Unternehmensführung

Silodenken

Definition:

Silodenken – auch als Bereichsdenken bekannt – besteht, wenn verschiedene Abteilungen innerhalb eines Unternehmens gegeneinander statt miteinander arbeiten. Es hindert abteilungsübergreifende Arbeiten und hat somit negative Auswirkungen auf Innovation innerhalb des Unternehmens.

Wie erkennt man Silodenken?

Silodenken stellt sich zumeist in zwei verschiedenen Formen dar:

1. Verschiedene Abteilungen verfolgen unterschiedliche Interessen

Hier fehlt es vor allem an Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen. Während sich beispielsweise die Entwicklungsabteilung bei der Entwicklung eines neuen Produkts auf Kreativität und Innovation fokussiert, hat die Produktion eher das Ziel der Kosten- und Ressourcenminimierung. Dieser Interessenkonflikt kann dazu führen, dass die Entwicklungsabteilung ein zu kompliziertes Produkt entwickelt. Außerdem könnte das Produkt von der Produktion falsch umgesetzt werden, indem z.B. keine neuen Maschinen angeschafft und stattdessen ältere Maschinen weiter ausgelastet werden. Dies führt zu einem Produkt, dass von niedriger Qualität ist und sich nur schwer vermarkten lässt.

2. Fehlendes Pflichtgefühl

Bei dieser Art von Silodenken herrscht das Not-invented-here Syndrom vor. Es wird also angenommen, dass alles was die Abteilung nicht selber hergestellt oder erdacht hat nicht den Anforderungen genügt und somit nicht benutzt wird. Meist suchen sich dann verschiedene Abteilungen zwei verschiedene Wege zum gleichen Ziel, was Ressourcen  und Zeit verschwendet. Auch hier fehlt es an abteilungsübergreifender Kommunikation, was auf lange Sicht zu der (Eigen)Sabotage von Produkten führt.

Ursachen von Silodenken

Fehlendes Bewusstsein für Silodenken

Je größer das Unternehmen ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Silodenken auftritt. Gerade wenn das Bewusstsein für Silodenken fehlt – die Ansätze also nicht rechtzeitig erkannt werden – kommt es sehr schnell zum Vorschein.

Innerbetrieblicher Ressourcenkampf

Wenn Abteilungen als ‘Unternehmen im Unternehmen’ geführt werden, kann dies schnell zu Silodenken führen. Dadurch das die Abteilungen gegeneinander ausgespielt werden, indem sie um Budgets und Ressourcen kämpfen müssen, wird die Zusammenarbeit gehemmt. Weiterhin verfolgen verschiedene Abteilungen oft auch verschiedene Ziele, die sich gegenseitig teilweise widersprechen (z.B. Senkung der Fixkosten vs. neuartige Produkte).

Fehlende Vernetzung

Wenn Abteilungen keine oder kaum Möglichkeiten zur Kommunikation haben, fördert dies Silodenken. Die Unkenntnis über die anderen und über ihre Wissensstände verschlechtert das innerbetriebliche Bild von anderen Abteilungen und begünstigt das ‘Wir gegen den Rest der Welt’-Denken. Dies wiederum verschlechtert das Verhältnis und die Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen.

Wie verhindert man Silodenken?

Zusammenarbeit unterstützen

Generell sollte das Unternehmen die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Abteilungen aktiv fördern. Die Mitarbeiter sollten viele Möglichkeiten und Mittel zur Verfügung haben, die die Zusammenarbeit so einfach wie möglich machen.

Identifikation mit dem Unternehmen

Jeder Mitarbeiter sollte das Bewusstsein haben, dass er für das Wohl des Unternehmens arbeitet, nicht nur für das Wohl seiner eigenen Abteilung. Sie sollen sich mit dem Unternehmen identifizieren und der Erfolg des Unternehmens sollte den Mitarbeitern persönlich wichtig sein. Dies kann gefördert werden, indem das Unternehmen eindeutig seine Werte definiert und vor allem auch im Unternehmensalltag lebt. Ein weiterer förderlicher Punkt ist, die Kundenorientierung als Hauptfokus zu setzen, sodass das gesamte Unternehmen im Angesicht dieses Ziels vereint ist.

Jobrotation

Bei einer Jobrotation wechseln Mitarbeiter für eine bestimmte Zeit oder für immer innerhalb des Unternehmens die Abteilungen. Der Vorteil dieser Methode ist, dass alle Mitarbeiter einen Einblick in andere Abteilungen bekommen. Dies hilft, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und fördert die abteilungsübergreifende Kooperation. Der Nachteil an dieser Methode ist, dass es sehr aufwendig ist, Mitarbeiter immer wieder in neue Bereich einzuarbeiten. Es müssen genug Ressourcen bereitstehen, um die zusätzlichen Kosten und den zusätzlichen Arbeitsaufwand zu kompensieren, damit langfristig keine Komplikationen entstehen. Weiterhin ist diese Methode nicht in hochspezialisierten Berufen zur Anwendung geeignet.

Innovatives Belohnungssystem

Die Belohnungssysteme vieler Unternehmen fördern immer noch Silodenken. Durch die Implementierung eines Systems, das keine einzelnen Abteilungen für verschiedene Abteilungsziele belohnt, wird Silodenken geschwächt. Statt Abteilungszielen sollte ein Belohnungssystem implementiert werden, das besondere Aufwendungen belohnt, die für das Unternehmensziel getätigt wurden. So werden die Abteilungen nicht gegeneinander ausgespielt. Weiterhin sollten gemeinsam erzielte Erfolge auch gemeinsam gefeiert werden, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken.

Austausch verschiedener Abteilungen fördern

Mehr Kommunikation führt zu besserer Zusammenarbeit und somit auch zu besseren Ergebnissen. Vor allem der Unterschied der Wissensstände ist ein Punkt, weshalb Abteilungen das Not-invented-here-Syndrom aufweisen und es meiden, auf die Methoden anderer Abteilungen zurückzugreifen. Durch die Implementierung eines Intranets zur zentralen Speicherung von Information und Wissen können diese Ungleichheiten ausgeglichen werden. Die Transparenz wird erhöht und der Wissensaustausch zwischen den Abteilungen wird gefördert. Diese Methode führt vor allem dazu, dass sich Abteilungen nicht mit einem Problem beschäftigen müssen, dass eine andere Abteilung schon gelöst hatte. Weiterhin führt es zu einem erhöhten Bewusstsein der Abhängigkeit innerhalb des Unternehmens.

Interdisziplinäre Teams bilden

Gerade bei dem Gebiet der Digitalisierung ist es wichtig, interdisziplinäre Teams zu bilden, doch sollte diese Methode nicht nur dort Anwendung finden. Fach- und abteilungsübergreifende Teams zu bilden fördert die Innovation und Ideenfindung durch die Kombination verschiedener Sichtweisen. Die Teams können sich so frei untereinander austauschen und gemeinsam Ideen entwickeln, die weniger Schwierigkeiten in der Implementierung antreffen werden als Projekte, die nur von einer Abteilung verwirklicht werden. Die Teams fördern außerdem die Empathie, da sie den Anreiz geben, die Position des Gegenübers einzunehmen und so seine Sichtweise besser zu verstehen. Interdisziplinäre Teams sind jedoch mit einem erhöhten Arbeitsaufwand verbunden, und die Teammitglieder müssen kompatibel sein, damit das Team produktiv arbeiten kann und nicht aneinander vorbeiredet.

Regelwerk

Ein Regelwerk für das gesamte Unternehmen aufzustellen mag zunächst wie eine übertriebene Maßnahme wirken, jedoch kann ein Regelwerk erheblich potenzielle Reibungspunkte zwischen Abteilungen reduzieren. Wenn z.B. Regeln für Betriebsabläufe existieren, werden Zuständigkeitsfragen schneller geklärt und Streitigkeiten vermieden.

Video: Silodenken im Unternehmen eliminieren

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Wörterbuch Deutsch-Englisch | Übersetzung für Silodenken

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Silodenken silo thinking
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