Vom McKinsey-Berater zum eigenen Unternehmer

Interview mit Dr. Tamaz Georgadze, CEO und Founder vom FinTech Raisin

Von Onpulson Redaktion
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Dr. Tamaz Georgadze erläutert im Interview, wie er und sein ehemaliger McKinsey-Kollege im Urlaub auf die Idee kamen, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Zudem zeigt der Geschäftsführer auf, wie er sein Fintech, das gerade eine Finanzierungsrunde von 100 Mio. Euro abgeschlossen hat, in den nächsten Jahren weiter entwickeln möchte.

Onpulson: Herr Dr. Georgadze, Sie haben im Jahr 2013 mit zwei weiteren Partner – Michael Stephan und Dr. Frank Freund – die Raisin GmbH gegründet, die im deutschen Sprachraum unter der Marke WeltSparen bekannt ist. Bitte erklären Sie unseren Lesern Ihr Geschäftsmodell?

Dr. Tamaz Georgadze: Das Prinzip hinter unserem Geschäftsmodell ist einfach: Wir bieten europäischen Sparern grenzüberschreitend einfachen und kostenlosen Zugang zu attraktiven und einlagengesicherten Tages- und Festgeldern aus ganz Europa sowie zu global diversifizierten und kosteneffizienten ETF-Portfolios. Mit nur einer Online-Anmeldung können Kunden alle Anlagen abschließen und verwalten. Für die Vermittlung von Festgeldern erhalten wir Provisionen von den Partnerbanken.

Onpulson: Wie sind Sie und Ihre beiden ehemaligen McKinsey-Kollegen auf Ihre Geschäftsidee gekommen?

Dr. Tamaz Georgadze: Die ersten Ideen dazu hatten Michael Stephan und ich schon einige Jahre früher. Das war um die Jahre 2007 oder 2008. Wir waren damals zusammen in den georgischen Bergen im Urlaub. In einer ruhigen Minute offenbarte mir Michael, dass er gerne sein eigenes Unternehmen gründen würde und fragte mich, wie ich dazu stehe? Selbstverständlich war ich nicht abgeneigt, denn sonst würde ich das Interview heute hier nicht geben. Wieder in der Zivilisation angekommen, tauschten wir uns über die unterschiedlichsten Ideen aus und bewerteten diese. WeltSparen war jedoch unser eindeutiger Favorit, da er sehr gutes Feedback aus dem Freundes- und Bekanntenkreis bekommen hatte. Zudem überzeugte die Idee die ersten Geldgeber. Danach ging es in die Feinplanung, so dass wir 1,5 Jahre später mit der Plattform online gehen konnten.

Onpulson: Sie betreiben Ihre Online-Marktplätze von Berlin aus und beschäftigen momentan über 100 Mitarbeiter. Wie waren die Anfangsmonate der Gründung? Stimmt das Gerücht, dass Ihr erstes Büro ein Kellerraum in München war?

Eingang von Raisin im ersten Büro der Raisin GmbH in der Zedenickerstraße in Berlin. Foto: Raisin GmbH

Dr. Tamaz Georgadze: Ja, das ist richtig. Wir hatten damals unseren Lebensmittelpunkt in München, wo die Mieten für Büroflächen uns einfach zu teuer waren. Wir wollten unser Geld lieber in das Unternehmen stecken und starteten deshalb erstmal im Keller von Michaels Oma. Ganz zu Beginn waren wir auch eher im U-Boot-Stil unterwegs und hatten uns noch nicht für einen Namen entschieden. Der Keller kam uns deshalb in der Anfangsphase sehr gelegen. Zudem hatte es den großen Vorteil, dass Michaels Oma immer für frischen Kuchen sorgte, was wiederum den schlechten Telefon-Empfang kompensierte.

Relativ schnell haben wir uns dann für den Standort Berlin entschieden und zunächst die ersten Meetings in meiner privaten Wohnung abgehalten, bevor wir dann unser erstes Büro in der Zehdenickerstraße zur Untermiete bei regis24 bezogen.

Onpulson: Aktuell arbeitet Raisin mit 69 Partnerbanken zusammen, die ihre Produkte über Ihren Marktplatz anbieten. Dass heißt, Sie haben durchschnittlich knapp 14 Banken pro Jahr seit der Gründung im Jahr 2013 gewonnen. Mit wievielen Banken haben Sie insgesamt schon gesprochen?

Dr. Tamaz Georgadze: Das waren schon einige. Ich schätze so zwischen 300 und 500.

Onpulson: Wieviel Banken gibt es noch, die für eine mögliche Zusammenarbeit in Frage kommen?

Dr. Tamaz Georgadze: Europaweit gibt es über 3.000 Bankenlizenzen und alleine in Deutschland sind es ca. 1.800. Davon kommen für uns bestimmt mehrere Hundert Banken als potentielle Partner in Frage. Unser Ziel für die kommenden Jahre ist es, dass wir in unserem Partnernetzwerk über 100 Banken zusammenbringen.

Onpulson: Warum braucht Raisin so viele Banken?

Dr. Tamaz Georgadze: Es geht dabei nicht um uns, sondern vielmehr um den Kunden. Das liegt in unserer Philosophie begründet: Je breiter das Angebot für den Kunden, desto unabhängiger ist er. Das wiederum stärkt die Kundenstellung und ist letztlich eine Demokratisierung des Marktes.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Mindesteinlagesumme. Die meisten Festgeld-Angebote unserer Partnerbanken sind ab 5.000 EUR oder sogar erst ab 10.000 EUR verfügbar. In diesem Jahr haben wir mehrere Banken an unsere Plattform angeschlossen, die Festgeld schon ab 1.000 EUR (Hoist Finance, Izola) oder 500 EUR (Resurs Bank, LHV Pank) anbieten.

Wir wollen diese Zugangshürden weiter abbauen und damit mehr Menschen in Europa die Möglichkeit geben, WeltSparen auszuprobieren und sinnvoll zu sparen.

Onpulson: Wie finanzieren Sie das Wachstum von Raisin? Spielt Venture-Capital für Sie eine Rolle?

Dr. Tamaz Georgadze: Erst vor Kurzem schloss Raisin eine Finanzierungsrunde über 100 Millionen Euro ab und ist eines der am besten finanzierten Fintechs in ganz Europa. Zu unseren Lead-Investoren gehören die Unternehmen Index Ventures, Ribbit Capital und Thrive Capital.

Onpulson: Wie möchte Sie Ihre Plattform in den kommenden 5 Jahren weiter entwickeln?

Dr. Tamaz Georgadze: Bisher haben wir uns darauf konzentriert, unseren Kunden mehr Angebote und neue Produkte verfügbar zu machen. Gestartet haben wir mit Festgeld, dann kam Tagesgeld und schließlich WeltInvest, das heißt das investieren in ETFs, hinzu. Ziel dabei war es, die besten Angebote zu haben und dieses Versprechen konnten wir einlösen.

Jetzt verfolgen wir das Ziel, die Prozesse zu optimieren und zu beschleunigen. Das fängt bei der Registrierung auf unserer Plattform an und geht bis hin zu den Formularen und dem Kunden-Support. Wir wollen unser Produkt noch benutzfreundlicher gestalten und für den Kunden schneller zugänglich machen. Dazu gehört beispielsweise auch die Mindestbeiträge für ein Investment weiter zu reduzieren.

Das Team der Raisen GmbH, das von Berlin aus die insgesamt 7 Plattformen koordiniert. Foto: Raisen GmbH

Onpulson: Sie sind viel unterwegs und oft auf Geschäftsreise mit dem Flugzeug unterwegs. Wie verbringen Sie Ihre Zeit zwischen den Terminen?

Dr. Tamaz Georgadze: Ich benutze – abhängig von meiner Aufmerksamkeitsspanne – eine meiner drei Lieblings-Apps. Wenn ich wach bin und gerade in den Flieger steige, lese und bearbeite ich meine E.Mails im Outlook. Wenn ich müde bin und die Konzentration nachlässt, dann schaue ich Netflix. Und für alles dazwischen lese ich in meinem Kindle.

Onpulson: Wenn Sie auf die letzen 5 Jahre nach der Gründung zurückblicken, gibt es etwas, was Sie besonders stolz macht?

Dr. Tamaz Georgadze: Ja, auf jeden Fall. Das ist ganz klar unser fantastisches Team und der große Spaß, den die Arbeit für mich mitbringt. Als wir uns dazu entschlossen hatten, die Corporate-Welt von McKinsey zu verlassen, hatten wir das Ziel, nur mit Kollegen zusammenzuarbeiten, die sowohl fachlich als auch menschlich zu uns passten. Und das ist uns gelungen. Egal, ob ich mit neuen Kollegen, Ex-Kollegen oder mit Uni-Freunden arbeite, wir können uns trotz unserer persönlichen Beziehung Feedback geben und dabei eine positive Stimmung im Unternehmen aufrechterhalten.

Onpulson: Herzlichen Dank für das Interview und Ihre Zeit!

Dr. Tamaz Georgadze: Sehr gerne.

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