Wirtschaftslexikon

Chief Operating Officer (COO)

Definition: Was ist Chief Operating Officer (COO)

Chief-Operating-Officer (COO) ist eine Berufsbezeichnung, die ursprünglich aus den USA stammt, aber auch im deutschsprachigen Raum immer häufiger Verwendung findet. Der Chief-Operating-Officer leitet das operative Geschäft eines Unternehmens. Er zählt zum Kreis der Manager und übernimmt hauptsächlich die Leitung, Organisation und Steuerung der Betriebsprozesse sowie der betrieblichen Leistungen.

Der Arbeitsalltag des Chief-Operating-Officers besteht in erster Linie aus der Fertigung betrieblicher Leistungen, Koordination des Materialflusses, Ressourcenplanung, Warenverfügbarkeit und -Qualität sowie Personaleinsätzen.

Der Chief-Operating-Officer ist Teil des oberen Managements. Er berichtet direkt an den CEO, wobei dieser in kleineren Unternehmen die Aufgaben des COO mit abdeckt. In größeren Unternehmen werden die Aufgabenbereiche des COO wiederum so komplex und zeitaufwändig, dass der CEO dann diese Aufgaben an den dafür spezialisierten COO abgibt. In manchen Unternehmen geht es noch weiter. Dort werden aufgrund der Aufgabenkomplexität gleich mehrere COOs beschäftigt.

Wie wird man Chief-Operating-Officer?

Einen ultimativen Weg oder einen spezifischen Ausbildungsgang für einen Chief-Operating-Officer gibt es nicht. Eine wichtige Voraussetzung für diese Position ist jedoch in der Regel ein Hochschulstudium.

Unabhängig von ihrer konkreten Funktion hat die Unternehmensberatung Roland Berger im Jahr 2011 die Bildungsabschlüsse der Vorstände der 30 DAX-Unternehmen untersucht. Das Ergebnis: Lediglich 20 der insgesamt 181 Personen auf einer Vorstandsposition hatten keinen Hochschulabschluss. Eine andere Studie weist aus, dass unter den vor 1960 geborenen Top-Managern jeder zehnte keinen akademischen Abschluss hatte.

Studienabschluss für COO-Position ist nahezu ungeschriebenes Gesetz

Bei jüngeren Spitzenmanagern hat nur noch jeder 20. keine Hochschule besucht. Auch die DAX-Vorstände ohne Hochschulabschluss gehören mehrheitlich der alten Garde an. Solche Ausnahmekarrieren für die der frühere Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, exemplarisch steht, sind heute jedoch ausgesprochen unwahrscheinlich. Schon für Traineestellen oder andere Einstiegspositionen in eine Managementkarriere ist heute ein Studienabschluss so gut wie unabdingbare Pflicht.[1]

Welches Studium dabei hilft, das Karriereziel COO zu erreichen, richtet sich unter anderem nach der Art des Unternehmens. Ebenso wichtig ist einschlägige Berufserfahrung. Apple-Chef Tim Cook, der unter Steve Jobs mehrere Jahre lang der COO des Unternehmens war, ist hierfür ein prominentes Beispiel. Nach seinem ingenieurwissenschaftlichen Bachelor of Science und vor seinem Start bei Apple im Jahr 1998 war er zwölf Jahre lang in der PC-Sparte von IBM, später als COO bei einem weiteren Elektronikhersteller sowie als Vize-Präsident von Compaq tätig. Seine technische Hochschulausbildung hatte er allerdings Ende der 1980er Jahre durch einen MBA-Abschluss ergänzt.[2]

BWL- und technisches Studium sind von Vorteil

Generell gilt, dass Manager mit einem betriebswirtschaftlich-kaufmännischen oder technischen Hintergrund die Möglichkeit haben, auf die Position eines COO zu gelangen. Hierzu müssen sie allerdings im Rahmen einer längeren Karriere beweisen, was sie können. Auch die Zugangswege zu dieser Position gestalten sich verschieden:

  • Einige COOs steigen in ein- und derselben Firma bis in de Chefetage auf. Mögliche Karrierestationen auf dem Weg zum COO sind ein Einstieg als Trainee, nächste Schritte als Produkt- oder Key-Account-Manager, Führungspositionen als Abteilungs- und Bereichsleiter und schließlich die Beförderung zum Chief-Operating-Officer.
  • Andere Führungskräfte kommen aus anderen Firmen. Durch den Wechsel gelangen sie direkt oder nach einer oder mehreren Zwischenstationen im Management des neuen Arbeitgebers auf die Position des COO.

Noch vor Kurzem waren COOs in deutschen und europäischen Unternehmen eher selten anzutreffen. Die Internationalisierung der Konzerne führt jedoch dazu, dass sich immer mehr große Firmen dafür entscheiden, diese Vorstandsposition zu schaffen – übrigens laut einer Pilot-Studie der Unternehmensberatung EY (früher: Ernst & Young) aus dem Jahr 2012 gegenläufig zum globalen Trend. Allerdings wünschen sich laut dieser Studie vor allem viele europäische COOs, dass sie stärker in die strategischen Entscheidungen ihrer Unternehmen eingebunden werden.[3]

Welche Fähigkeiten und Eigenschaften braucht ein COO?

Die EY-Pilotstudie aus dem Jahr 2012 floss zwei Jahre später schließlich zusammen mit einer weiteren Befragung amtierender COOs schließlich in eine umfassendere globale Studie ein.[4] Rund ein Drittel der insgesamt 349 befragten COOs gaben an, dass es sich bei ihrer Position um eine der anspruchsvollsten Vorstandsrollen handelt. Ebenso viele von ihnen sind der Meinung, dass ihre Aufgaben in den letzten Jahren komplexer geworden sind zu den anspruchsvollsten Tätigkeiten im Management gehören.

Der entscheidungsfähige Pragmatiker ist gefragt

Gefragt sind auf dieser Position aus der Sicht der Studienautoren anspruchsvolle Pragmatiker, die über ein hohes Maß an Entscheidungsfähigkeit verfügen.[5] Unter anderem müssen sie in der Lage sein, auf Veränderungen des Marktes und des Wettbewerbs oder auf Krisen schnell zu reagieren. 87 Prozent der befragten COOs gaben an, dass sie auf ihrer Position über ausgeprägte Führungsqualitäten und interpersonelle Kompetenzen – die sogenannten Soft Skills – verfügen müssen. Beides sei – neben harter Arbeit – für ihren Job erfolgsentscheidend.

Der Grund dafür ist einfach: COOs müssen auf ihrer Position mit nahezu allen Funktionen im Unternehmen interagieren und zudem in multinationalen Konzernen eine große Bandbreite unterschiedlicher Kulturen integrieren. Gleichzeitig gehört die Entwicklung und Transformation von Geschäftsfeldern und Unternehmensprozessen zu ihren Kernaufgaben, was Führungsfähigkeit erfordert. In diesem Bereich – ihren Führungsqualitäten – sahen 57 Prozent der für die Studie befragten COOs im Übrigen Verbesserungsbedarf.[6]

Die Voraussetzungen auf einen Blick:

Die Fähigkeiten und Eigenschaften, die ein Chief-Operating-Officer in seiner Position benötigt, lassen sich in den folgenden Punkten zusammenfassen:

  • Betriebswirtschaftliches Wissen
  • Führungsqualitäten
  • Sicheres Auftreten und Selbstbewusstsein
  • Die Fähigkeit zur Selbstvermarktung
  • Kommunikationsfähigkeit gegenüber unterschiedlichen Zielgruppen
  • Durchsetzungsvermögen
  • Überzeugungskraft

Wieviel verdient ein COO?

Bei den Gehältern für COOs dürfte es große Unterschiede geben. Sie werden individuell zwischen der Unternehmensführung und den Kandidaten ausgehandelt. In die Gesamtvergütung fließen neben einem festen Grundgehalt auch Boni sowie Aktienoptionen ein. Außerdem wirken sich auf das Gehalt eines Chief-Operating-Officers die Größe des Unternehmens und der Branche, regionale Unterschiede sowie das Alter, die Reputation und die Erfahrungen der Manager aus.

Für COOs in Deutschland gibt das Portal gehalt.de im Hinblick auf ihr Grundgehalt monatliche Einkommensspannen zwischen 5857 und 12.719 Euro an. In Berlin können sie mit einem monatlichen Einkommen zwischen 7762 und 11.152 Euro rechnen.[7] Glassdoor.de weist für Chief-Operating-Officers eine durchschnittliche jährliche Grundvergütung von 121.000 Euro aus. Die Gehaltsspannen bewegen sich zwischen 64.000 und 144.000 Euro jährlich.[8]

Welche Aufstiegsmöglichkeiten hat ein COO?

Ein Chief-Operational-Officer ist schon sehr weit oben auf der Karriereleiter angekommen. Über ihm steht in der Unternehmenshierarchie lediglich der CEO – der Chief-Executive-Officer – der Firma. In der EY-Studie von 2017 erwarteten 40 Prozent der Befragten innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Beförderung zum CEO, 30 Prozent betrachteten ihre aktuelle Rolle als ihre letzte Karrierestufe.[9] Neben dem Aufstieg zum CEO des eigenen Unternehmens gibt es natürlich auch die Option eines Wechsels als COO oder CEO in ein anderes, größeres Unternehmen. Durch den Kauf von Unternehmensanteilen können COOs ebenso wie andere Top-Manager auch zu Gesellschaftern der Firma werden.

Quellen:

[1] Sommer, Sarah (2012): Chef ohne Abschluss. Manager Magazin online, 11.12.2012. URL: https://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/a-871066.html

[2] Wikipedia (2019): Tim Cook. URL: https://en.wikipedia.org/wiki/Tim_Cook

[3] Klooß, Kristian (2013): Spezialist für alles. Spiegel online, 16.03.2013. URL: https://www.spiegel.de/karriere/studie-coos-haben-es-in-deutschland-schwer-a-883660.html

[4] EY (2014): The DNA of the COO. URL: www.agileleanhouse.com/lib/AgileLeanLibrary/Organizations/EY/DNA%20of%20the%20COO.pdf

[5] Klooß, Kristian (2013): Spezialist für alles. Spiegel online, 16.03.2013. URL: https://www.spiegel.de/karriere/studie-coos-haben-es-in-deutschland-schwer-a-883660.html

[6] EY (2014): The DNA of the COO, S. 4. URL: www.agileleanhouse.com/lib/AgileLeanLibrary/Organizations/EY/DNA%20of%20the%20COO.pdf

[7] Gehalt.de (2019): Chief Operating Officer (COO). URL: https://www.gehalt.de/beruf/coo-chief-operation-officer

[8] Glassdoor.de (2019): Gehälter für Chief Operating Officer. URL: https://www.glassdoor.de/Geh%C3%A4lter/chief-operating-officer-gehalt-SRCH_KO0,23.htm

[9] EY (2014): The DNA of the COO, S. 4. URL: www.agileleanhouse.com/lib/AgileLeanLibrary/Organizations/EY/DNA%20of%20the%20COO.pdf

© Onpulson.de

   vorheriger Begriff
«
nächster Begriff    
»

Über den Autor

Carolin Fischer

Carolin Fischer Carolin Fischer ist Content-Managerin und Redakteurin bei onpulson.de. Sie ist spezialisiert auf die Themen "Personal", "Mittelstand" und "Karriere". Zuvor hat sie u.a. mehrere Jahre für die Süddeutsche Zeitung in München gearbeitet.
Zum Autorenprofil