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PSI-Theorie

Definition:

Die PSI-Theorie (Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen) von Prof. Dr. Julius Kuhl fasst zentrale Annahmen verschiedener Persönlichkeitstheorien zusammen und integriert eine große Zahl von Forschungsergebnissen aus der experimentellen Psychologie und der Neurobiologie. Diese Theorie erklärt jedoch das Verhalten der Menschen anders als viele klassische Ansätze der unterschiedlichsten Richtungen der Psychologie, bei denen zur Verhaltenserklärung stärker auf psychische Inhalte wie Überzeugungen, Wünsche oder Absichten verwiesen wird. Die PSI-Theorie beschreibt auf neurobiologischer Basis hingegen die Ursachen von Verhalten eher durch das Wechselspiel zwischen Persönlichkeitssystemen wie Temperament und Affekt, ganzheitliche und analytische Erkenntnissysteme, Bedürfnisse sowie Motive und betont hierbei besonders die Interaktion der vier sogenannten Makrosysteme:

  • Intentionsgedächtnis (IG)
  • Extensionsgedächtnis (EG)
  • Objekterkennungssystem (OES)
  • Intuitive Verhaltenssteuerung (IVS)

Zum Kernbereich der Theorie gehört die Annahme, dass die Verbindungen zwischen den Makrosystemen durch Veränderungen in der Affektlage (Stärke des positiven und des negatives Affekt sowie deren jeweilige Hemmung) moduliert werden und somit unterschiedliche Aktivierungszustände dieser Erkenntnis- und Informationsverarbeitungssysteme verursachen, die dann entsprechend als zugrunde liegende Systemkonfigurationen im Verhalten sichtbar werden.

Die verschiedenen Forschungsergebnisse der Psychologie sowie der Neuro- und Kognitionswissenschaften integriert die PSI-Theorie zudem in ein 7-Ebenen-Modell der Persönlichkeit, das auch die zuvor genannten Makrosysteme enthält, die beispielsweise wiederum gut mit den vier psychischen Hauptfunktionen Carl Gustav Jungs (Denken, Fühlen, Empfinden und Intuieren) vereinbar sind.

Das umfassende funktionsanalytische, systemtheoretische bzw. dynamisch-interaktionale Verständnis von Persönlichkeit und Motivation, was durch die PSI-Theorie vermittelt wird, bietet moderne wissenschaftliche Sichtweisen auch für den Praktiker. Dies bedeutet, dass die PSI-Theorie und die von ihr abgeleitete TOP/EOS-Diagnostik als 360° Analyse-Tool ein sehr differenziertes Bild der Persönlichkeit aufzeigt, statt die Komplexität der menschlichen Psyche auf wenige Faktoren zu reduzieren. Somit wird es möglich, klare Strategien zur gezielten Förderung der Persönlichkeitsentwicklung zu erarbeiten, um beispielsweise Führungskräften die Aneignung von Selbststeuerungskompetenzen und Zweitreaktionen für eine optimierte typen- und situationsgerechte Führungsarbeit zu ermöglichen. Darüber hinaus ist auch der Einsatz in der Potenzialanalyse und Eignungsdiagnostik sowie der Ressourcenanalyse möglich.

Autor: Heiko Frankenberg

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