist uns in unserem Streben nach „immer mehr, immer besser, immer höher“ eher daran gelegen, uns von den anderen abzuheben? Hier ist Entspannung angesagt. Wer etwas nicht erreicht, was andere haben, ist deshalb noch lange kein Versager. Und das gilt auch im privaten Bereich. Natürlich ist es schön, wenn die Nachbarin jeden Nachmittag mit ihren Kindern zusammen den Brotteig für das Abendessen knetet, aus ein paar Früchten und Blüten eine Limonade ansetzt und bei Schmerzen immer ein liebes Wort und ein Kräuterbonbon hat. Aber warum ist das so? Gibt vielleicht das Einkommen nicht mehr her? Ist sie immer zu Hause, weil im Haus auch noch eine Oma gepflegt werden muss?

Menschen tendieren dazu, sich auf die eigenen Schwachstellen zu konzentrieren. Doch: Es geht im Leben einfach nicht um vergleichbare Werte und Standardlösungen, sondern darum, mit den eigenen Fähigkeiten das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen. Individuelle Lösungen sind kein Versagen, sondern individuelle Siege und Leistungen.

2. Sich auf das Wesentliche konzentrieren

Was ist wichtiger, die Karriere oder die Familie? Vielleicht gibt es ohne Karriere keine Familie, weil das Einkommen nun einmal wichtig ist? Aber wofür soll eine Karriere gut sein, wenn man die Früchte der eigenen Arbeit nicht mehr mit der Familie genießen kann? Es ist wichtig, die eigenen Prioritäten zu überdenken. So wie klar ist, dass Familie und Karriere sich gegenseitig bedingen, werden sie auch vereinbar sein. Denn dann konzentriert man sich nicht mehr darauf, die beiden Lebensbereiche gegeneinander auszuspielen, sondern darauf, sie zu vereinbaren. Mit den unwichtigen Gedanken des „entweder-oder“ verschwinden auch die negativen Gefühle. Wird etwas priorisiert, ist das keine Absage an alles andere (was eben nicht priorisiert wurde), sondern oft ein Einfaches „vielleicht später“.

3. Klar kommunizieren

Es ist gut, wenn Menschen entschieden haben, was sie möchten und wie sie es erreichen können. Konflikte mit dem Umfeld, die es zu lösen gilt, wird es trotzdem geben. Es sei denn, die eigenen Ziele, Wünsche und Gedanken werden klar kommuniziert. Und auch das gilt sowohl beruflich als auch privat, einfach in allen Lebenslagen. Klare Absprachen bezüglich der einzuhaltenden Termine, Verlässlichkeit in der Familie wie auch im Beruf sind wichtig. Wie genau diese Kommunikation aussieht, muss jeder und jede für sich selbst herausfinden.

Manche Menschen nehmen sich jeden Morgen eine Stunde Zeit für ihre E-Mails, andere tätigen in der Mittagspause gerne Telefonate, wieder andere brauchen die gemeinsame Zeit mit Kollegen nach Feierabend. Gemeinsames Frühstück und Abendessen in der Familie oder die Familienkonferenz jeden Sonntagabend, Fernsehnachmittage am Wochenende oder die Runde mit dem Hund vor dem Arbeits- und Schultag sind Kommunikation im privaten Bereich. Und diese Kommunikationswege dürfen immer eingehalten werden, sowohl in der Elternzeit (wichtig für die Karriere) als auch in den Schulferien (so bleibt man mit den Kindern in täglichem, engem Kontakt) und ist immer überall positiv eingebunden.

4. Leben und leben lassen

Individuelle Lebensentwürfe erfordern individuelle Lösungen, das ist klar. Doch man sollte sie nicht problematisieren. Wer sich selbst und seine Ansprüche als Problem begreift, wird nie zufrieden sein. Kind und Karriere in die Balance zu bringen, bedeutet nicht, das Kind im Beruf zu problematisieren und in der Familie die Arbeitszeit zu problematisieren. Im Gegenteil: Arbeitende Eltern sind keine Problemfälle, sondern strategische Problemlöser für ihr Umfeld.

Ein Beispiel: Bekommt eine junge Frau eine höhere Position angeboten, will aber aufgrund einer bestehenden (noch nicht kommunizierten) Schwangerschaft erst einmal beruflich kürzertreten, erscheint das erst einmal problematisch. Das ist es aber nicht. Denn selbstverständlich gibt es im Unternehmen einen älteren Herrn, der sich gerne mehr um seine Enkel kümmern und deshalb beruflich kürzer treten will. Kompetent ist der Mann genauso wie die junge Frau. Setzen sich die beiden mit den Vorgesetzten zusammen, wird eine geteilte höhere Position daraus. Beide sind glücklich, und das Unternehmen muss erstens niemandem kündigen und hat zweitens sowohl den Erfahrungsschatz des Herrn als auch die frischen, kreativen Ideen der jungen Frau zur Verfügung. Gleichzeitig kommuniziert er den Angestellten, dass Loyalität keine Einbahnstraße ist, sondern auch von oben nach unten gilt. Bei Kunden ist eine so moderne Unternehmensführung ein absoluter Pluspunkt.

Fazit

Mit klarer Kommunikation und mehr Miteinander statt Gegeneinander sind Karriere und Familie vereinbar – für Männer wie für Frauen, und natürlich auch für alle Erwachsenen innerhalb einer Kernfamilie. Es braucht nur ein paar leicht veränderte Denkstrukturen, um sich selbst auf diesen Weg zu begeben.

Foto/Thumbnail: ©istockphoto/Halfpoint

Über den Autor

Porträtfoto von Patricia Aschwanden,Trainerin

Patricia Aschwanden Patricia Aschwanden arbeitet vollzeit als Teamleiterin in einem Mikrobiologielabor, ist dipl. Persönlichkeitscoach und zertifizierte Hypnotiseurin. Sie ist Jahrgang 1979, berufstätige Mutter von drei Kindern und zweifach geschieden.  Die ersten 30 Jahre haben ihr viel abverlangt. Daher suchte sie nach funktionierenden Konzepten und Möglichkeiten, um ihre Rolle als Mutter und Partnerin in der Familie voll ausleben zu können und trotzdem beruflich erfolgreich zu sein. https://a-life.ch/
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