Unternehmensführung

Glacier-Studies

Definition:

Glacier-Studies sind Experimente, die bei Glacier Metal Company in London von 1948 bis 1965 durchgeführt wurden, um die Entwicklung von Beziehungen in Gruppen, die Wirkung von Veränderungen und die Rollen und die Verantwortung von Angestellten zu erforschen. Geleitet wurde die Forschung von Elliot Jaques und Fred Emery vom Tavistock Institute of Human Relations.

Die Ergebnisse der ersten Studie beruhen auf einer »working-through« genannten Methode, welche die möglichen sozialen und individuellen Aspekte untersuchte, die bei potenziellen Streitigkeiten eine Rolle spielen mochten. Daraus entstand eine frühe Form des Betriebsrats, über den die Mitarbeiter in gewissem Umfang die Politik ihrer Abteilung mitbestimmen durften. Man entdeckte auch das Bedürfnis der Angestellten, dass ihr Status und ihre Rolle in einer für sie selbst wie ihre Kollegen annehmbarenWeise definiert wurde.

Die Beobachtungen führten Jaques auf die Vorstellung eines Entscheidungshorizonts, der jedem Arbeitsplatz mit einem wie immer abgegrenzten Aufgabenbereich zukommt, sofern dem Inhaber ein Urteil abverlangt und damit auch Ermessensspielraum zuerkannt wird.

Jaques verfolgte dieses Phänomen anschließend in bürokratischen Organisationen. Sein Ansatz unterscheidet sich von Max Weber, weil er Bürokratie als hierarchisches System definiert, in dem Angestellte für ihre Arbeit Vorgesetzten Rechenschaft schulden. Wie bei den Hawthorne-Experimenten hatten die Glacier-Studies weitreichende Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Unternehmen geführt werden. Die ersten Ergebnisse wurden von Elliot Jaques unter dem Titel The Changing Culture of a Factory (1951) veröffentlicht. 1965 erschien dann Glacier Project Papers, die Jaques zusammen mit dem Managing Director von Glacier, Wilfred Brown, verfasst hatte.

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