Gründerportrait

Gloria Hiltmair, Gründerin und Geschäftsführerin von Seitenbunt

Von Onpulson Redaktion
Am

Das Start-up Seitenbunt ist ein Buch-Verlag, der Selbstmachbücher für Kinder produziert und vertreibt. Mädchen und Jungen können ihre einzigartigen Ideen und Erlebnisse in einem eigenen, gebunden Buch mit Hilfe von Ausmalaufklebern entstehen lassen. Das besondere dabei ist, dass es egal ist, ob das Kind gut malen oder schreiben kann – Kreativität ist gefragt. Die Gründerin, Gloria Hiltmair, die gerade einen Investor über die österreichische Start-up Show „2 Minuten 2 Millionen“ gewinnen konnte, stellt sich unseren Fragen.

Name: Gloria Hiltmair

Geburtsjahr: 1986

Position: Gründerin Seitenbunt– das kinderleichte Selbstmachbuch

Vita: Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung als Medienkauffrau Print & Digital gemacht. Zehn Jahre lang habe ich in verschiedensten Positionen im Online-Marketing Bereich gearbeitet und parallel ein Abendstudium für Marketing und Projektmanagement absolviert. Ich bin Co-Founder eines französischen RTB Anbieters AdServerPub, Mama einer wunderbaren Tochter und habe während der Elternzeit mein Start-up Seitenbunt gegründet.

Lebensmotto: Positiv vorwärts – dankbar rückwärts

Über das Unternehmen

Gloria Hiltmair
Firma Seitenbunt
Buchenstr. 9d
85598 Baldham
Gründungsjahr: 2018/2019
Telefon: 0174/9363768

Was ist das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens?

Mein Name ist Gloria Hiltmair, ich bin Mama einer mittlerweile 3-jährigen Tochter. Während meiner Elternzeit habe ich mich von über 100 Kinderhänden inspirieren und beraten lassen zu einem völlig neuen Produkt. Mein Start-up heißt Seitenbunt – das kinderleichte Selbstmachbuch. Endlich können Kinder ihre einzigartigen Geschichten, Ideen und Erlebnisse in einem eigenen gebunden Buch entstehen lassen. Das Besondere dabei ist, dass es ganz egal ist, ob man gut schreiben oder malen kann. Denn mit meinen selbstillustrierten Ausmal-Aufklebern entstehen über eine Millionen unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten, die jede Geschichte einzigartig werden lassen und jedes Kind auf seiner Reise durch die eigene Ideenwelt begleiten. Meine Bastel-Buch-Sets haben sich als das perfekte Geschenk von Tanten und Verwandten erwiesen für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren.

Nachhaltigkeit ist mir besonders wichtig. Ich habe bei meinen Produkten zu 90% auf Plastik verzichtet. Alle Papiersorten und Verpackungen bestehen aus nachwachsenden Rohstoffquellen und darüber hinaus lasse ich einen Großteil in der Don Bosco Druckerei herstellen – diese sind ausgezeichnet worden, weil sie klimaneutral produzieren.

Das kinderleichte Selbstmachbuch gibt es zwischenzeitlich in acht unterschiedlichen Editionen mit den verschiedensten Motiven. Gloria Hiltmaier arbeitet aktuell mit ihrem Team daran, ihre Produktpalette weiter auszubauen. Bildquelle: Seitenbunt

Erst kommt die Vision, dann die Gründung. Wie sind Sie auf Ihre Geschäftsidee gestoßen?

Ein Mädchen hat mich besonders zur Idee eines Selbstmachbuches inspiriert, denn sie schrieb schon mit sieben Jahren Kurzgeschichten. Sie verschenkt ihre sehr langen Geschichten, indem sie ihre DIN A4 Papiere zu einem „Heft“ zusammenfaltet und so einen Buchcharakter erzeugt. Da habe ich mit der Idee in meinem Kopf angefangen: Es muss doch möglich sein, dass Kinder – egal ob sie schreiben oder malen – am Ende ein eigenes, selbstgemachtes Buch ganz stolz in den Händen halten. Und zwar ohne, dass die Eltern kompliziert die Geschichten abtippen und in eine Book-on-demand Druckerei gehen müssen. Alle Sticker sind von mir selbstgemalt – auch hier habe ich mich von vielen kreativen und coolen Kindern beraten lassen, was sie gerne zeichnen oder schreiben!

Neben einer guten Idee spielt auch die Team-Zusammensetzung oft eine entscheidende Rolle. Wie setzt sich das Team bei Ihnen zusammen?

One woman show, aber ohne viele, treue, herzensgute Helfer geht es nicht!

Wie differenzieren Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Es ist ja eine Produktneuheit. Daher ist der Wettbewerb eher allgemeiner zu sehen, aber beachtenswert – denn es gibt ja unzählige Kinder-Mal und Bastel-Produkte.

Nur mit Seitenbunt können Kinder, egal ob sie gut schreiben oder malen können, dennoch alle Geschichten, Ideen, Erlebniss in einem eigenen Buchwerk intuitiv und ohne Hilfe der Eltern entstehen lassen. Und für die Eltern ist es eine Momentaufnahme der kindlichen Seele und gleichzeitig ein hochwertiges, gelungenes Schaffenswerk für die Ewigkeit.

Was war Ihre Motivation Unternehmerin zu werden?

In erster Linie war der Fokus ein ganze neues, aber nachhaltiges Produkt von und mit Kindern zu gestalten. Dem galt meine eigentliche Motivation. Unternehmer, denke ich, wird man mit den Jahren – noch bin ich ein Start-up, ich möchte aber gerne ein richtiges Verlags-Unternehmen entstehen lassen.

Was waren die größten Herausforderungen in der Gründungsphase?

Da gab es viele. Vor allem sich die Zeit so effizient einzuteilen, sodass ich immer noch viel wertvolle Zeit mit meiner Tochter habe. Dies bedeutet bis heute, zwischen 9 und 15 Uhr ein Arbeitspensum eines normalen ganzen Arbeitstages zu erfüllen. Aber wie sagte mein Pitch Trainer Florian Kandler so schön: „Willst du was erledigt bekommen, so gib es einer viel beschäftigten Mutter.“

Allerdings hatte ich auch unzählige Wissenslücken, auf die man selbst immer stößt, wenn man ein neues Produkt auf den Markt bringen will. Aber wenn man dran bleibt und sich nicht zu schade ist  Fragen zu stellen, dann bekommt man von irgendwo her immer eine helfende Hand.

Seitenbunt ist regelmäßig auf Veranstaltungen mit einer kreativen „Bastelecke“ vertreten. Umsätze erzielt das Unternehmen auch im B2B-Bereich. So können Firmen die Malbücher als gebrandeten Merchandise-Artikel ihren Kunden anbieten. Bildquelle: Seitenbunt

Ein Unternehmen zu gründen und zu expandieren kostet Geld. Wie finanzieren Sie sich?

Finanzierung ist immer abhängig von der Produktidee. In meinem Fall war das nicht ganz so viel, da ich ja alles selbst illustriere und meine Produkte alles Papier-Druckwaren sind. Teuer waren nur die Stanzformen.

Dennoch: meine ersten großen Einnahmen zweier Firmen-Aufträge über mehrere tausend Stück sind komplett reinvestiert worden in die Aufstockung meines Lagerbestandes und die Entwicklung vieler neuer Produkte. Ein Gehalt habe ich mir selten ausbezahlt, da ich ja zwei Jahre in Elternzeit war und mir da das „Gehalt“ gut eingeteilt habe.

Und ich bin ganz ehrlich: Ich weiss nicht, ob ich den Mut gehabt hätte zu gründen und all meinen Fokus drauf zu setzen, wenn ich nicht eine monatliche Absicherung für diese kritischen ein bis zwei Gründungsjahre gehabt hätte.

Ist für Sie eine Partnerschaft mit Venture-Kapitalgebern eine Option?

Hier verweise ich gerne auf meine Teilnahme bei der Sendung „2 Minuten 2 Millionen“ .

Welchen Tipp möchten Sie an andere Gründer gerne weiter geben?

Ich habe alle meine Erst-Ideen sofort von meinen Kunden intensiv prüfen lassen – in meinem Fall waren es Kinder, deren Eltern und Großeltern. Nur dadurch konnte ich rechtzeitig meine Ideen im Kopf zielgruppengerecht überhaupt entwickeln. Und ich habe ständige Kleinstentwicklungen wieder testen lassen.

Es gibt nichts Schlimmeres, als einen komplett fertigen Prototypen testen zu lassen, und danach noch die Kritik zu berücksichtigen. Zudem geht es auch ganz schön ins Geld, wenn berechtigte Kritik an der Basis geäußert wird. Denn dann heißt es, das ganze Produkt neu aufzuziehen – das ist nicht nur zeit-, sondern auch kostenintensiv.

Ist Ihr Team bereits vollständig oder suchen Sie aktuell noch freie und/oder feste Mitarbeiter?

Noch schaffe ich alles alleine. Ich habe mir aber einen Konfektionierer und Auslieferer gesucht und mein Heim-Lager dort ausgelagert. Das heisst, ich habe sehr viel Zeit gewonnen, die ich in neue Produktentwicklung und Firmen-und Schul- Produktionen stecken kann.

Stellen Sie sich vor, Sie treffen den Bundeswirtschaftsminster. Was würden Sie sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland bei ihm wünschen?

Bitte endlich eine ordentlich Gehaltserhöhung für die systemrelevanten Berufsgruppen.

Welche Person hat Sie in der Gründungs- und Wachstumsphase besonders unterstützt? Bei wem möchten Sie sich bedanken?

Da gibt es vor allen Pater Alfons Friedrich der Erzdiözese München und gleichzeitig CEO des Don Bosco Verlages. Er war nicht nur ein wertvoller Mensch in vielen guten, aber auch herausfordernden Lebenslagen. Er hat mich nicht nur in meiner Idee vorangetrieben, bestärkt, wertvolle Kontakte geknüpft, sondern er war auch der Ideengeber des Namens Seitenbunt. Er ist ein Mensch, der wirklich jeden Tag so viele hilfsbedürftige Menschen besucht, tatkräftig hilft, managed, begleitet und organisiert. Da ist er oft bis abends 22 Uhr beschäftigt und findet neben all dem noch Zeit in nächtlichen kreativen Whatsapp-Nachrichten, sich ernsthaft mit meinen Ideen zu befassen.
Ich hatte darüberhinaus noch viele weitere Helfer, wie Dominik Haupt von der Online Marketing Agentur Norisk und meinen extrem schnellen und fokussierten Grafikdesigner Michael Rieperdinger und vielen, vielen mehr.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Unternehmen aus und wie wollen Sie diese meistern?

Meine Produkte haben vier Absatzkanäle: meinen Online Shop, KITAS/Schulen, Firmen und Hotels und der stationäre Handel. Alle, bis auf meinen Online Shop und einige tolle Firmen-Produktionen sind ja momentan noch immer fast zu 100% stillgelegt. Dennoch habe ich spannende Aufträge, die mich für ein paar Monate über Wasser halten. Doch wie es dann in 6 Monaten aussieht, das weiß keiner. Positiv vorwärts – dankbar rückwärts und immer fleißig weiter machen.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal zum Dinner gehen und warum?

Ich kann mich nicht zwischen der Leiterin des Mutter Theresia Ordens, dem schlauesten Menschen der Welt und dem reichsten Menschen der Welt nicht entscheiden. Ich würde mir eher wünschen, wenn sich alle drei mal an einen Tisch setzen würden.

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