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Geplante Obsoleszenz

Definition:

Geplante Obsoleszenz ist eine Strategie des Konstruierens von Produkten mit begrenzter Lebensdauer, damit der Kunde diese durch Neukauf ersetzen muss. Das Grundprinzip dieser Strategie besteht darin, langfristige das Absatzvolumen zu erhöhen, indem die Zeit zwischen wiederholten Käufen verkürzt wird.

Der Begriff der Obsoleszenz leitet sich vom lateinischen Wort „obsolescere“ (alt werden, sich abnutzen, an Ansehen oder Wert verlieren, aus der Mode kommen) ab. Im wirtschaftlichen und insbesondere im industriellen Kontext bezeichnet Obsoleszenz die Abnutzung und das Veralten von Produkten. Neben natürlichem Verschleiß spielen hier auch der technische Fortschritt sowie der Einfluss der Mode eine Rolle. Aus Sicht der Industrie ist Obsoleszenz ein natürlicher Bestandteil des Produktlebenszyklus. Wenn sie erreicht wird und seitens der Verwender nach wie vor Bedarf an diesem Produkt gegeben ist, muss ein mindestens gleichwertiger Ersatz erfolgen.

Geplante Obsoleszenz ist eine Strategie, bei der Hersteller ihre Produkte mit einer zeitlich definierten und im Vergleich zu Konkurrenzprodukten oft kürzeren Lebensdauer konzipieren. Ersatzteile werden nicht oder nur zu sehr hohen Preisen angeboten. Das Ziel der geplanten Obsoleszenz besteht darin, die Verwender eines solchen Produktes in durch den Hersteller überschaubaren Intervallen zu einem Neukauf zu bewegen. In engem Zusammenhang mit dem Begriff und der Praxis der geplanten Obsoleszenz steht der Begriff der Wegwerfgesellschaft, in der Produkte nicht mehr repariert, sondern ersetzt werden, sobald sie nicht mehr funktionieren.

Geplante Obsoleszenz – industrielle Triebkraft oder Wegwerfmentalität?

Als Vermarktungsstrategie kam geplante Obsoleszenz erstmals in der US-amerikanischen Automobilindustrie zum Einsatz. An diesem Punkt schieden sich die Geister der damaligen Autobauer. Während Ford auf die Langlebigkeit seiner Automobile setzte, entschied sich General-Motors-Präsident Alfred P. Sloan ab 1923 dafür, das Absatzvolumen des Konzerns durch geplante Obsoleszenz zu steigern. Zu seinem Konzept dafür gehörte, in Jahresintervallen Konfigurationsänderungen an den Autos einzuführen. Besitzer eines Fahrzeugs des Konzerns sollten alle drei Jahre ein neues Automobil erwerben. Sloan setzte dabei allerdings nicht auf eine minderwertige Produktion der General-Motors-Autos, sondern auf technische Neuerungen und die Mode als Motivationsfaktoren für den Austausch eines nach wie vor funktionstüchtigen Fahrzeugs.(1)

Geplante Obsoleszenz

Dem deutschen Bundesministerium für Verbraucherschutz liegen keine eindeutigen Informationen darüber vor, dass Hersteller eine Obsoleszenz systematisch planen und herbeiführen.Hersteller beziehen sich meist auf einen natürlichen, altersbedingten Verschleiß. Auch die Stiftung Warentest fand bei einer umfangreichen Überprüfung keine Anzeichen einer geplanten Obsoleszenz. Vielmehr wurde grundsätzlich eine zu schlechte Qualität bemängelt. Foto: Depositphotos.com

Das Phoebuskartell: Beschränkte Lebensdauer von Glühbirnen

Ein anderes frühes Beispiel für geplante Obsoleszenz in der Industrie ist die Praxis des sogenannten Phoebus-kartells, die Lebensdauern von Glühlampen künstlich auf 1.000 Stunden zu begrenzen. Das Kartell wurde 1925 in Genf von den führenden Glühlampenherstellern gegründet. Ziele der Kooperation waren die Aufteilung des globalen Marktes sowie der Austausch von Technologien und Patenten. Die Einführung der kartellweit beschränkten Lebensdauer für Glühlampen war eine der ersten Entscheidungen des Kartells, das mindestens bis zum Jahr 1942 existierte. Bis heute ist umstritten, ob der Grund dafür geplante Obsoleszenz oder eine legitime technische Normung der Lampen war.

Geplante Obsoleszenz als Weg aus der Weltwirtschaftskrise

Aus einer wirtschaftstheoretischen Perspektive wurden der Begriff und die Praxis der geplanten Obsoleszenz erstmals im Jahr 1932 diskutiert. Den Begriff selbst prägte der US-amerikanischer Unternehmer Bernard London. In seinem Buch „Ending the Depression Through Planned Obsolescence“ vertrat er die These, dass die gezielte Herstellung und Vermarktung von Produkten mit geringer Lebensdauer einen Beitrag dazu leisten könnte, die „große Depression“ – die Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 bis 1932 – zu beenden.

Ebenfalls aus den 1930er Jahren stammt die Idee, dass – eigentlich langlebige – Gebrauchsgüter so gestaltet und vermarktet werden sollten, dass ihre Verwender sie wie Verbrauchsgüter nutzen und regelmäßig durch ein neues, nicht zuletzt der Mode unterworfenes, Produkt ersetzen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann die Debatte um geplante Obsoleszenz zunächst vor allem in den USA an Fahrt – im Rahmen scharfer Kontroversen, wie wünschenswert es sei, eine Wegwerfgesellschaft zu kreieren. So beschrieb der Publizist Vance Packard im Jahr 1960 die geplante Obsoleszenz als einen systematischen Versuch der Industrie, verschwenderische, ewig unzufriedene und verschuldete Individuen zu schaffen.

Geplante Obsoleszenz – ein doppeldeutiger Begriff?

Bereits im Jahr 1976 wies der Aachener Wirtschaftswissenschaftler Burkhardt Röper darauf hin, dass geplante Obsoleszenz durchaus unterschiedlich bewertet werden kann und muss. Sie kann nicht nur als Verkaufsmotor zum Einsatz kommen, sondern ebenso dazu dienen, die Lebensdauer von Produkten zu optimieren und den natürlichen Verschleiß hinauszuzögern. In diesem Kontext plädierte Röper für eine Definition der geplanten Obsoleszenz, die in beide Richtungen – also für die Planung von vorzeitiger oder verzögerter Produktalterung – offen ist.(2)

Abgrenzung zu Sollbruchstellen und natürlichem Verschleiß

Zudem ist es in der Praxis häufig schwierig, geplante Obsoleszenz von dem natürlichen Verschleiß eines Produktes sowie den sogenannten Sollbruchstellen abzugrenzen. Beispielsweise kann die Verwendung unterschiedlicher Materialien und Herstellungsverfahren bei funktional identischen Produkten zu gravierenden Qualitätsunterschieden führen, die sich in der Regel auch im Preis dieser Produkte niederschlagen. Sollbruchstellen sollen die Sicherheit von Produkten optimieren, indem Schäden vorhersehbar nur an diesen Stellen auftreten werden. Sofern sie austauschbar oder reparabel sind, haben sie keinen Einfluss auf die Lebensdauer des Produktes. Ebenso können bestimmte Materialien, Herstellungsverfahren und Sollbruchstellen jedoch zur Erzeugung geplanter Obsoleszenz zum Einsatz kommen.

Geplante Obsoleszenz in der öffentlichen Diskussion und in der Praxis

In Deutschland spielte geplante Obsoleszenz als ein Aspekt der industriellen Produktgestaltung und der öffentlichen Diskussion erstmals seit dem Ende der 1960er Jahre eine Rolle. Aus einer juristischen Perspektive wurde die Problematik erstmals im Jahr 1983 im Hinblick auf entsprechende Praktiken der Modeindustrie behandelt.(3)

Welche Rolle geplante Obsoleszenz in der deutschen Industrie tatsächlich spielt, ließ sich bisher nicht ermitteln. Beispielsweise ging im Auftrag der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen erstelltes Gutachten aus dem Jahr 2013 davon aus, dass Verbraucher hierzulande pro Jahr rund 101 Milliarden Euro mehr ausgeben als nötig, da die Hersteller von Produkten deren Lebensdauer künstlich verkürzen.(4)

Diverse Studien kommen dagegen zum Ergebnis, dass geplante Obsoleszenz bei den jeweils untersuchten Produkten keine relevante Rolle spielt. Für die unterschiedlich lange Funktionsfähigkeit von technischen Geräten geben demnach Qualitätsunterschiede den Ausschlag. Funktionsfähige Geräte tauschen die Verwender vor allem aus, weil sie sich neue, bessere Produkte wünschen. Eine Rolle für die Qualität und die Lebensdauer der Produkte spielen jedoch auch immer kürzere Innovationszyklen und der Umstand, dass technische Geräte aus diesem Grund nicht mehr umfassend, sondern nur noch auf bekannte Schwachstellen getestet werden.(5) (6)

Generell gilt, dass Unternehmen die Lebensdauer technischer Produkte so konzipieren, dass sie – idealerweise – mit ihrer angenommenen Nutzungsdauer übereinstimmt. Als ein Beispiel: Viele Smartphones sind auf eine Nutzungsdauer von zwei Jahren ausgelegt, da die Verwender sich spätestens nach diesem Zeitraum ein neues Handy wünschen. Als Konsequenz daraus müssen die Geräte nicht so lange wie möglich, sondern lediglich so lange wie nötig halten. Produkte mit einer möglichst langen Lebensdauer zu entwickeln, würde bei den Herstellern dagegen zu einem höheren und anhand der Kundenpräferenzen nicht gerechtfertigten Ressourcenaufwand führen. Zudem wäre ein solcher Ansatz auch aus ökologischen Gründen kontraproduktiv.(7)

Arten der geplanten Obsoleszenz

Eine geplante Obsoleszenz ist auf unterschiedliche Art und Weise realisierbar. Die verschiedenen Arten der Obsoleszenz sind für die Lebens- oder Nutzungsdauer eines Produktes auch ohne gezielte Planung relevant. Ebenso können sie jedoch als jeweils spezifische Strategien dienen, die Verwendung eines Produktes zielgerichtet zu begrenzen:

1. Materialbezogene Obsoleszenz

Die Ursache materialbezogener Obsoleszenz liegt in der zeitlich begrenzten Leistungsfähigkeit von Materialien und technischen Komponenten. Durch die Verwendung bestimmter Qualitäten lässt sich die Lebensdauer eines Produktes steuern.

2. Funktionelle Obsoleszenz

Funktionelle Obsoleszenz ist ein Resultat des technischen Fortschritts. Sie tritt auf, wenn ein Produkt durch die Einführung einer neuen Technologie veraltet. Beispiele dafür sind die Ablösung von Videorecordern durch DVD-Player und – Recorder oder die Durchsetzung des Smartphones. Bei PCs kann die Edition eines neuen Betriebssystems dazu führen, dass ältere Geräte die Mindestanforderungen dafür nicht mehr erfüllen. Die Übergänge zwischen echter funktioneller Obsoleszenz und geplanter Obsoleszenz können fließend sein, indem das funktionelle Veralten von Produkten durch die Hersteller bewusst gesteuert wird.

3. Qualitative Obsoleszenz

Qualitative Obsoleszenz bezieht sich auf den natürlichen Verschleiß eines Produktes. Wenn sie geplant ist, beschleunigen Hersteller den Verschleiß entweder bewusst oder verzichten darauf, vorhandene, wirtschaftlich sinnvoll einsetzbare Technologien und Materialien anzuwenden, um die Lebensdauer des Produktes zu verlängern.

4. Ökonomische Obsoleszenz

Ökonomische Obsoleszenz ist gegeben, wenn die Kosten für eine Reparatur in keinem sinnvollen Verhältnis zu den Kosten für eine Neuanschaffung stehen. Beispielsweise fallen bei TV-Geräten häufig das Display und die Netzwerkkarte aus. Auch angesichts sinkender Preise für TVs ist der Ersatz dieser Komponenten im Vergleich zu einem Neukauf wenig sinnvoll. Für die gezielte Steuerung der ökonomischen Obsoleszenz spielen die Verwendung von Komponenten mit von vornherein begrenzter Lebensdauer, aber auch die Verfügbarkeit und der Preis von Ersatzteilen eine Rolle.

5. Psychologische Obsoleszenz

Psychologische Obsoleszenz entsteht durch Moden, neue technische Trends sowie die Veränderung von Konsumentenpräferenzen. Hierdurch entstehen für die Verbraucher Anreize, funktionsfähige Gebrauchsgegenstände gegen neue Produkte auszutauschen. Auch bei technischen Neuerungen ist das Image eines Produktes von entscheidender Bedeutung, bei Moden stehen psychologische Faktoren als Auslöser von Obsoleszenz absolut im Fokus. Das Design, aber auch die werbliche Vermarktung von Produkten sind in beiden Fällen zentrale Instrumente, um psychologische Obsoleszenz gezielt herbeizuführen.

6. Politische Obsoleszenz

Politische Obsoleszenz von Produkten ist in unterschiedlichen Dimensionen fassbar. Zum einen prägen politische Faktoren auch bestimmte Konsumentenpräferenzen. An erster Stelle stehen hier Produkte, die nach ökologischen und sozialen Standards produziert sowie fair gehandelt werden. Erzeugnisse, die diese Anforderungen nicht erfüllen, werden zumindest von einem Teil der Kunden in immer stärkerem Maße abgelehnt.

Zum anderen zielen wissenschaftliche Empfehlungen darauf ab, für die Lebensdauer technischer Geräte Mindeststandards zu entwickeln und für ihre Durchsetzung entsprechende politisch-rechtliche Instrumente zu entwickeln. Hierzu gehören beispielsweise Verpflichtungen für die Hersteller, die Lebensdauer von Komponenten und Sollbruchstellen eindeutig zu deklarieren sowie Verbraucher über die Reparaturkosten, erforderliche Wartungsintervalle und die Vorteile von langlebigen Produkten zu informieren. Politische Vorgaben für die Mindestlebensdauer von Produkten könnten beispielsweise auf der Ökodesign-Richtline der Europäischen Union basieren.

Häufig gestellte Frauen zur geplanten Obsoleszenz

1. Welche Rolle spielt geplante Obsoleszenz tatsächlich?

Das Thema der geplanten Obsoleszenz wurde in den letzten Jahren sehr kontrovers und polarisierend diskutiert. Studien zeigen jedoch, dass es dabei seitens der Hersteller nicht zwangsläufig ausschließlich um bewusste Manipulationen geht. Generell gilt, dass die Lebensdauer eines Produktes eine planbare Größe ist. Seriöse Produktentwickler streben in der Regel an, dass die Lebensdauer eines Produktes mit seiner erwarteten Nutzungsdauer durch die Käufer übereinstimmt.

2. Ist es strafbar, geplante Obsoleszenz herbeizuführen?

Eine rechtliche Grundlage, um die bewusste Verkürzung der Lebensdauer von Produkten zu bestrafen, gibt es derzeit weder in Deutschland noch in der EU. Frankreich hat hier im Jahr 2015 einen nationalen Vorstoß unternommen. Wenn Unternehmen eine absichtliche Verkürzung der Produktlebensdauer nachgewiesen werden kann, wird dies als Straftat angesehen, die mit bis zu zwei Jahren Gefängnis sowie Geldstrafen von bis zu 300.000 Euro oder – in schweren Fällen – bis zu 5 Prozent des Jahresumsatzes dieses Herstellers geahndet werden kann. Ein entsprechendes Ermittlungsverfahren wurde in Frankreich erstmals im Jahr 2017 eingeleitet. Gegenstand der durch eine Verbraucherschutzorganisation eingereichten Strafanzeige waren Druckerpatronen mit einer mutmaßlich absichtlich manipulierten Lebensdauer.(8)

3. Was sind die Hauptgründe für den Austausch von Haushaltsgroßgeräten?

Durch Studiendaten ausgewiesen wird für die Jahre 2004 und 2012/2013, dass der Hauptgrund für den Austausch von Haushaltsgroßgeräten wie Waschmaschinen Defekte waren. Gleichzeitig nahm der Anteil der Geräte zu, deren Austausch wegen eines Defektes in den ersten fünf Jahren ihrer Nutzung vorgenommen wurde – ältere Geräte erweisen sich demgegenüber als tendenziell robuster. Ob und in welchem Maße geplante Obsoleszenz gegeben ist, ist durch die Studienergebnisse nicht belegbar.(9)

4. Welche Rolle spielen für geplante Obsoleszenz die Wünsche der Verbraucher?

Konsumentenpräferenzen sind einer der Hauptgründe für geplante Obsoleszenz, sofern sie nicht unter manipulativen Gesichtspunkten zum Einsatz kommt. Dieser Trend zeigt sich beispielsweise bei Computern, Smartphones und TVs – auch wenn sie funktionsfähig sind, werden sie ausgetauscht, da sich die Verbraucher neue, bessere Geräte wünschen. Bei Smartphones spielt hier auch eine Rolle, dass Vertragskunden von den Mobilfunkanbietern alle zwei Jahre ein neues Gerät bekommen.

5. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Preis und der Lebensdauer von Produkten?

Ein solcher Zusammenhang ist durchaus gegeben. Hochpreisige Produkte haben häufig eine längere Lebensdauer. Im Übrigen ist dieser Umstand nicht nur für technische Geräte, sondern auch für viele andere Gebrauchsgegenstände – beispielsweise Textilien, Möbel oder Haushaltsutensilien – relevant. Der Grund liegt darin, dass für Erzeugnisse in höheren Preissegmenten in der Regel qualitativ hochwertigere Materialien und Komponenten zum Einsatz kommen.

6. Ergeben sich aus geplanter Obsoleszenz ökologische Konsequenzen?

Eindeutig ja. Die ökologische Lebenszyklusanalyse des Öko-Institut e.V. zeigt für alle untersuchten Produktgruppen, dass langlebige Produkte in den analysierten Umweltkategorien (CO2-Emissionen, Energieeffizienz etc.) bessere Werte erzielten als Erzeugnisse mit eher limitierter Lebensdauer. Einbezogen wurde in die Analyse der Ökobilanz der gesamte Lebenszyklus von Produkten inklusive Herstellung, Reparatur/Wartung und Entsorgung. Als ein Beispiel: Wenn ein neues Notebook um 10 Prozent energieeffizienter ist als ein älteres Gerät, müsste es trotzdem etwa 80 Jahre lang verwendet werden, um die Umweltbelastungen im Rahmen seiner Herstellung zu kompensieren (10).

7. Welche Strategien wirken geplanter Obsoleszenz entgegen?

Strategien gegen geplante Obsoleszenz tragen bisher Empfehlungscharakter, sind juristisch jedoch nicht verbindlich. Zentrale Bausteine einer Strategie, die geplanter Obsoleszenz entgegenwirkt, sind:

  • Mindestanforderungen im Hinblick auf die Lebensdauer von Produkten
  • Verbesserung der Reparaturfähigkeit
  • Neue Servicemodelle durch die Hersteller (Reparatur, Leasing- sowie Rückkaufmodelle)
  • Verbraucherinformationen, die eine Verlängerung der Produktlebensdauer fördern (Deklaration von Verschleißteilen, Sollbruchstellen und Wartungsintervallen).

Beispiele für geplante Obsoleszenz

1. Fest verbaute Smartphone-Akkus

Die Akkus eines Smartphones sind für rund 500 Ladezyklen oder zwei Jahre ausgelegt. Ihre Lebensdauer entspricht damit der Laufzeit handelsüblicher Mobilfunkverträge. Bei austauschbaren Batterien ist ein Wechsel kein Problem. Der Wechsel eines fest verbauten Akkus muss jedoch durch Fachpersonal vorgenommen werden. Die meisten Nutzer ziehen angesichts der hohen Kosten vor, sich ein neues Smartphone anzuschaffen.

2. Druckerpatronen

Druckerpatronen sind ein klassisches Beispiel für geplante Obsoleszenz. Die Lebensdauer einer Druckerpatrone definieren die Hersteller in der Regel anhand der gedruckten Seitenzahl. Wenn hier eine bestimmte Marke überschritten wird, muss die Druckerpatrone ausgetauscht werden. Ob sie tatsächlich leer oder noch funktionsfähig ist, spielt dabei keine Rolle.

3. Kameras

Viele Kameras haben nur eine geringe Lebensdauer, weil für ihre mechanischen Komponenten minderwertige Materialien zum Einsatz kommen. Solche Bauteile bestehen in der Praxis oft aus wenig belastbarem Kunststoff. Langlebige Komponenten würden die Herstellung einer Kamera nur um wenige Cent verteuern.

4. Schuhe

Schuhe kommen heute häufig mit billigen Kunststoffsohlen auf den Markt – langlebige Sohlen würden sie nur in geringem Maß verteuern. Vor allem bei günstigen Schuhen lohnt sich eine Reparatur der Sohlen nicht. Bei Turnschuhen und Sneakers sind Reparaturen durch die Vulkanisierung der Sohlen oft auch bei hochwertigen Modellen ausgeschlossen.

5. Waschmaschinen

Die Türgriffe von Waschmaschinen sind oft das empfindlichste Bauteil der Geräte. Gehen sie kaputt, ist der Kauf einer neuen Waschmaschinentür erforderlich – Preislage: mindestens 100 Euro. Ein neuer Türgriff würde lediglich 10 Euro kosten. Problematisch wird es, wenn die Tür eines Modells nicht mehr erhältlich ist – in diesem Fall wird der Kauf einer neuen Waschmaschine fällig.

6. Software

Wenn Hersteller ihre Software für PCs oder Drucker nicht mehr aktualisieren, kann dies zur Folge haben, dass die Verwender neue Geräte kaufen müssen, zumal fehlende Software-Updates bei Computern in der Regel sicherheitskritisch sind. Bei Systemsoftware wird dieser Zeitpunkt durch die Hersteller sehr exakt geplant und an die Nutzer kommuniziert. Oft sind die Systemvoraussetzungen älterer Geräte mit neu auf den Markt gebrachter Software nicht mehr kompatibel.

Video: Obsoleszenz – Elektrogeräte sterben pünktlich

Quellen:

(1) Wikipedia (2019): Obsoleszenz. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Obsoleszenz

(2) Röper, Burkhardt, Marfeld, Rolf (1976): Gibt es geplanten Verschleiß? – Untersuchungen zur Obsoleszenzthese. In: Schriften der Kommission für Wirtschaftlichen und Sozialen Wandel. Band 137, S. 46

(3) Wortmann, Gerhard (1983): Geplanter Produktverschleiß als Rechtsproblem. Frankfurt/Main, Bern: Verlag Peter Lang, S. 62 ff.

(4) Schridde, Stefan, Kreiß, Christian (2013): Geplante Obsoleszenz. Gutachten im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, 21. März 2013.

(5) Prakash, Siddhart, Dehoust, Günther, Gsell, Martin, Tobias Schleicher, Stamminger, Rainer (2016): Einfluss der Nutzungsdauer von Produkten auf ihre Umweltwirkung: Schaffung einer Informationsgrundlage und Entwicklung von Strategien gegen „Obsoleszenz“. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt.

(6) Stiftung Warentest (2013): Geplante Obsoleszenz. Gerade gekauft und schon wieder hin? URL: https://www.test.de/Geplante-Obsoleszenz-Gerade-gekauft-und-schon-wieder-hin-4596260-0/

(7) Prakash, Siddhart, Dehoust, Günther, Gsell, Martin, Tobias Schleicher, Stamminger, Rainer (2016): Einfluss der Nutzungsdauer von Produkten auf ihre Umweltwirkung: Schaffung einer Informationsgrundlage und Entwicklung von Strategien gegen „Obsoleszenz“. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt.

(8) N-TV (2015): Frankreich verbietet geplante Obsoleszenz. URL: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Frankreich-verbietet-geplante-Obsoleszenz-article15746266.html

(9) Öko-Institut e. V. (2016): Fragen und Antworten zu Obsoleszenz. URL: https://www.oeko.de/oekodoc/2464/2016-003-de.pdf, S. 4 f.

(10) Öko-Institut e. V. (2016): Fragen und Antworten zu Obsoleszenz. URL: https://www.oeko.de/oekodoc/2464/2016-003-de.pdf, S. 12.

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Wörterbuch Deutsch-Englisch | Übersetzung für Geplante Obsoleszenz

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Geplante Obsoleszenz planned obsolescence
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