„Der Kosovo bietet Unternehmen große Chancen für Wachstum und Innovation“
Der Kosovo gewinnt zunehmend an Bedeutung als Unternehmensstandort. Im Interview erklärt Valentin Brandt, Standortleiter des Technologieunternehmens SELISE Group, warum die Wahl auf den Innovations- und Trainingspark ITP in Prizren fiel, welche Rolle junge Talente spielen und welche Chancen Unternehmen vor Ort erwarten.

Valentin Brandt ist Standortleiter des Schweizer Technologieunternehmens SELISE Group im Kosovo. In Prizren hat es eine Niederlassung vor einiger Zeit eröffnet. Foto: SELISE Group
Onpulson: Herr Brandt, Sie sind Standortleiter des Schweizer Technologieunternehmens SELISE Group, das 2023 im Innovations- und Trainingspark ITP in Prizren eine Niederlassung eröffnet hat. Was waren die wichtigsten Gründe für diese Entscheidung?
Valentin Brandt: Die SELISE Group hat sich bewusst für den Innovations- und Trainingspark ITP Prizren entschieden, weil dort mehrere Faktoren zusammenkommen: Moderne Infrastruktur, ein wachsendes Innovationsökosystem und eine sehr motivierte junge Bevölkerung. Der ITP bietet Unternehmen ein professionelles Umfeld mit bereits über 60 angesiedelten Firmen.
Das Gelände war früher ein KFOR-Stützpunkt der NATO und wurde durch die Regierungen Kosovos und Deutschlands gemeinsam neu konzipiert. Für uns war außerdem wichtig, dass das Gebiet langfristig entwickelt wird und internationale Partner wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) das Projekt begleiten.
Fachkräfte kommen oft aus der Region
Onpulson: Welche Rolle spielen Fachkräfte und Talente aus der Region für den Erfolg der SELISE Group?
Valentin Brandt: Eine entscheidende Rolle. Das Team der SELISE Group im ITP ist innerhalb eines Jahres auf rund 90 Beschäftigte gewachsen – und zwar organisch. Viele der ersten Mitarbeitenden haben weitere Talente aus ihrem Netzwerk empfohlen. Besonders beeindruckend ist die hohe Motivation und Lernbereitschaft der jungen Menschen. Einige haben zuvor in anderen Branchen gearbeitet und konnten durch gezielte Weiterbildung im IT-Support und in der Kundenbetreuung schnell neue Kompetenzen aufbauen.
Onpulson: Herr Brandt, nach einem Sturmschaden musste die SELISE Group kurzfristig neue Räumlichkeiten finden. Welche Chancen haben sich aber dadurch für das Unternehmen ergeben?
Valentin Brandt: Der Sturmschaden stellte uns vor eine neue Herausforderung. Gleichzeitig hatten wir aber nun auch die Möglichkeit, unsere Arbeitsumgebung neu zu denken. Im ITP konnten wir eine über 1.000 Quadratmeter große Halle mit sechs Meter hohen Decken beziehen. Diese ist konsequent im New-Work-Stil gestaltet. Entstanden ist ein offenes, lichtdurchflutetes Büro mit Großraumbereichen, Rückzugszonen und informellen Treffpunkten wie einer Cafébar oder einer Tischtennisplatte.
Uns war wichtig, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die Austausch, Kreativität und Teamarbeit fördert. Das ITP mit seinen großzügigen Flächen ist dafür die ideale Voraussetzung.
Kosovo – ein Land mit Zukunft
Onpulson: Welche Standortvorteile bietet der Kosovo speziell für Unternehmen aus Europa?
Valentin Brandt: Der Kosovo hat mehrere wirtschaftliche Vorteile. Dazu gehören vergleichsweise niedrige Lohn- und Steuerkosten sowie ein modernes Bankensystem. Gleichzeitig sind bürokratische Prozesse deutlich schlanker als in vielen EU-Ländern. Unsere Unternehmensgründung war beispielsweise innerhalb eines Tages abgeschlossen. Für internationale Unternehmen ist das ein großer Pluspunkt.
Onpulson: Ein besonderer Vorteil scheint auch die Mehrsprachigkeit der Mitarbeitenden zu sein. Welche Bedeutung hat das für den Betrieb?
Valentin Brandt: Eine sehr große. Rund 90 Prozent unseres Teams sprechen Deutsch, ein Großteil sogar auf sehr gutem Niveau. Das erleichtert die Zusammenarbeit mit Kunden im deutschsprachigen Raum enorm. Viele Menschen im Kosovo haben familiäre Verbindungen nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz. Diese kulturelle Nähe macht die Zusammenarbeit besonders angenehm.
Wie das ITP Innovation und Zusammenarbeit fördert
Onpulson: Das ITP verfolgt das Ziel ein Innovationsökosystem aufzubauen. Über 60 Unternehmen und Start-ups haben sich bereits angesiedelt. Spüren Sie einen Austausch zwischen den Unternehmen?
Valentin Brandt: Ja, definitiv. Der Park organisiert regelmäßig Networking-Events, Workshops oder Konferenzen. Diese Veranstaltungen bringen Unternehmen, Start-ups und Bildungseinrichtungen zusammen. Wenn es das Tagesgeschäft erlaubt, nutze ich diese Möglichkeiten gerne. Der Austausch kann neue Ideen hervorbringen und Kooperationen anstoßen – genau das macht ein funktionierendes Innovationsökosystem aus.
Außerdem: Das ITP in Prizren ist günstig gelegen – 40 Minuten vom Flughafen in der Hauptstadt Pristina über die Autobahn – Parkplätze gibt es ausreichend direkt vor dem Gebäude. Dies ermöglicht es mir, dass ich bei Bedarf mehrmals pro Monat aus Zürich kommen kann.
Onpulson: Welchen Rat würden Sie Unternehmern geben, die über einen internationalen Standort nachdenken?
Valentin Brandt: Ich würde empfehlen, den Kosovo genauer anzuschauen. Das Land bietet eine junge, motivierte Bevölkerung, gute Bildungsangebote und attraktive wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Gleichzeitig spürt man hier eine große Aufbruchsstimmung. Wer neue Märkte erschließen oder Talente finden möchte, sollte diese Region unbedingt in Betracht ziehen.
Redaktioneller Hinweis: Inhalte und Hintergrundinformationen für dieses Interview wurden von Martina Noltemeier bereitgestellt.
Bildnachweis: istockphoto.com/AnaMOMarques

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