Frederick Jahn, Gründer Centinel Analytica

„Theoretische Annahmen lassen sich nur durch reale Nutzung validieren“

Am

Im Interview spricht Frederick Jahn, CTO und Co-Founder von dem Technologie-Startup Centinel Analytica, darüber, warum sich digitale Geschäftsmodelle erst im realen Einsatz bewähren, wie automatisierter Zugriff durch Bots und KI-Crawler Inhalte und Märkte verändert und weshalb technologische Kontrolle und Transparenz im KI-Zeitalter zu zentralen Erfolgsfaktoren werden.

Als Mitgründer von Centinel Analytica verantwortet Frederick Jahn die Entwicklung von Softwarelösungen, mit denen automatisierte Zugriffe auf digitale Inhalte – etwa durch Bots und KI-Crawler – erkannt, gesteuert und reguliert werden können. Foto: Centinel Analytica

Name: Frederick Jahn

Titel: CTO & Co-Founder

Vita: Frederick Jahn ist Mitgründer von Centinel Analytica GmbH, einem in Berlin ansässigen Technologieunternehmen, das sich auf den Schutz digitaler Inhalte vor automatisiertem Zugriff und nicht autorisierter Nutzung durch Bots und KI-Crawler spezialisiert hat. Bereits früh beschäftigte er sich intensiv mit Web-Technologien, Automatisierung und der Frage, wie sich offene Infrastrukturen resilient gestalten lassen.

Vor der Gründung von Centinel sammelte er praktische Erfahrung in der Entwicklung und Analyse komplexer Web-Systeme sowie in der Auseinandersetzung mit automatisiertem Traffic, Scraping-Mechanismen und Sicherheitsarchitekturen, in Konzernen wie SAP oder KPMG.

Mit Centinel verfolgt er das Ziel, insbesondere europäischen Medienhäusern und Plattformen wieder technische Kontrolle über ihre Inhalte zu geben und damit die Grundlage für faire Nutzung, Transparenz und neue Erlösmodelle im KI-Zeitalter zu schaffen.

Lebensmotto: Verstehen, bevor man skaliert.

Zusammenarbeit mit Medienhäusern

Onpulson: Was ist das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens?

Frederick Jahn: Centinel entwickelt Softwarelösungen zur Erkennung, Steuerung und Durchsetzung von Regeln gegenüber automatisiertem Zugriff auf digitale Inhalte, insbesondere durch Bots und KI-Crawler. Unsere Kunden sind vor allem Medienhäuser und digitale Plattformen, die ihre Inhalte schützen, Nutzung transparent machen und technische Kontrolle zurückgewinnen wollen.

Das Geschäftsmodell basiert auf B2B-Lizenzen sowie nutzungsabhängigen Modellen, die sich an Traffic-Volumen, Integrationsform und Funktionsumfang orientieren. Ziel ist ein planbares, langfristiges Modell, das sich flexibel an unterschiedliche technische Infrastrukturen anpassen lässt.

Über das Unternehmen

Centinel Analytica GmbH
Schmiedestraße 2A
15745 Wildau
Mitarbeiter: 5

Onpulson: Erst kommt die Vision, dann die Gründung. Wie sind Sie auf Ihre Geschäftsidee gestoßen?

Frederick Jahn: Die Idee entstand aus der Beobachtung, dass Inhalte im Internet zunehmend automatisiert ausgelesen, aggregiert und weiterverwertet werden, ohne dass die Betreiber wirkliche technische Kontrolle oder Transparenz darüber haben. Viele Organisationen verlassen sich dabei auf formale Signale, die in der Praxis kaum durchsetzbar sind.

Hinzu kommt eine persönliche Perspektive: Ich habe selbst Scraper und Bots entwickelt und kenne die Angreiferseite sehr genau. Dieses Verständnis hat mir gezeigt, wie leicht bestehende Schutzmechanismen umgangen werden können. Mit Centinel habe ich bewusst die Perspektive gewechselt – von der Angriffs- zur Verteidigungsseite – um genau diese Lücke zu schließen.

Team ist interdisziplinär

Simeon Räthel und Frederick Jahn (von links) sind die Gründer von dem Technologie-Startup Centinel Analytica. Foto: Centinel Analytica

Onpulson: Wie setzt sich das Team bei Ihnen zusammen?

Frederick Jahn: Unser Team ist interdisziplinär aufgebaut. Es besteht aus operativen Mitarbeitenden mit juristischem Hintergrund, die sich mit regulatorischen Rahmenbedingungen, Nutzungsrechten und Governance-Fragen befassen, sowie aus Engineers mit Schwerpunkt auf Infrastruktur, Security und modernen Web-Technologien. Diese Kombination erlaubt es uns, technische Lösungen nicht isoliert zu entwickeln, sondern sie von Beginn an mit rechtlichen und organisatorischen Anforderungen zusammenzudenken.

Onpulson: Wie differenzieren Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Frederick Jahn: Wir unterscheiden uns vor allem durch die Tiefe unserer technischen Erkennung in Kombination mit einer klaren Governance-Logik. Während viele Lösungen entweder rein technisch oder rein formal arbeiten, verbinden wir beides. Zudem legen wir großen Wert auf europäische regulatorische Anforderungen, Datenschutz und digitale Souveränität. Unsere Systeme sind darauf ausgelegt, sich in bestehende Infrastrukturen einzufügen und konkrete Kontrolle statt bloßer Signale zu ermöglichen.

Onpulson: Was war Ihre Motivation, Unternehmer zu werden?

Frederick Jahn: Schon früh habe ich Software entwickelt, die einfache, konkrete Probleme für Nutzer gelöst hat. Diese direkte Wirkung hat mich stark motiviert. Unternehmertum bedeutet für mich, strukturelle Probleme nicht nur zu analysieren, sondern Verantwortung für deren Lösung zu übernehmen, technisch, organisatorisch und menschlich. Die Möglichkeit, ein Produkt von Grund auf zu gestalten und langfristig Wirkung zu erzielen, war dabei der entscheidende Antrieb.

Onpulson: Welche unternehmerischen Ziele haben Sie für die nächsten drei Jahre?

Frederick Jahn: Ein zentrales Ziel ist der Aufbau eines etablierten europäischen Standards für den Umgang mit KI-Crawlern und automatisiertem Zugriff auf Inhalte. Darüber hinaus wollen wir unsere Lösung gezielt auf weitere Branchen ausweiten, in denen automatisierter Zugriff eine wachsende Rolle spielt, etwa E-Commerce, Hospitality und Banking. Dabei geht es uns nicht nur um Wachstum, sondern um nachhaltige Verankerung unserer Technologie in kritischen digitalen Infrastrukturen.

Hohe Anforderungen der Marktteilnehmer

Onpulson: Was waren die größten Herausforderungen in der Gründungsphase?

Frederick Jahn: Eine der größten Herausforderungen war der parallele Aufbau einer technisch belastbaren Lösung bei gleichzeitiger regulatorischer Einordnung des Themenfelds. Hinzu kam der notwendige Vertrauensaufbau bei großen Marktteilnehmern, die hohe Anforderungen an Stabilität, Sicherheit und Verlässlichkeit stellen. Diese Aspekte gleichzeitig voranzutreiben, erfordert klare Priorisierung und ein sehr fokussiertes Vorgehen.

Onpulson: Wie wirkt sich die momentane wirtschaftliche Krise auf Ihr Unternehmen aus und wie wollen Sie damit umgehen?

Frederick Jahn: Die wirtschaftliche Unsicherheit führt bei vielen Kunden zu längeren Entscheidungsprozessen und einer erhöhten Sensibilität gegenüber Investitionen. Darauf reagieren wir mit klarer Priorisierung, effizientem Ressourceneinsatz und einem starken Fokus auf messbaren, nachvollziehbaren Mehrwert. Gerade in angespannten Zeiten ist es wichtig, den Nutzen einer Lösung klar belegen zu können.

Probleme sollten wirklich verstanden werden

Onpulson: Welchen Tipp möchten Sie an andere Gründer weitergeben?

Frederick Jahn: Gründer sollten Probleme wirklich verstehen, bevor man Lösungen skaliert. Und so früh wie möglich mit echten Nutzern arbeiten. Theoretische Annahmen lassen sich nur durch reale Nutzung validieren

Onpulson: Suchen Sie aktuell Mitarbeiter?

Frederick Jahn: Ja. Wir haben aktuell offene Ausschreibungen für Engineering-Positionen sowie für Rollen im Business Development. Besonders wichtig sind uns Eigenverantwortung, technisches Verständnis und die Bereitschaft, sich in komplexe Themen einzuarbeiten.

Onpulson: Warum sollten Fach- und Führungskräfte sich bei Ihrem Unternehmen bewerben?

Frederick Jahn: Weil sie an einem zentralen Zukunftsthema an der Schnittstelle von Technologie, Medien und Regulierung arbeiten können. Unser Umfeld ist schnelllebig, anspruchsvoll und bietet viel Gestaltungsspielraum sowie hohe Eigenverantwortung.

Onpulson: Was würden Sie sich vom Bundeswirtschaftsminister für den Standort Deutschland wünschen?

Frederick Jahn: Mehr gezielte Fördermöglichkeiten für technologiegetriebene Startups, stärkere Vernetzungsangebote zwischen Wirtschaft, Forschung und Gründern sowie vor allem einfachere, praxisnahe ESOP-Regelungen, um internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Onpulson: Welche Person hat Sie besonders unterstützt?

Frederick Jahn: Meine Mitgründer sowie mehrere Mentoren aus dem Medien- und Technologiesektor, die ihre Erfahrung und Perspektive frühzeitig eingebracht haben.

Onpulson: Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal zum Dinner gehen und warum?

Frederick Jahn: Mit Tim Berners-Lee, dem Begründer des World Wide Webs, um über die Zukunft eines offenen, aber zugleich fairen und nachhaltigen Internets zu sprechen.

Bildnachweis: istockphoto.com/Miodrag Kitanovic

Kommentare

Kommentar schreiben:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Erhalten Sie jeden Monat die neusten Business-Trends in ihr Postfach!
X