Gründer der Start-ups RRive

Jan Loescher: „Mich reizt die Freiheit als Unternehmer“

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Im Gespräch mit Jan Loescher, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter von der App RRive, die als Vermittler von Mitfahrgelegenheiten fungiert. Das Besondere an ihr: sie ist für Kurzstrecken einsetzbar - denn üblicherweise waren bisher alle Mitfahrangebote der Mitbewerber für Langstrecken vorgesehen. Bei RRive können sich Mitfahrer beispielsweise in bereits laufende Fahrten einbuchen.

Name: Jan Loescher

Geburtsjahr: 1998

Position: Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von RRive

Vita:

  • Halb deutscher, halb Franzose, geboren in Paris
  • Aufgewachsen in Brüssel
  • 2016 Abitur in der Europäischen Schule Brüssel
  • 2016 Beginn meines B.Sc. Informationsmanagement Studiums an der Universität Koblenz Landau
  • 2018 – 2021 Nebentätigkeit im Einzelhandel
  • Ende 2019 Teambildung und Entwicklungsbeginn der Idee, die RRive werden würde
  • März 2021 Gründung der GmbH

Lebensmotto: „Sag niemals „nie“

Über das Unternehmen

RRive
Universitätsstraße 3,
56070 Koblenz
Gründungsjahr: 2021
Telefon: +4915158365353

Was ist das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens?

RRive ist eine App, welche als Vermittler von Mitfahrgelegenheiten fungiert. Sie revolutioniert damit auf eine innovative Art die Mobilität in sowohl dicht als auch weniger dicht besiedelten Gebieten.

Einzigartig ist dabei die Simplizität, die Spontanität, die Flexibilität, der Komfort und die Erschwinglichkeit bei der Inanspruchnahme der Vermittlung durch RRive. Fahrten müssen nicht mehr langfristig geplant und als Inserat eingestellt werden. Stattdessen werden die Fahrten mithilfe von KI und einem integrierte Navigationssystem allein durch die Nutzung der App in Echtzeit geplant und automatisch inseriert. Dadurch können sich Mitfahrer beispielsweise in bereits laufende Fahrten einbuchen.

Durch diese Eigenschaften von RRive wird die Hemmung sowohl vor der Nutzung von Mitfahrgelegenheiten als auch vor dem Anbieten von Mitfahrgelegenheiten gesenkt. RRive kann hierdurch ein breites Angebot an Fahrern und Mitfahrern anbieten und damit sogar Fahrten zum Supermarkt, der Universität oder dem Fitnessstudio vermitteln. Mit Hilfe von RRive werden zukünftig Autos stehen gelassen, Fahrten geteilt und ein Betrag für die Umwelt geleistet. Durch die verwendete Technologie lassen sich außerdem erwartetes Fahrtenaufkommen als auch Wartezeiten prognostizieren und diverse Sicherheitsfeatures sorgen für eine verlässliche und vertrauenswürdige User-Community.

Erst kommt die Vision, dann die Gründung. Wie sind Sie auf Ihre Geschäftsidee gestoßen?

Gestoßen bin ich auf die Idee, als ich – wie so oft – mit dem Auto in die Uni fuhr, und mir dabei 50 Kilometer lang ein Auto folgte, welches zum Schluss auch noch auf den Uniparkplatz abbog. Als ich dann versuchte, nach erfolgreicher Kontaktaufnahme mit dieser Person eine Fahrgemeinschaft zu bilden, merkte ich wie unglaublich zeitintensiv Mitfahrgelegenheiten doch sind.

Die Vision war eine ganz simple. Die Erarbeitung des Geschäftsmodells hingegen war ein langwieriger Prozess, der sich jedoch gelohnt hat. Wir haben Stärken und Schwächen der Alternativen analysiert und Ansätze gesucht, mit denen wir erstmals den ländlichen Markt abdecken könnten. Heraus kam unsere Geschäftsidee, welche seitdem vielfach verfeinert wurde. Der ursprünglichen Vision blieb sie jedoch immer treu.

Neben einer guten Idee spielt auch die Team-Zusammensetzung oft eine entscheidende Rolle. Wie setzt sich das Team bei Ihnen zusammen?

Das aktuelle Team setzt sich aus drei Gründern und zwei Mitarbeitern zusammen. Nicht nur die Kombination der Gründer ist wichtig, die ersten Mitarbeiter sind ebenfalls maßgeblich am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Deshalb ist es unumgänglich, sein Team mit Bedacht zu wählen und jeden Euro in die richtigen Persönlichkeiten zu investieren.

Meine zwei Mitgründer Felix Bonn (COO) und Marin Althuis (CTO) haben Qualifikationen und Expertise sowie Charakterzüge in Bereichen, in denen ich selber nicht ausreichend liefere. Gemeinsam sind wir in der Lage, jede Hürde zu bewältigen. Hinzu kamen neuerdings zwei weitere Entwickler, um Marin etwas zu unterstützen.

Wie differenzieren Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Wir differenzieren uns in vielen Arten, hauptsächlich jedoch im Ansatz. Bisher waren alle Mitfahrangebote für Langstrecken, da der Aufwand für kurze Strecken zu hoch war, um diese im Alltag anzubieten. Das ist der größte Unterschied: Wir visieren eben diese kurzen Strecken mit RRive an. Uns ist es wichtig, einen wahren Unterschied im Alltag der Menschen zu ermöglichen. Sei es durch neugewonnene Mobilität oder durch drastische Reduzierungen an CO2 ausstoßen. Doch an diese Strecken hat sich bisher keiner getraut. Durch einige Features machen wir das ganze erstmals möglich. Wir setzen auf moderne Algorithmen, um die Planungsarbeit für Fahrer und Mitfahrer erheblich zu reduzieren. Bei RRive müssen beispielsweise keine Inserate erstellt werden. Somit ist es möglich, spontan RRive zu nutzen und auch auf kurzen Strecken Mitfahrer zu finden. Wie das ganze genau funktioniert kann man auf unserer Webseite oder unseren Social-Media-Kanälen (z.B. Youtube) herausfinden.

Was war Ihre Motivation Unternehmer zu werden?

Ich wollte schon immer Unternehmer werden. Die Frage war eher, womit. Mich reizt die Freiheit und die Eigenständigkeit als Unternehmer, doch am allermeisten die Unendlichkeit der Möglichkeiten, hinsichtlich der Arbeitsart und auch hinsichtlich des wirtschaftlichen Erfolges. Zwar hat mich nie das untergeordnete Arbeitsverhältnis als solches gestört, es fühlte sich jedoch schnell so an als wäre man in seinem Job gefangen, als wäre das größte, was man nun noch erreichen könnte, eine Beförderung in den nächsten 5 Jahren. Diese (gefühlte) Aussichtslosigkeit war die größte Motivation eben etwas zu machen, bei dem es keine Grenzen gibt.

Ebenso wollte ich mit meiner Arbeit etwas bewirken, sei es im Alltag der Menschen um mich herum oder auch für eine bessere Welt, wie man so schön sagt. Das Gefühl hat man in der x-ten Abteilung eines Riesenkonzerns einfach nicht.

Welche unternehmerischen Ziele haben Sie für die nächsten 3 Jahre?

Ich möchte mit meinem Team die App auf den Markt bringen und den Durchbruch zur kritischen Masse schaffen, ein Team an talentierten, lebensfreudigen Mitarbeitern aufbauen und diesen sicheren Arbeitsplätzen bieten und vielleicht sogar gegen Ende der 3 Jahre auch nationale Grenzen mit unserer Dienstleistung überschreiten.

Was waren die größten Herausforderungen in der Gründungsphase?

Es gibt unzählige Herausforderungen beim Gründen eines Unternehmens an die man vorher nie gedacht hätte. Beispielsweise erfährt man in der Vorgründungsphase oft nur Kritik und selten Zuspruch. Risikokapitalgeber finden immer einen Grund nicht zu investieren und manchmal fühlt es sich an, als würde jeder versuchen den Erfolg zu verhindern. Das nagt am Selbstbewusstsein, jedoch darf man nie den Mut verlieren. Andere Herausforderungen sind auch das Team Building und die Arbeitsmotivation. Meist arbeitet man Monate, wenn nicht sogar jahrelang, ohne die Sicherheit zu erhalten, das Ganze nicht umsonst zu tun. Man arbeitet an einem Traum und das sorgt oft für Spott. Zu behaupten, dass es sich am Ende immer wirtschaftlich rentiert, ist auch eine Lüge, da die meisten Gründungen sehr früh scheitern und das Produkt oder die Dienstleistung nie auf den Markt kommt.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Unternehmen aus?

Die Corona Krise macht es natürlich vielen Branchen schwer. Startup Events, Workshops, und so weiter sind online einfach schwieriger. Doch jede Krise bringt auch Chancen mit sich und so haben wir versucht, die aktuelle Pandemie so gut es geht zu unserem Vorteil zu nutzen. Zusammenfassend kann man sagen, dass uns die Pandemie zwar ausgebremst hat, das jedoch im Nachhinein schon fast zu unserem Vorteil herauskristallisiert hat.

Ein Unternehmen zu gründen und zu expandieren kostet Geld. Wie finanzieren Sie sich?

Anfangs haben wir alles privat bezahlt, mit dem bisschen, was wir als Studenten noch dafür über hatten. Ende 2020 haben wir dann eine Crowdfunding Kampagne erfolgreich beendet, von welcher wir aktuell unsere Kosten finanzieren. Natürlich wird das aber nicht lange reichen.

Ist für Sie eine Partnerschaft mit Venture-Kapitalgebern eine Option?

Auf jeden Fall. Wir sind aktuell auf der Suche nach einem VC Investor, welcher uns die restliche Entwicklung vereinfachen könnte. Ohne externes Kapital ist so ein Projekt nicht zu machen.

Welchen Tipp möchten Sie an andere Gründer gerne weitergeben?

Natürlich ist es wichtig, optimistisch zu bleiben und die Motivation nicht zu verlieren. Doch wenn man so lange an einem Projekt arbeitet, fängt man an den Bezug zur Realität zu verlieren. Es werden Fakten verdreht und ignoriert. Daher mein Tipp: motiviert bleiben, jedoch die Situation objektiv und realistisch betrachten. Ein Projekt sollte nicht aus Trotz durchgezogen werden, wenn alles dagegenspricht. Dann eher am Businessmodel feilen und regelmäßig Hypothesen überprüfen.

Ist Ihr Team bereits vollständig oder suchen Sie aktuell noch freie und/oder feste Mitarbeiter?

Aktuell suchen wir zwar keine neuen Mitarbeiter, jedoch könnte sich das bald ändern. Sobald wir die Kapazitäten ausbauen können, werden wir dies tun.

Die Gründer von RRive: Felix Bonn, COO, Jan Loescher, CEO, Marin Althuis, CTO.

Warum sollten Fach- und Führungskräfte sich bei Ihrem Unternehmen bewerben?

Wir sind ein sehr junges Startup und bieten dementsprechend sehr attraktive Arbeitsverhältnisse sowie Aufstiegschancen, die man in größeren Unternehmen nicht findet. Außerdem verfolgen wir eine wichtige Mission und sind davon überzeugt, die richtigen Werte zu vertreten.

Stellen Sie sich vor, Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister. Was würden Sie sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland bei ihm wünschen?

Am ehesten würde ich es mir wünschen, ein Startup freundliches Klima in Deutschland zu schaffen. Es sollte unkomplizierte Hilfe geben, nicht nur finanziell, sondern auch Coaching und Expertise. Doch alles, was wir fanden, war mit unglaublich hohem Bürokratieaufwand verbunden. Kein Startup hat die Ressourcen, solche Bewerbungen regelmäßig abzuschicken, geschweige denn überhaupt alle nötigen Informationen liefern zu können. Programme wie EXIST sind einfach viel zu kompliziert. Das sollte sich dringend ändern, um das Klima in Deutschland zu ändern. Startups von heute sind die Hoffnungsträger der Wirtschaft für morgen.

Welche Person hat Sie in der Gründungs- und Wachstumsphase besonders unterstützt? Bei wem möchten Sie sich bedanken?

Mich haben viele Menschen unterstützt. In erster Linie stärkt man sich natürlich Team intern und motiviert sich gegenseitig. Aber auch mein Umfeld wie Freunde, Familie oder Partnerin haben mir meinen Weg ermöglicht, mich unterstützt, motiviert und mit mir über mein Vorhaben reflektiert. Für mich – und ich denke für jeden Gründer – ist das unheimlich wichtig.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal zum Dinner gehen und warum?

Es gibt viele Menschen, die ich bewundere. Ich denke aber, ich würde mit Frank Thelen essen gehen. Er macht vieles richtig und inspiriert viele, ich denke er könnte mir persönlich aber auch mir als Geschäftsführer vieles mit auf den Weg geben.

Foto/Thumbnail: ©istockphoto/Youngoldman

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