Marketing-Geheimwaffe

Unternehmensrekorde öffentlichkeitswirksam vermarkten

Rekord: die meisten innerhalb von drei Minuten aufgestellten und der Reihe nach umgestürzten Pfefferminzbonbon-Spender von Perfetti Van Melle. Foto: ©Guinness World Records

Es liegt in der Natur der Menschen, sich für Superlative und Rekorde zu begeistern und von außergewöhnlichen Leistungen fasziniert zu sein. Das Gefühl der Euphorie, wenn man etwas besser kann als andere, vereint Generationen und Nationen.

Die anstehende Fußball-WM ist ein hervorragendes Beispiel dafür: Die besten Fußballer der Welt treten gegeneinander an, um am Ende mit dem Weltmeistertitel ausgezeichnet zu werden Betrachtet man Weltrekorde aus einer verkaufsorientierten Sicht, muss man sich fragen, warum Unternehmen und Marken diese Form von spielerischem Wettbewerb nicht intensiver für ihre Produktpositionierung und Kommunikation nutzen? Doch bislang scheint ein Rekordversuch zumindest in Deutschland noch eher eine Art Marketing-Geheimwaffe zu sein.

Guiness World Records gilt weltweit als anerkannte Autorität zur offiziellen Abnahme rekordverdächtiger Leistungen. Die Tradition der von dem Londoner Unternehmen registrierten Weltrekorde reicht weit zurück: Seit 1955 veröffentlicht Guinness World Records jedes Jahr sein berühmtes Buch und hat sich inzwischen von einem reinen Verlag zu einem Unternehmen mit vielseitigen Beratungsdienstleistungen für Firmen, Marken und Agenturen entwickelt, die Rekordversuche als stimmige Kommunikationsmaßnahme durchführen möchten.

Deshalb profitieren Unternehmen von Rekorden

Marketingkampagnen leben von Inhalten. Der Anmeldeprozess, die Vorbereitung und schließlich der eigentliche Versuch, einen neuen Guinness Weltrekord aufzustellen oder einen bereits bestehenden zu brechen, bietet viele thematische Anknüpfungspunkte, um relevante und vielseitig verwertbare Inhalte zu erstellen. Dabei sind diverse Anlässe für einen Rekordversuch denkbar – beispielsweise eine Produkteinführung, die Feier eines Firmenjubiläums oder eine Vertriebstagung. So krönte beispielsweise der Elektronikgeräte-Hersteller LG im Jahr 2016 die Markteinführung einer neuen Waschmaschine mit einem Rekordtitel: Um sich vom Wettbewerb abzuheben und zu beweisen, dass es sich wirklich um die vibrationsärmste und leiseste Waschmaschine handelte, entstand das höchste Kartenhaus, das jemals auf einer schleudernden Waschmaschine gebaut wurde. Die Aktion generierte weltweit über 100 Millionen Veröffentlichungen und steigerte die Marken- und Produktbekanntheit somit erheblich.

Rekorde begeistern intern und extern

Ob bei der Mitarbeiterkonferenz oder dem Teambuilding-Workshop – Rekordversuche sind eine gute Möglichkeit, Kollegen für ein gemeinsames Ziel zu begeistern und ihr Engagement zu fördern. Wichtig ist dabei vor allem die Auswahl des Rekordtitels. Dem italienischen Süßwaren- und Kaugummihersteller Perfetti Van Melle beispielsweise gelang 2018 der Rekord für die „meisten innerhalb von drei Minuten aufgestellten und der Reihe nach umgestürzten Pfefferminzbonbon-Spender“. Die Aktion war eine gelungene Überraschung für die Mitarbeiter: Alle konnten sich in die Aktion einbringen, die nicht nur Konzentration und Teamarbeit förderte, sondern außerdem in einem gemeinsamen, durch Spaß beflügelten Erfolgserlebnis resultierte.

So wird Ihr Rekordversuch zum Unternehmenserfolg — auch falls er misslingt:

1. Kampagnenziel definieren

Legen Sie fest, welches Kampagnenziel Sie mit einem Weltrekordversuch erreichen wollen. Je nach Unternehmensbereich kann das ganz unterschiedlich aussehen. Für die Erfolgskontrolle ist außerdem die Definition von Messkriterien wichtig, beispielsweise die Anzahl der Berichterstattungen oder die Mitarbeiterzufriedenheit im Rahmen einer anonymen Umfrage. Ihr unternehmerischer Erfolg liegt weniger darin, ob Sie wirklich einen neuen Rekordtitel aufstellen, sondern ob es Ihnen gelingt, rund um den Rekordversuch spannende Inhalte zu schaffen und diese gezielt zu kommunizieren.

2. Zielgruppe bestimmen

Was für ein Verbraucherpublikum funktioniert, erreicht nicht immer auch Geschäfts- und Fachpublikum. Überlegen Sie genau, für wen Ihr Rekordversuch von Interesse sein soll: Lohnt es sich, auch Ihre Bestandkunden, Zulieferer und mögliche Kooperationspartner zu informieren oder sogar zum Event einzuladen? Ist der Rekordversuch für die Lokalpresse oder Fachmedien interessant? Richtet sich die Aktion in erster Linie an Ihre Mitarbeiter, könnte es eventuell den Teamgeist fördern, auch kürzlich pensionierte Kollegen einzuladen.

3. Herausforderung finden

Ihre Zielgruppe sollte im Mittelpunkt Ihres Rekordversuches stehen. Um einen ansprechenden Rekordtitel zu finden, empfiehlt sich eine ausführliche Analyse ihrer Interessen und Ansprüche. Nur so können Sie sichergehen, dass der von Ihnen gewählte Rekordtitel zu Ihrer Marke und dem festgelegten Kampagnenthema passt. Abhängig von Ihrem unternehmerischen Ziel sollten Sie Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung direkt in den Rekord einbinden. Sie können dabei inhaltlich auch an externe Themen anknüpfen, wie zum Beispiel Weihnachten oder den Valentinstag.

4. Umsichtig planen

Das Aufstellen eines Rekordes sollte gut vorbereitet sein und ist nicht von heute auf morgen umsetzbar. Planen Sie interne Abstimmungsschleifen für Pressemitteilungen, Website-Newstexte und Social Media-Posts ein und stimmen diese im Idealfall im Voraus ab. So stellen Sie sicher, dass die Texte fehlerfrei sind, alle wichtigen Kernbotschaften enthalten und das Bildmaterial stimmt. Am Rekordtag selbst brauchen Sie dann nur noch Zahlen, Zitate und finales Bildmaterial einfügen. Verfassen Sie zur Sicherheit ebenfalls passende Textversionen für den Fall, dass Ihrem Unternehmen kein neuer Rekordtitel gelingen sollte. Auch die offizielle Rekordanmeldung bei Guinness World Records benötigt zeitlichen Vorlauf, denn jeder Rekordtitel basiert auf individuellen Richtlinien, die von Guinness World Records formuliert werden und bindend sind.

5. Kommunikationskanäle festlegen

Berücksichtigen Sie bei der Planung Ihres Rekordversuchs, über welche Medien sich Ihre Zielgruppe informiert. Bei hoher Social-Media-Affinität, sollten Inhalte generiert werden, die dort gut platzierbar sind. Dies kann in Form von Videos, Bildern und Texten geschehen. Sollten Sie an einem hohen Grad der Berichterstattung interessiert sein, informieren Sie Medienpartner frühzeitig über Ihr Vorhaben und lassen Sie diese, falls möglich, an Teilschritten der Rekordplanung teilhaben. Wichtige Informationen, wie die Ankündigung des Rekordversuches, sollten jedoch auch über eigene Kanäle stattfinden, um die Einbindung von Kernbotschaften zu gewährleisten.

6. Content generieren und gestalten

Auch die Vorbereitung und Planung kann für Ihre Zielgruppe spannend sein und sollte deshalb unbedingt gut dokumentiert werden. Halten Sie eventuelle Testläufe und Vorübungen mit der Kamera fest, denn der Weg zum erfolgreichen Rekord ist oft genauso interessant, wie das Endergebnis. Kommunizieren Sie Teilschritte, kleine Erfolge und Statements der Protagonisten über Social Media. Je konstanter Sie Ihre Zielgruppe über die Planung auf dem Laufenden halten, umso leichter kann diese mit Ihnen gemeinsam auf das große Event hinfiebern.

Foto/Thumbnail: ©robuart/Depositphotos.com


Über den Autor Doug Male

Doug Male ist Head of PR und verantwortlich für die B2C- und B2B-PR-Strategie für Guinness World Records. Seine oberste Priorität ist die britische Traditionsmarke in den Bereichen PR und Marketing, Mitarbeiterengagement und Live-Events fit zu machen sowie die Social-Media-affine Generation Z für Weltrekorde zu begeistern. www.guinnessworldrecords.de

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