Finanzen

Anleihe

Definition:

Eine Anleihe ist ein Wertpapier, das Forderungsrechte verkörpert. Anleihen werden auch als Renten, Schuldverschreibungen, Obligationen oder festverzinsliche Wertpapiere bezeichnet.

Über eine Anleihe verschafft sich ein Unternehmen oder der Staat Fremdkapital. Wenn man als Anleger eine Anleihe kauft, so wird dem Emittenten praktisch einen Kredit gewährt, den er zurückzahlen muss.
Beim Erwerb einer Anleihe hat der Anleger somit folgende Ansprüche:

1. Anspruch auf Rückzahlung des eingesetzten Kapitals am Ende einer vorher festgelegten Laufzeit

2. Anspruch auf Zinszahlung

Da Anleihen auch an der Börse gehandelt werden, spricht man in diesem Zusammenhang auch vom »Rentenmarkt«.

Diese Rentenwerte haben, wie auch Aktien, den Vorteil, dass man sie jederzeit an der Börse kaufen oder verkaufen kann. Im Gegensatz zu Aktien lautet der Kurs einer Anleihe jedoch nicht auf einen bestimmten Währungsbetrag (z. B. Euro), sondern auf den Prozentsatz des Nennwerts.

Wenn an der Börse eine Anleihe gekauft wird, so kann diese 96 % oder aber auch 104 % kosten. Je näher die Anleihe dabei ihrem Laufzeitende kommt, desto mehr nähert sich auch der Kurs wieder dem Nennwert an, da die Rückzahlung immer zu 100 % erfolgt.

Wie funktionieren Anleihen?

Angenommen, Sie kaufen eine Anleihe mit einem Nennwert von 10.000,- € zu einem Kurs von 96 % und einem jährlichen Zinssatz von 3 %. Die Restlaufzeit der Anleihe beträgt 4 Jahre. Durch den Kurs von 96 % brauchen Sie beim Kauf nur 9.600,- € zu bezahlen. Für die kommenden 4 Jahre erhalten Sie jährlich 3 % Zinsen auf den Nennwert, d.h. 300,- € pro Jahr. Zusätzlich bekommen Sie am Ende der Laufzeit 100 % des Nennwertes zurückgezahlt (d.h. 10.000,- €), was für Sie einen weiteren Gewinn in Höhe von 400,- € bedeutet. Zusammen haben Sie in 4 Jahren also eine Rendite von 1.600,- € gemacht, was effektiv einer Verzinsung von 4 % entspricht.

Unterscheidungsmerkmale von Anleihen

Anleihen können von Kreditinstituten, Industrieunternehmen oder der öffentlichen Hand in den verschiedensten Formen ausgegeben werden. Auch der Erwerb von Anleihen ausländischer Emittenten ist möglich.

Anleihen der öffentlichen Hand : Zu den Anleihen der öffentlichen Hands zählen Anleihen des Staates (z. B. Bundesanleihen oder Bundesobligationen), Anleihen der Bundesländer (z. B. Landesanleihen) oder Anleihen der Städte und Gemeinden (z. B. Stadt- oder Kommunalanleihen). Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze zählen auch zu den Anleihen des Staates, werden jedoch nicht an der Börse gehandelt.

Anleihen der Kreditinstitute : Kreditinstitute geben Anleihen in den unterschiedlichsten Varianten heraus, die bekanntesten sind Pfandbriefe, Inhaberschuldverschreibungen, Gewinnschuldverschreibungen und Sparkassenobligationen

Anleihen der Industrie- und Handelsunternehmen : Große Unternehmen in der Rechtsform der Aktiengesellschaft geben neben normalen Schuldverschreibungen oftmals Anleihen heraus, die mit Sonderrechten ausgestattet sind.

1. Bei einer Wandelanleihe hat der Anleger die Möglichkeit, zu einem bestimmten Zeitpunkt seine Anleihen in eine bestimmte Anzahl von Aktien der ausgebenden Gesellschaft zu tauschen. Die Ansprüche aus der Anleihe erlöschen durch Ausübung des Wandlungsrechts.

2. Die Optionsanleihe verleiht dem Anleger ein Bezugsrecht auf Aktien der ausgebenden Gesellschaft. Der Unterschied zur Wandelanleihe besteht darin, daß durch das Ausüben der Option (Kauf der Aktien) die Ansprüche aus der Anleihe weiter bestehen bleiben.

3. Die Aktienanleihe ist eine relativ neue Anlageform, die erst seit 1999 verstärkt von Unternehmen angeboten wird. Der Vorteil der Aktienanleihe für Sie als Anleger besteht in der hohen Verzinsung, die weit über dem Marktniveau liegt und die, je nach Emittent, nicht selten bis zu 20 % betragen kann. Allerdings kann der Emittent bei Fälligkeit der Anleihe entscheiden, Ihnen entweder 100 % Ihres eingesetzten Kapitals zurückzuzahlen, oder Ihnen eine bestimmte Anzahl seiner Aktien zu liefern. Das Risiko für Sie liegt darin, dass Ihnen das ausgebende Unternehmen bei hohen Kursverlusten die Aktien liefern wird und Sie im Extremfall mit weniger Kapital dastehen werden.

Aktienanleihen sind grundsätzlich nur für den erfahrenen Anleger geeignet! Lassen Sie sich nicht von den hohen Zinssätzen blenden! Für den Fall hoher Kursverluste des Aktienwertes können die gezahlten Zinsen Ihren eigenen Verlust nur geringer werden lassen, ihn aber meist nicht verhindern.

© Campus Verlag

Wörterbuch Deutsch-Englisch | Übersetzung für Anleihe

DeutschEnglisch
Anleihe bond
loan
debenture
bond issue
borrowing
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