Freelancer in Deutschland: Fast die Hälfte denkt ans Auswandern
KI-Kompetenz geht verloren

Freelancer in Deutschland: Fast die Hälfte denkt ans Auswandern

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Zahlreiche hochqualifizierte Freelancer im Bereich Künstliche Intelligenz ziehen einen Wegzug aus Deutschland in Betracht. Die Gründe reichen von steuerlichen Nachteilen bis hin zu politischen Hürden. Die Folge: Deutschland droht wichtige digitale Innovationstreiber zu verlieren -  dies zeigt eine aktuelle Umfrage. 

Zusammenfassung

  • 48 Prozent der Freelancer im deutschsprachigen Raum denken über Auswandern nach
  • Hauptgründe: bessere Lebensbedingungen, steuerliche Vorteile, die hiesige Politik und weniger Bürokratie
  • 93 Prozent der Auswanderungswilligen arbeiten mit KI – Deutschland verliert seine digitalen Vorreiter

Deutschland könnte im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) eine führende Rolle einnehmen – doch immer mehr Freelancer denken über eine Zukunft im Ausland nach. Laut der von freelancermap durchgeführten Umfrage unter 1.752 Freelancer:innen ziehen 48 Prozent einen Umzug ins Ausland in Betracht. Bereits neun Prozent haben diesen Schritt vollzogen, weitere acht Prozent planen ihn konkret.

Im Vergleich zum Vorjahr gibt es zwar eine leichte Verbesserung: 2024 hatten noch 54 Prozent über einen Wegzug nachgedacht und 14 Prozent konkrete Pläne. Dennoch bleibt die Abwanderung ein drängendes Thema, insbesondere da Freelancer als wichtige Innovationstreiber in der digitalen Transformation gelten.

Hohes KI-Know-how bei Auswanderungswilligen

Besonders kritisch ist die Situation für den KI-Sektor. Laut dem Freelancer-Kompass 2025 setzen sich 77 Prozent der befragten Selbständigen mit KI-Tools auseinander – bei den auswanderungswilligen Freelancern liegt dieser Anteil sogar bei 93 Prozent. Damit droht dem Innovationsstandort Deutschland der Verlust einer besonders zukunftsrelevanten Fachgruppe.

Derzeit arbeiten noch rund 77 Prozent der befragten Freelancer für Kunden in Deutschland. 18 Prozent geben an, aktuell kein Projekt zu haben, während sechs Prozent überwiegend für internationale Kunden tätig sind.

Lebensqualität und Steuern als Hauptgründe für den Wegzug

Die Motive für eine Auswanderung sind vielschichtig. An erster Stelle steht mit 42 Prozent der Wunsch nach besseren Lebensbedingungen im Ausland. Steuerliche Vorteile (38 Prozent) und politische sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen (37 Prozent) folgen dicht dahinter. Auch eine geringere Bürokratie (34 Prozent), weniger Gefahr einer Scheinselbstständigkeit (25 Prozent) und bessere berufliche Perspektiven (20 Prozent) spielen eine Rolle.

Ruf nach politischer Unterstützung

Thomas Maas, CEO von freelancermap, fordert ein Umdenken in der Politik: „Wenn fast jeder zweite Freelancer darüber nachdenkt, Deutschland zu verlassen, ist das kein individuelles Problem mehr, sondern ein strukturelles Versagen.“ So Maas weiter: „Freelancer wollen arbeiten, gestalten, mit KI vorangehen. Aber sie stoßen auf politische Hürden, wo eigentlich Rückenwind nötig wäre. Dabei ist Freelancing nicht weniger als ein Zukunftsmodell und Innovationsbringer. Wir müssen es ermöglichen, das genau diese Menschen, die Verantwortung übernehmen, sich weiterbilden, Innovation leben, dass auch in Deutschland tun können.“

Positive Tendenz bleibt fragil

Immerhin: Der Anteil derjenigen, die eine Auswanderung kategorisch ausschließen, ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen – von 22 auf 35 Prozent. Dennoch bleibt die Situation angespannt, da strukturelle Probleme wie Steuerlast, Rechtsunsicherheit und fehlende politische Visionen bestehen bleiben. Ohne gezielte Maßnahmen droht Deutschland, gerade im Zukunftsfeld KI, weiter an Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen.

Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen.

Bildnachweis: Depositphotos.com/AndreyPopov

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