Matthias Epp im Interview

„Um sich online behaupten zu können, muss man für Qualität und Professionalität sorgen“

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Im Interview sprechen wir mit Matthias Epp, Geschäftsführer des E-Commerce Pioniers Seton.de, über sein Erfolgsrezept, worauf es bei einem Online-Shop ankommt und über das veränderte Kaufverhalten in Corona-Zeiten. Aufgrund der Pandemie wurden über Nacht ganz andere Produkte nachgefragt als zuvor. Zudem konnte das Unternehmen auch etwas Positives aus der aktuellen Krise abgewinnen.

Onpulson: Herr Epp, Sie sind Geschäftsführer der Brady GmbH, die über den Online-Shop Seton.de mehr als 70.000 verschiedene Produkte für die betriebliche Sicherheit und den Arbeitsschutz vertreibt. Als Tochter eines internationalen Konzerns wurde 1988 die deutsche Niederlassung von Seton gegründet. Damals hatte die Firma nur 4 Mitarbeiter und war auf den Vertrieb eines einzigen Produktes spezialisiert. Erklären Sie unseren Lesern, warum ihr Unternehmen in den letzten 30 Jahren so erfolgreich gewachsen ist?

Matthias Epp: Wir haben bei Seton schon immer den Kunden in den Fokus gerückt. Das war und ist bei unseren Katalogen so, das galt aber ebenfalls von Beginn an für unsere Webshops, die wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz betreiben. Als Experten für Arbeitsschutz und Sicherheit haben wir uns immer sehr eng daran orientiert, was unsere Kunden benötigen, was ihre Mitarbeiter besser schützt und was gesetzlich vorgeschrieben war. Zusätzlich haben wir sehr frühzeitig individualisierte Produkte angeboten, bei denen der Kunde auf den Webseiten Schilder, Bodenmarkierungen oder Etikette ganz nach seinen Wünschen und Vorstellungen gestalten kann.

Onpulson: Sie gehören mit Ihrem Online-Shop, der bereits 1997 online gegangen ist, zu den E-Commerce Pionieren. Die Digitalisierung wird durch die Corona-Krise an Fahrt gewinnen und der Verkauf über das Internet spielt eine noch wichtigere Rolle als zuvor. Welchen Tipp haben Sie für Unternehmer, die erst jetzt beginnen ihren Fokus verstärkt auf den Bereich E-Commerce zu legen? Welche Fehler sollten unbedingt vermieden werden?

Matthias Epp: Die Konkurrenz im E-Commerce Bereich ist seit geraumer Zeit groß. Um sich online behaupten zu können, muss man stets für Qualität und Professionalität sorgen. Jeder einzelne Aspekt spielt dabei eine wichtige Rolle: Auswahl des Content Management Systems, klare und logische Seitenarchitektur, nutzerorientierter Content, eindeutige Trust-Elemente, Optimierung für Mobilgeräte, relevanter Traffic über SEM-Kanäle wie SEO und PPC. Es ist ein Prozess und kein Schnellschuss! Sobald man das verinnerlicht hat und der eigenen Zielgruppe die beste Online-Erfahrung anbietet, wird man früher oder später belohnt.

Onpulson: Was hat sich speziell für Ihr Unternehmen seit dem Auftreten von Corona und dem damit verbundenen Shutdown im März verändert?

Matthias Epp: Auf Kundenseite gab es dramatische Veränderungen. So wurden natürlich quasi über Nacht ganz andere Produkte nachgefragt. Zum einen haben wir hierfür neue Lieferanten gesucht, zum anderen haben wir in unserer Fertigung unzählige Produkte ganz neu angelegt. Das Bestellverhalten der Kunden hat sich während der Corona-Pandemie, vermutlich durch Kurzarbeit und Home Office, auch verändert und verläuft weniger stetig als zuvor.

Panik ist unangebracht und kein guter Ratgeber

Onpulson: Unter Kollegen gibt es derzeit kaum ein anderes Thema als COVID-19. Die Stimmung in den Medien ist teilweise hysterisch und panisch. Wie ist Ihre Stimmung und Ihre Meinung zu diesem Thema?

Matthias Epp: Es ist in gewisser Weise verständlich, dass sich viele jetzt Gedanken machen, aber Panik ist nie ein guter Ratgeber. Lieber ruhig bleiben, analysieren was man selbst beeinflussen kann und was nicht und dann vernünftig handeln. In unserem Unternehmen haben sich alle Mitarbeiter an das Hygienekonzept gewöhnt und halten es auch ein.

Onpulson: Sind Betriebe in Deutschland denn zwischenzeitlich logistisch gut ausgestattet, um das Infektionsrisiko ihrer Mitarbeiter zu reduzieren?

Mathhias Epp: Mittlerweile hat sich die Versorgungssituation mit Atemschutzmasken verbessert. Bei Desinfektionsmitteln gibt es immer noch Engpässe, da diese mit zunehmender Öffnung von Betrieben und Einrichtungen stark nachgefragt werden. Bei SETON können Sie aktuell eine Vielzahl dieser Produkte erhalten, wir haben die allermeisten auch auf Lager.

Onpulson: Welche Präventionsmaßnahmen sollten Unternehmen ergreifen, damit Sie ihren Betrieb aufrecht erhalten können?

Matthias Epp: Durch den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard der Bundesregierung ist vorgegeben, welche Regeln im Unternehmen einzuhalten und umzusetzen sind. Mit Hilfe eines Hygienekonzeptes können Unternehmen sicherstellen, dass die Sicherheit von Mitarbeitern gewährleistet ist. Aber auch außerhalb von Hygienemaßnahmen sollten sich Unternehmen vorbereiten, z.B. durch Überprüfung der Lieferketten, möglichen Aufbau von Lagerbeständen bei kritischen Produkten und der Auswahl möglicher Alternativlieferanten. So können Engpässe in der Versorgung mit Rohmaterialien und Produkten vermieden werden.

Onpulson: Welche Produkte werden denn momentan besonders oft von Betrieben zum Schutz vor Corona gekauft?

Matthias Epp: In der ersten Phase waren vor allem Atemschutzmasken gefragt. Danach setzte eine große Nachfrage nach Desinfektionsmitteln sowie nach Beschilderungen und Bodenmarkierungen zum Thema Abstand halten ein. Aber auch Schutzbrillen und Einweghandschuhe werden sehr stark nachgefragt.

So lässt sich die Krise als Chance nutzen

Onpulson: Viele unserer Leser sitzen in einem Großraumbüro oder teilen sich ein Büro mit einem weiteren Kollegen. Haben Sie spezielle Tipps für den Infektionsschutz für Büros, in welchen mehrere Kollegen arbeiten?

Matthias Epp: Halten Sie sich an die Vorgaben, sichern Sie den Mindestabstand, und stellen Sie Masken bereit, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, sorgen Sie für regelmäßige Belüftung. Ganz wichtig: Fordern Sie Ihre Mitarbeiter auf, mögliche Infektionen oder Kontakte mit Infizierten sofort zu melden, bevor Sie ins Büro kommen. Dies dient dem Schutz aller, denn nur so können wir eine Verbreitung des Virus in Unternehmen schon frühzeitig unterbinden.

Onpulson: Jede Krise ist auch eine Chance und eröffnet oftmals neue Perspektiven. Gibt es irgendetwas Positives was Sie der aktuellen Krise abgewinnen können?

Matthias Epp: Wir haben so viele neue Produkte in kürzester Zeit wie nie zuvor in unser Sortiment aufgenommen, das war eine tolle Leistung und macht uns Mut. Und viele Kollegen bestätigen mir, dass trotz oder vielleicht auch wegen Home Office die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen einzelnen Abteilungen noch nie so gut war wie jetzt. Darauf können wir für die Zukunft aufbauen.

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