„Schneller zu wachsen und pragmatischer zu handeln, hat uns der Kosovo ermöglicht“
Internationale Entwicklungsstandorte bieten mittelständischen Unternehmen neue Chancen für Wachstum, Effizienz und Innovation. Im Interview erklärt Asmon Hasani, Gründer der Adaptech GmbH, welche Faktoren dabei wichtig sind, wie sich digitale Geschäftsmodelle skalieren lassen – und warum sein IT-Unternehmen dabei gezielt auf den Kosovo setzt.

Asmon Hasani, ist Gründer und Geschäftsführer der Adaptech GmbH, einem IT-Unternehmen, dass mittlerweile im Kosovo einen Entwicklungsstandort eröffnet hat. Foto: Adaptech GmbH
Onpulson-Interview mit Asmon Hasani, Gründer und Geschäftsführer Adaptech GmbH: „Der Kosovo hat uns ermöglicht, schneller zu wachsen und pragmatischer zu handeln.“
Onpulson: Herr Hasani, Sie sind Gründer und Geschäftsführer Adaptech GmbH und sagen: „Der Standort war ein Geschenk“. Was genau macht den Innovation and Training Park ITP in Prizren im Kosovo, wo Sie ein Entwicklungsstandort eröffnet haben, für Sie so besonders?
Asmon Hasani: Das ITP vereint für uns mehrere Vorteile, die man selten in dieser Kombination findet: Moderne Infrastruktur, ein inspirierendes Umfeld und Zugang zu motivierten, jungen Fachkräften. Als wir gestartet sind, fehlten genau solche Strukturen. Mit der Eröffnung des ITP hatten wir plötzlich ein Umfeld, das Innovation fördert und Wachstum ermöglicht. Das rund 40 Hektar große Areal am nordöstlichen Rand von Prizren – ehemals ein Feldlager der KFOR – wurde gezielt für zukunftsorientierte Sektoren wie IT, grüne Technologien und Kreativwirtschaft entwickelt.
Inzwischen sind über 60 Unternehmen und Start-ups auf dem Gelände ansässig. Dies war das tatsächlich wie ein Geschenk für uns, weil wir dort optimale Bedingungen vorgefunden haben, um unser Team aufzubauen und langfristig zu entwickeln.
Vom Fahrschulbetrieb zum IT-Unternehmen
Onpulson: Ihre unternehmerische Reise begann in der Fahrschulbranche. Wie ist daraus ein IT-Unternehmen mit internationalem Entwicklungsstandort entstanden?
Asmon Hasani: Das war ein klassischer Fall von „aus der Praxis für die Praxis“. In meinen eigenen Fahrschulen habe ich früh gemerkt, wie ineffizient viele Prozesse sind. Daraus entstand die Idee, eine eigene Softwarelösung zu entwickeln. Mit Fahrschule.live haben wir 2016 angefangen, interne Abläufe zu digitalisieren. Daraus sind nach und nach weitere Produkte entstanden – etwa TheorieCheck! oder Unterricht.live. Die App TheorieCheck! bereitet Fahrschüler:innen auf die theoretische Führerscheinprüfung vor, die Plattform Unterricht.live, bietet einen digitalen Theorieunterricht.
Irgendwann war durch Fahrschule.live klar: Das ist mehr als nur ein internes Tool. Bereits 2016 ließen wir erste Softwarelösungen im Kosovo entwickeln. Mit der Gründung der Adaptech LLC in Prizren begann die längerfristige Verankerung unseres Unternehmens im Land. Adaptech ist Mitglied der Kosovarisch-Deutschen Wirtschaftsvereinigung (KDWV) mit Sitz in der Hauptstadt Pristina. Die Organisation unterstützt deutsche Unternehmen, die im Kosovo investieren oder sich dort ansiedeln möchten.
Onpulson: Mit Lösungen wie Fahrschule.live und der App TheorieCheck! digitalisieren Sie eine ganze Branche. Welche konkreten Probleme Ihrer Zielgruppe lösen Sie damit?
Asmon Hasani: Wir adressieren vor allem drei zentrale Herausforderungen: Zeitmangel, steigenden Kostendruck und fehlendes betriebswirtschaftliches Know-how. Unsere Software automatisiert viele administrative Prozesse – von der Terminplanung bis zur Buchhaltung. Gleichzeitig schaffen wir Transparenz, etwa beim Lernfortschritt der Fahrschüler. Das hilft unseren Kunden, effizienter zu arbeiten und sich stärker auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren.
Kosovo als IT-Standort: Talente und Potenzial
Onpulson: Viele mittelständische Unternehmen zögern beim Aufbau internationaler Entwicklungsstandorte. Was waren für Sie die entscheidenden Faktoren, sich früh für den Kosovo zu entscheiden?
Asmon Hasani: Für uns waren drei Punkte ausschlaggebend: Zugang zu Talenten, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Flexibilität. Der Kosovo hat eine sehr junge, gut ausgebildete Bevölkerung, die oft mehrsprachig ist. 70 Prozent der Bevölkerung im Kosovo sind unter 35 Jahre alt. Gleichzeitig sind die Kostenstrukturen deutlich attraktiver als in Westeuropa. Und nicht zuletzt sind die Entscheidungswege kürzer und weniger bürokratisch. Schneller zu wachsen und pragmatischer zu handeln, hat uns der Kosovo ermöglicht.
Onpulson: Der Fachkräftemangel ist auch in der IT ein großes Thema. Welche Erfahrungen haben Sie mit der Rekrutierung und Qualifizierung junger Talente im Kosovo gemacht?
Asmon Hasani: Das Potenzial ist enorm, aber man muss investieren. Viele junge Menschen bringen Motivation und theoretisches Wissen mit, aber es fehlt teilweise an praktischer Erfahrung. Deshalb setzen wir stark auf die Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramme des ITPs. Sehr erfolgreich war beispielsweise ein sechsmonatiges, staatlich gefördertes Programm, bei dem wir Talente im Arbeitsalltag begleiten konnten. So entstehen langfristige Mitarbeiterbindungen – und genau das ist entscheidend.
Kosten, Steuern und Standortvorteile
Onpulson: Neben Fachkräften spielen wirtschaftliche Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. Welche konkreten Vorteile bietet der Standort Kosovo aus unternehmerischer Sicht?
Asmon Hasani: Die Kostenstruktur ist sicherlich ein wichtiger Faktor – insbesondere bei Löhnen und Steuern. Aber es geht nicht nur um Kosten. Der Standort bietet auch eine hohe Dynamik, weniger regulatorische Hürden und ein wachsendes Netzwerk an Unternehmen und Institutionen. Organisationen wie die Kosovarisch-Deutschen Wirtschaftsvereinigung (KDWV) mit Sitz in der Hauptstadt Pristina unterstützen zusätzlich beim Markteintritt. Das Gesamtpaket macht den Standort für uns sehr attraktiv.
Onpulson: Welche Empfehlungen würden Sie mittelständischen Unternehmen geben, die über einen internationalen Standort nachdenken – insbesondere im Hinblick auf Skalierung, Kosten und Innovation?
Asmon Hasani: Mein wichtigster Rat – denken Sie langfristig und strategisch – nicht nur kurzfristig in Kosten. Ein internationaler Standort funktioniert dann gut, wenn er in die Gesamtstrategie integriert ist. Gleichzeitig sollte man bereit sein, in Menschen und Strukturen zu investieren. Wer das tut, kann nicht nur Kosten optimieren, sondern auch Innovationen vorantreiben und neue Wachstumschancen erschließen.
Bildnachweis: istockphoto.com/AnaMOMarques

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