Gründer der Online-Plattform Vertragswerk

André Engelhorn: „Eine Gründung ist wie ein großer Berg an Aufgaben”

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André Engelhorn berichtet im Gründerportrait, wie er auf die Idee kam, sein Start-up Vertragswerk zu gründen und über seine Erfahrung, dass Teams innovativer und leistungsfähiger sind, wenn sie möglichst heterogen zusammengesetzt sind. Zudem wünscht er sich, mehr Respekt und Wertschätzung für Unternehmertum in Deutschland.

Name:  André Engelhorn

Geburtsjahr: 1973

Position: Gründer und Geschäftsführer von Vertragswerk.de

Vita: Als studierter Informatiker bin ich seit 25 Jahren in den verschiedensten Rollen in Softwareprojekten tätig. Als Entwickler, Berater und Architekt habe ich technische Konzepte erdacht und realisiert. Als Projekt- und Teamleiter verantwortete ich die Umsetzung, später war ich auch als Geschäftsführer im Mittelstand tätig.

Ich betrete gern fachliches Neuland und halte mich bei Entwicklungen auf dem aktuellen Stand. In meinem Berufsleben hatte ich zum Glück sehr viele Gelegenheiten dazu: Mitte der 90er betreute ich die ersten Internet-Projekte, war einer der ersten Java-Entwickler und begleitete Trends wie Smart Energy, Internet der Dinge und Cloud von den ersten Tagen an.

Da Softwareprojekte immer Change-Projekte in Unternehmen sind, hat mich auch der Wandel in Organisationen interessiert. Daher absolvierte ich eine Ausbildung zum systemischen Organisationscoach und befasste mich dort mit modernen Organisationskonzepten und dem Weg dorthin. Vor fast 3 Jahren machte ich mich als Freelancer selbstständig, um die Freiheit zu haben, eigene Gründungsideen umzusetzen.

Lebensmotto: Machen ist wie wollen – nur krasser.

Über das Unternehmen

v10k GmbH
Kreyerner Str. 4a
01662 Meißen
Gründungsjahr: 2020
Mitarbeiter: 3
Telefon: 0171/5610483

Was ist das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens?

Mit Vertragswerk wollen wir für KMUs das Erstellen und Abschließen von Verträgen konsequent einfach, komplett digital und absolut sicher ermöglichen. Dafür bieten wir ein intuitives Bearbeitungserlebnis mit integrierter elektronischer Unterschrift. Das funktioniert als Software as a Service in Abo-Paketen für verschiedene Kundengruppen – von Einzel- bis zu Großunternehmen sowie für Anwaltskanzleien.

Das Team von Vertragswerk: André Engelhorn, Kati Pretsch und Daniel Maaß.

Das Team von Vertragswerk: André Engelhorn, Kati Pretsch und Daniel Maaß.

Erst kommt die Vision, dann die Gründung. Wie sind Sie auf Ihre Geschäftsidee gestoßen?

Während meiner Berufslaufbahn hatte ich häufig mit Vertragserstellungen zu tun, von der Vertraulichkeitsvereinbarung über Dienst- und Werkverträge bis zu Arbeitsverträgen. Der gerade mit komplexeren Verträgen verbundene Kommunikations- und Organisationsaufwand hat mich immer gestört: das Formatieren von Word-Dokumenten, die Nachverfolgung offener Punkte oder die Verwaltung von Dateiversionen. Hinzu kam immer das schlechte Gefühl, ob man im hektischen Tagesgeschäft nicht doch etwas übersehen oder überlesen hat. Stattdessen wollte ich mich lieber auf die Inhalte und den Austausch mit Menschen konzentrieren! Da mein letzter Arbeitgeber im großen Umfang Experten als Freelancer vermittelt hat, war die Ausgangsidee eine Online-Plattform zur kompletten Abwicklung von Freelancerverträgen. Bei der Recherche wurde mir allerdings bewusst, dass die Abwicklung von Verträgen ein noch ungelöstes und viel interessanteres Thema ist.

Auf der Suche nach Mitstreitern traf ich meinen früheren Kollegen Daniel Maaß zum Mittagessen und wir haben festgestellt, dass ihn unabhängig von mir ganz ähnliche Ideen umtrieben. Folglich bündelten wir unsere Kräfte.

Neben einer guten Idee spielt auch die Team-Zusammensetzung oft eine entscheidende Rolle. Wie setzt sich das Team bei Ihnen zusammen?

Meine Erfahrung ist, dass Teams innovativer und leistungsfähiger sind, wenn sie möglichst heterogen zusammengesetzt sind. Das betrifft sowohl die Geschlechter und Persönlichkeiten als auch den fachlichen Hintergrund. Diesbezüglich ist das Vertragswerk-Gründungsteam zum Glück sehr gut aufgestellt.

Daniel Maaß ist der kreative Kopf im Team. Er ist Medieninformatiker mit einem Händchen für Ästhetik und sehr viel Erfahrung in moderner Frontend-Entwicklung. Mit seinem Anspruch, leicht nutzbare Anwendungen zu gestalten, verantwortet er das Produkt.

Auf eine Anzeige in einem Gründungsportal meldete sich Kati Pretsch. Sie ist studierte Betriebswirtin mit Erfahrung im Personalbereich und brannte fürs Gründen. Sie wollte Neues ausprobieren und ist nun zuständig für Finanzen und Marketing bei Vertragswerk.

Ich bin im Team der Generalist und verantworte neben den typischen CEO-Themen wie Vision und Strategie die Suche nach geeigneten Investoren und die technische Plattform.

Wie differenzieren Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Unser Fokus liegt auf der Benutzerfreundlichkeit – daher ist unser Produkt auch konsequent einfach und intuitiv bedienbar. Gleichzeitig haben wir einen hohen Anspruch an das Design. Es soll Spaß machen, Vertragswerk zu benutzen – Verträge abschließen soll somit raus aus der „lästigen Pflicht“ kommen.

Im Unterschied zu manchen Wettbewerbern geht es uns nicht darum, ein möglichst umfangreiches Produkt zu verkaufen. Wir wollen uns auf das Wesentliche bei Verträgen konzentrieren und dadurch unseren Kunden ebenfalls die Möglichkeit bieten, ihr Augenmerk auf den Inhalt des Vertrages zu richten. Für das Design, die Form und die Unterschrift fühlen wir uns zuständig.

Was war Ihre Motivation Unternehmer zu werden?

Ich habe mich nie als der klassische Arbeitnehmer gefühlt, sondern schon immer unternehmerisch gedacht. Mich reizte – ebenso wie meine Mitgründer – das Umsetzen von eigenen Ideen auf der grünen Wiese und das Treffen von eigenen Entscheidungen. Das betrifft nicht nur das Geschäft an sich, sondern auch die Art und Weise wie ein Unternehmen arbeitet und geführt wird. Auch den Satz „das haben wir schon immer so gemacht“ konnten wir nicht mehr hören. Daher war es nur konsequent, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und die v10k GmbH zu gründen.

Welche unternehmerischen Ziele haben Sie für die nächsten 3 Jahre?

In einer so frühen Start-up-Phase wie der unseren denkt man natürlich erst mal vorrangig bis zum nächsten Meilenstein, zum Beispiel an den Markteintritt und die nächste Finanzierungsrunde.

Unsere Ziele für die nächsten drei Jahre sind vor allem, erfolgreich Kunden zu gewinnen, das Produkt weiterzuentwickeln und vertrieblich zu skalieren. Dazu brauchen wir die richtigen Mitarbeiter, die nötigen Strukturen und Investoren, die an die Mission und das Geschäftsmodell glauben.

Sobald wir aus dem Gröbsten raus sind, wollen wir uns um unsere Mission als Purpose-Unternehmen kümmern, nämlich der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Angedacht ist die Unterstützung von gemeinnützigen Projekten, beispielsweise im Bildungswesen.

Was waren die größten Herausforderungen in der Gründungsphase?

Die finanziellen Mittel für die Prototyperstellung zu beschaffen, war sicherlich bisher eine der größten Herausforderungen. Ansonsten empfinde ich eine Gründung vielmehr als einen großen Berg an Aufgaben, den es abzuarbeiten gilt. Auf Vorkommnisse flexibel zu reagieren und ggf. Alternativen zu finden, gehört automatisch dazu.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Unternehmen aus und wie wollen Sie diese meistern?

Wir wollten ursprünglich im Frühjahr 2020 gründen, aber durch den Corona-bedingen Börsencrash im März 2020 konnte einer unserer Business Angels die gegebene Finanzierungszusage nicht einhalten. Daher mussten wir uns neu aufstellen und hatten ein halbes Jahr Verzögerung.

Da wir ohnehin vorerst virtuell aus dem Home-Office arbeiten, haben die Beschränkungen in der Pandemie kaum Auswirkungen. Auch die Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit mit Investoren, Partnern und potenziellen Kunden funktioniert dank Zoom, Teams & Co. problemlos und spart sogar die Reisezeiten.

Für unser Produkt ist der durch die Krise ausgelöste Digitalisierungsschub eher positiv, schließlich geht es im Kern darum, Verträge online zu verhandeln und abzuschließen. Die Notwendigkeit dazu ist durch Home Office und Remotearbeit deutlich gestiegen. Gleichzeitig erhöht es für uns den Druck, endlich auf den Markt zu kommen.

Ein Unternehmen zu gründen und zu expandieren kostet Geld. Wie finanzieren Sie sich?

Bis zur Gründung haben wir vor allem nebenberuflich unsere Arbeitsleistung eingebracht. Die Gründung und den Prototyp haben wir aus eigenen Mitteln und mit Hilfe zweier Business Angels finanziert. Für die nächste Phase haben wir Fördermittel beantragt und sind in Gesprächen mit Investoren.

Ist für Sie eine Partnerschaft mit Venture-Kapitalgebern eine Option?

Für ein Projekt wie Vertragswerk benötigt man externe Kapitalgeber, um die Anfangsinvestitionen in das Produkt und den Marktangang zu finanzieren.

Wir sind auf der Suche nach Investoren, haben aber eine Besonderheit: Durch die Gründung unseres Unternehmens in Verantwortungseigentum stehen zwei Dinge unveränderlich in der Satzung: Erstens können Gewinne nicht dauerhaft und unbegrenzt an die Gründer oder Investoren ausgeschüttet werden und zweitens ist das Unternehmen nicht verkäuflich, es gibt daher keine potenziellen Exit-Erlöse.

Das bedeutet: Wir können und wollen mit Investoren zusammenarbeiten und ihnen auch eine risikoangemessene Rendite für ihr Investment bieten. Der VC auf der Suche nach dem nächsten Einhorn ist allerdings nicht der richtige Partner für uns, weil wir die Rendite- oder Exit-Erwartungen nicht erfüllen können. Zum Glück gibt es eine wachsende Szene von Investoren, denen die Mission und der gesellschaftliche Mehrwert eines Unternehmens wichtiger ist als die Maximierung von Renditen.

Welchen Tipp möchten Sie an andere Gründer gerne weitergeben?

Ich habe neulich ein schönes Zitat gelesen: Ein Start-up ist nicht genau die „eine“ Idee. Ein Start-up entsteht aus 10.000 Ideen, 100.000 Entscheidungen und 1 Million Kopfschmerzen. Eine der wichtigsten Entscheidungen ist die für das richtige Team. Man sollte sich frühzeitig im Team offen und ehrlich gegenseitig klar machen, was die jeweiligen Ziele sind, und das dann auch möglichst verbindlich festhalten.

Hat jemand eine bestimmte Mission, einfach nur Spaß am Gründen oder will nur ganz schnell reich werden? Diese Ziele müssen zueinander passen, sonst sind Konflikte vorprogrammiert.

Ist Ihr Team bereits vollständig oder suchen Sie aktuell noch freie und/oder feste Mitarbeiter?

Um die anstehenden Aufgaben der nächsten Monate zu bewältigen, brauchen wir auf jeden Fall Verstärkung.

Für die Produktentwicklung werden wir Softwareentwickler und DevOps-Spezialisten brauchen. Fürs (Online-)Marketing suchen wir noch eine versierte Fachkraft. Wir planen bis Jahresende mit vier zusätzlichen Mitarbeitern, idealerweise als Festanstellungen, im Einzelfall für temporäre Aufgaben oder mit speziellen Skills auch gern mit Freelancern.

Warum sollten Fach- und Führungskräfte sich bei Ihrem Unternehmen bewerben?

Bei und mit uns können Menschen ihre Ideen einbringen und umsetzen. Wir lieben und leben den gemeinsamen Austausch, es gibt keine Rangordnung oder Höhergewichtung – die besten Vorschläge sollen umgesetzt werden. Außerdem gibt es bei uns freie Arbeitsplatzwahl: Egal ob jemand auf den Bahamas oder in Island arbeiten möchte  – es ist nur eines Tages zu erwarten, dass wir zu einem Teamevent da auftauchen.

Bei einem Unternehmen in Verantwortungseigentum besteht die Möglichkeit für die Leistungsträger, in den Kreis der Gesellschafter aufzurücken. Damit besteht die Chance, unternehmerische Verantwortung für die weitere Gestaltung der gemeinsamen Mission zu übernehmen.

Stellen Sie sich vor, Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister. Was würden Sie sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland bei ihm wünschen?

Definitiv weniger Bürokratie und eine modernere Verwaltung. Ansonsten würde ich mir generell wünschen, dass Unternehmertum – egal ob in Form von Soloselbständigen, Start-up-Gründern oder etablierten Mittelständlern – wieder mehr Wertschätzung in unserem Land erfährt.

Was diesem Land fehlt, ist eine gemeinsame Vision: Wo wollen wir hin, wie sollen unsere Gesellschaft und Wirtschaft in 10 oder 20 Jahren aussehen? Um jeden Preis das Bestehende bewahren, unter Verweis auf die Arbeitsplätze, kann keine Lösung sein. Wir hätten die Chance, mit einer digitalisierten Wirtschaft auf Basis nachhaltigen Wirtschaftens und erneuerbaren Energien ein neues Wirtschaftswunder zu schaffen. Aber dazu muss die Politik – nicht nur der Wirtschaftsminister – es schaffen, die Menschen mitzunehmen und die Voraussetzungen bieten, beispielsweise auch im Bildungswesen.

Welche Person hat Sie in der Gründungs- und Wachstumsphase besonders unterstützt? Bei wem möchten Sie sich bedanken?

Sehr viele Menschen haben zum bisherigen Weg beigetragen. Das beginnt bei meiner Frau und Familie, ohne deren Unterstützung und Verständnis es schwer wäre. Ohne passende Mitgründer hätte ich vielleicht schon längst das Handtuch geworfen. Manchmal ist es der entscheidende Kontakt von Kollegen oder Bekannten, der über Umwege zum nächsten Finanzierungsbaustein führt. Oder der eine Tipp im Gespräch, der die Geschäftsidee entscheidend weiterbringt.

Wenn es konkrete Personen sein sollen, dann sind es unsere beiden Business Angels. Sie haben in einer ganz frühen Phase an die Idee und das Team geglaubt und nicht nur Geld, sondern auch ihre Erfahrungen und ganz viel Vertrauen investiert.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal zum Dinner gehen und warum?

Nach 3 Monaten virtuelles Arbeiten würde es mir schon reichen, wenigstens mein Team mal wieder persönlich zu treffen. Aber ansonsten finde ich zum Beispiel den Autor und Speaker Gunter Dueck sehr spannend. Seine Sicht auf die Welt aus seinen Büchern und Vorträgen gäbe sicher genug Stoff für spannende und inspirierende Diskussionen.

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