Markus Krampe, Co-Founder von Talk’n’Job

„Gründer sollten konsequent umsetzen und nicht gierig werden”

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Markus Krampe ist Co-Founder von Talk’n’Job, einer sprachgeführten Chat-Bewerbung über das Handy. Er berichtet im Gründerporträt über seine Vision, dass eine Sprachbewerbung die erste tatsächliche B2C-Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) für jeden Nutzer sein könnte. Mittlerweile sind er, sein Co-Gründer und sein Team der Überzeugung, dass sie neue Technologien, wenn diese einfach genug sind, massenkompatibel machen können.

Name: Markus Krampe

Geburtsjahr: 1969

Position: Co-Founder und Geschäftsführer (zusammen mit Philipp Mommsen) von Talk’n’Job

Weitere Gründungen: BHeads GmbH (2013)

Vita:

  • Abschluss in Betriebswirtschaft am ESB Reutlingen / CESEM Reims
  • 1997 – 2010 Leitungspositionen im Audit, Expansion, Business Development und Strategie innerhalb der METRO Gruppe, Lidl, SAP und HOLCIM
  • Seit 2011 beschäftigte er sich vor allem mit Startups und neuen Geschäftsmodellen

Lebensmotto: Immer weiter.

Über das Unternehmen

Talk’n‘Job
Bergheimer Str. 147
69115 Heidelberg
Gründungsjahr: 2020
Mitarbeiter: 16
Telefon: +49 6221 187 85 33

Was ist das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens?

Bei Talk’n’Job handelt es sich um eine sprachgeführte Chat-Bewerbung über Handy inkl. automatischer Profilerstellung. Die Anwendung bietet allen Kandidaten die Möglichkeit, ihre Bewerbung auf eine Stellenanzeige direkt und spontan über ihr Smartphone oder ein anderes mobiles Endgerät einzusprechen. Der direkte Benefit von Talk’n’Job ist es, mehr Bewerber zeitgemäß und kostengünstig zu generieren und den Bewerbungsprozess für beide Seiten effizienter zu gestalten.

Basierend auf der Akzeptanz in der Zielgruppe, liegt der aktuelle Fokus auf der Beschaffung von Mitarbeitern im Blue Collar (z.B. Arbeiter, Verkäufer, Pflege, Logistik, Service), aber auch Praktikanten und Azubis.

Erst kommt die Vision, dann die Gründung. Wie sind Sie auf Ihre Geschäftsidee gestoßen?

Wir hatten, getrieben durch die Entwicklung der Spracherkennung und deren Verarbeitung, die Vision, dass eine Sprachbewerbung die erste tatsächliche B2C-Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) für jeden Nutzer sein könnte. Und jeder könnte objektiv über die Qualität entscheiden, da er ja über sich spricht.

Natürlich konnte dies nur eine Vision sein, da die allgemeine Akzeptanz für KI-Anwendungen eher gering ist. Jetzt haben wir bei aber die Überzeugung, dass wir neue Technologien, wenn sie nur einfach genug sind, massenkompatibel machen können. Und der Nutzen bzw. die Motivation für etwas Neues lag auch auf der Hand. Der Fachkräftemangel ist in vielen Berufsgruppen Realität, u.a. im Bereich der einfachen Tätigkeiten. Und entsprechend sind Unternehmen auf der Suche nach komplementären, unkomplizierten Bewerbungswegen, um ihren Bedarf zu decken. Somit ist der Rest schnell erzählt. Wir haben die Dinge in unserer Lösung berücksichtigt, die benötigt werden und haben konsequent auf alles andere verzichtet.

Neben einer guten Idee spielt auch die Team-Zusammensetzung oft eine entscheidende Rolle. Wie setzt sich das Team bei Ihnen zusammen?

Das Team ist ein guter Mix aus erfahrenen Führungspersonen aus verschiedenen Branchen und jungen Kollegen. Die leitenden Personen sind vor allem für die Struktur und die Prozesse zuständig. Dabei ist es ein bunter Mix aus ehemaligen Personal-, Strategie- und Marketingleitern großer Unternehmen. Philipp und ich bringen die Gründererfahrung mit.

Da wir aber gezielt die digitalaffinen Bewerber ansprechen und auch sonst eher neue Wege gehen möchten, benötigen wir den Input unserer jungen Mitarbeiter. Diese verstehen, wie die neuen Generationen denken und wie man diese ansprechen sollte.

Generell gilt bei uns der Spruch: Put the right people on the bus. Alle müssen motiviert sein und sich bereit zeigen, auch überall anzupacken.

Die Gründer von Talk’n’Job, Markus Krampe und Philipp Mommsen

Die Gründer von Talk’n’Job, Markus Krampe und Philipp Mommsen (von links).

Wie differenzieren Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Talk’n’Job unterscheidet sich vor allem dadurch, dass die Lösung sehr einfach für Bewerber und Unternehmen ist und schnell zum Einsatz kommen kann.

Ansonsten besteht Wettbewerb in dem Sinne nicht, da Talk’n’Job als Add-on in alle bestehenden Lösungen (Stellenanzeige, Social Media, Bewerbermanagementsystem) integriert werden kann. Durch den zusätzlich angebotenen Bewerbungskanal werden vor allem die Conversion und somit die Effektivität bestehender Lösungen verbessert.

Was war Ihre Motivation Unternehmer zu werden?

Es war nicht geplant, sondern hat sich, wie fast alles, ergeben.

Welche unternehmerischen Ziele haben Sie für die nächsten 3 Jahre?

Wir möchten mittelfristig mit Talk’n‘Job in Europa vertreten sein und als marktführende Marke für Sprachbewerbung stehen.

Was waren die größten Herausforderungen in der Gründungsphase?

Wir mussten uns praktisch seit Beginn mit der Corona-Krise auseinandersetzen. Und das hat sich natürlich auf unseren Zeitplan und die Finanzierung ausgewirkt. Dennoch konnten wir uns ganz gut arrangieren und sehen diese Herausforderung eher als Chance.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Unternehmen aus und wie wollen Sie diese meistern?

Generell hat Corona die Umsatzentwicklung natürlich beeinflusst, da die Investitionsbereitschaft, insbesondere im Mittelstand, doch signifikant zurückging. Einige große Unternehmen wie z.B. REWE Group, Würth, B.Braun denken allerdings schon an die Zeit danach und konnten in unserem Kundenkreis begrüßt werden.

Aber natürlich mussten wir unsere Strategie ändern und haben daher Entwicklungen für die Verbreiterung unseres Vertriebskanals vorgezogen. Dazu gehört auch die Internationalisierung, die sich aktuell ganz opportunistisch am Öffnungsgrad der einzelnen Länder orientiert.

Ein Unternehmen zu gründen und zu expandieren kostet Geld. Wie finanzieren Sie sich?

Finanziert haben wir uns am Anfang größtenteils aus eigener Tasche. Als erster Seed Investor stieß Daniel Papst, ein Patentanwalt aus St. Georgen, dazu. Anfang 2021 haben wir dann eine Eigenkapital-Runde mit Companisto abgeschlossen.

Ist für Sie eine Partnerschaft mit Venture-Kapitalgebern eine Option?

Für ein schnelles Wachstum ist Venture Capital eine Grundvoraussetzung. Der erste Schritt in diese Richtung wurde mit Companisto auch schon bewusst getan. Aber dafür müssen dann auch die Zahlen stimmen.

Welchen Tipp möchten Sie an andere Gründer gerne weitergeben?

Gründer sollten einfach denken, konsequent umsetzen und nicht gierig werden.

Ist Ihr Team bereits vollständig oder suchen Sie aktuell noch freie und/oder feste Mitarbeiter?

Da es nach dem Lockdown hier in Deutschland erst richtig los geht, sind wir immer auf der Suche nach motivierter und qualifizierter Unterstützung.

Warum sollten Fach- und Führungskräfte sich bei Ihrem Unternehmen bewerben?

Wir bieten unseren Mitarbeitern von Tag 1 sehr viel Verantwortung und eine gute Portion an Selbstständigkeit. Dementsprechend steil ist auch die Lernkurve bei uns. Bei uns existieren keine Hierarchien, stattdessen bieten wir komplette Transparenz. Nur so können unsere Mitarbeiter sich entfalten und neue Ideen generieren. Im Gegensatz erwarten wir nur, dass unsere Mitarbeiter eine gewisse Leidenschaft für das Thema, sowie Motivation mitbringen.

Stellen Sie sich vor, Sie treffen den Bundeswirtschaftsminster. Was würden Sie sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland bei ihm wünschen?

Ich hatte schon mit seinem Staatssekretär, der vor einem Jahr im Co-Working zu Gast war, gesprochen. Dabei kam er auf das Thema Förderung zu sprechen. Meine Antwort damals war, dass wir keine Zeit dafür hätten, da die Wege zu kompliziert und vor allem viel zu lang seien. Und damit hatte ich nicht gemeint, dass wir uns keine Unterstützung wünschen würden.

Welche Person hat Sie in der Gründungs- und Wachstumsphase besonders unterstützt? Bei wem möchten Sie sich bedanken?

Drei Personen und Organisationen: Daniel Papst, dessen Vertrauen und die finanzielle Mittel den schnellen Start ermöglicht haben. Der HR-Abteilung der REWE Group, mit der wir wirklich partnerschaftlich das Produkt verfeinert haben. Der Insinno GmbH, die mit uns unglaublich kundenorientiert und schnell die Produkte entwickelt.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal zum Dinner gehen und warum?

Ich würde mich gerne mit erfolgreichen Self-made Unternehmern, die sich selbst nicht zu wichtig nehmen, zum Kaffee/Bier treffen und in lockerer Atmosphäre Erfahrungen austauschen.

 

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