5 Tipps, damit Frauen erfolgreich im Job sind
Karriere

5 Tipps, damit Frauen erfolgreich im Job sind

Von Dr. Marion Bourgeois
Am

Chancen sehen, sein Leben selber gestalten und für Erfolge trainieren – insbesondere Männern fällt das leichter als Frauen. Umgekehrt brauchen Unternehmen im Zuge von Transformation und Disruption gerade weibliche Kompetenzen, wie die Fähigkeit und Bereitschaft zur Kooperation. Auch wenn man damit Männer und Frauen schnell in bekannte Schubladen stecken – die entscheidende Frage ist: Wie kommen Frauen im Business ans Ziel? Und zwar ohne Quote, dafür authentisch, empathisch und selbstbewusst.

Wenn sich etwas im Leben ändern soll, müssen Sie etwas anders machen als bisher – Frauen müssen in die Selbstverantwortung kommen – das ist Fakt. Ganz nebenbei müssen natürlich auch Unternehmen den Kulturwandel einläuten. Zum Glück spielt dabei die Entwicklung in der Gesellschaft Ihnen zu. Die klassische Karriere ist ein Auslaufmodell. Es gilt umzudenken. Immer mehr Menschen – ob Männer oder Frauen, ob Führungsposition oder nicht – suchen nicht mehr nach Status, Reichtum und anderen Insignien der Macht. Vielmehr geht es heute darum, den Sinn zu entdecken, in dem, was man tut, mit wem und für wen. Im Idealfall lässt sich der eigene Sinn daher auch im Unternehmenszweck wiederfinden.

Von Sinn und Leidenschaft

Trifft man auf motivierte Menschen, weisen diese meist drei Faktoren auf: Erstens haben sie die Möglichkeit, ihren Purpose zu leben, sehen folglich einen Sinn darin, was sie tun. Zweitens haben sie die Mastery, das heißt beherrschen ihr Thema. Und drittens schätzen sie die Autonomy, das, was sie tun, so machen zu können, wie sie es für richtig erachten. Das kommt Frauen zugute – vorausgesetzt, Sie wissen tatsächlich, was Sie wollen und gehen dann strukturiert vor. Folgende fünf ultimative Tipps begleiten Sie auf dem Weg dahin:

1. Von der Unsicherheit zur Klarheit kommen

Sie alle kennen den Moment, wenn jemand auf ein permanentes Geräusch aufmerksam macht. Zum Beispiel das Summen des Kühlschranks. Bis eben haben Sie es nicht einmal wahrgenommen – und ab dem Zeitpunkt können Sie es nicht mehr überhören. So tickt unser Unterbewusstsein. Sie blenden die für Sie nicht wichtigen Dinge einfach aus und sehen nur das, was Ihnen wichtig erscheint.

Wenn Sie auf dem Weg in den Urlaub sind, ist es wichtig, das Navi zu programmieren bzw. in den richtigen Zug zu steigen, das richtige Gate zu finden, damit das Flugzeug Sie in die richtige Richtung befördert. Dafür müssen Sie jedoch vorher festgelegt haben, wo Sie überhaupt hinwollen. Befinden Sie sich in der Mitte von Deutschland, liegt Rom in einer anderen Richtung als Stockholm. Auch im Leben ist es unglaublich wichtig, zuerst zu schauen, wo Sie hinmöchten. Was treibt Sie an? Welche Werte wollen Sie wirklich leben. Was könnte Ihr Ziel – oder zumindest eine Zwischenstation – sein? Dann werden Sie aufmerksam für die Geräusche, die für Sie wichtig sind. Und für die Situationen, in denen Sie Entscheidungen treffen dürfen – manchmal auch müssen –, um Ihr Leben zu formen.

Fest steht: Sie sind die Summe Ihrer Entscheidungen! Um in der jeweiligen Situation, in der Sie sich befinden, die richtigen Entscheidungen zu treffen, helfen folgende Fragen:

  • Was kann ich richtig, richtig gut?
  • Wofür loben mich andere? Wozu werde ich gerne gefragt, ob ich das übernehmen kann? Wann leuchten meine Augen? Wovon berichte ich meinen Freunden am aufgeregtesten?
  • Was ist es, was mir daran Spaß macht?
    Normalerweise sind es die Dinge, die unseren innersten Kern ansprechen, die uns rundum glücklich – und im Idealfall auch erfolgreich machen.
    Was daran ist es genau, was mir Spaß bereitet? Sagt jemand beispielsweise „Gitarre spielen“, müsste er eigentlich Rockstar werden. Oft sind es allerdings die Dinge hinter den Dingen, die uns Freude machen. Die Kreativität, Musik zu erschaffen. Die Gemeinschaft, wenn wir in einer Band spielen. Oder eher das Gegenteil: die Einsamkeit, wenn wir es jeden Abend für uns im Keller ganz alleine tun.
  • Wenn ich mir eine Sache aussuchen dürften, bei der ich nicht scheitern werde – was würde ich tun?
    Oft hindern uns Ängste daran, Dinge anzugehen. Dann denken wir in Aber statt in Wie.
  • Wovor habe ich Angst?
  • Was könnte schlimmstenfalls passieren?

Wichtig ist es, sich regelmäßig Zeit für diese Fragen (und damit sich selbst) zu nehmen. An einem möglichst angenehmen Ort schreiben wir die Antworten auf, die direkt in uns hochsteigen – ohne Anspruch auf „richtig sein“ oder „Sinn ergeben“. Anschließend lesen wir unsere spontanen Antworten noch einmal durch. Und wenn nun eine gute Fee uns HIER und HEUTE einen Wunsch erfüllen würde, was würden Sie wollen? Wie sähe Ihre Vision aus?

2. Strategie und Sichtbarkeit: Permanent, penetrant und positiv

Nun kennen Sie Ihr Ziel. Zeit dafür, es klar in einem Satz zu formulieren. Sie wissen, welche Kompetenzen dafür nötig sind. Sie haben geprüft, über welche davon wir bereits verfügen. Und einen Plan, wie Sie sich die fehlenden aneignen. Im beruflichen Kontext, wissen Sie beispielsweise, welche Menschen über die Position entscheiden, die Sie anstreben. Diese Menschen sind informiert und von Ihnen überzeugt. Glückwunsch! Nun heißt es nur noch permanent, penetrant und positiv zu sein. Wenn Sie immer wieder auf sichs aufmerksam machen, können Sie auch die Menschen überzeugen, die noch nicht von Ihnen überzeugt sind. Dazu ist es meist nötig, die dafür wichtigen Gespräche zu führen. Gespräche, die manchmal ans Eingemachte gehen. Folgende Grafik hilft dabei, die Bedeutung der Gesprächspartner einzuordnen und zu priorisieren:

Quelle: Kreaturen Agentur/Olivier Kleine

Das Bild kann übrigens je nach Thema und angestrebter Entscheidung anders ausfallen. Umso wichtiger ist es, diese Landkarte der Menschen hinsichtlich ihrer Bedeutung für Ihre Entscheidungen und deren Maß an Unterstützung für sichs immer wieder neu zu erstellen. Sie tragen ein, wie wichtig die jeweilige Person für Ihre Entscheidung ist. Je wichtiger, desto weiter rechts auf der horizontalen X-Achse. Auf der vertikalen Y- Achse achten Sie darauf, inwiefern der einzelne uns schätzt, bzw. unsere Idee unterstützt. Schließlich überprüfen Sie, ob Sie alle eingetragen haben, die bei der Entscheidung mitwirken: Der Boss, der Sie befördert? Seine Sekretärin, die Sie immer wieder abwimmelt? Ihre Familie, Ihre Freunde … Letztendlich führt alles zu der entscheidenden Frage: Mit wem müssen Sie wie reden?

3. Schwierige Gespräche überzeugend führen

Nun gilt es, diese Gespräche vorzubereiten. Betrachtet man die Ursachen, warum Gespräche nicht gelingen, sind es meistens zwei Faktoren, die immer wieder auftauchen: Auf der einen Seite unterschiedliche Auffassungen, auf der anderen Seite starke Emotionen – beides potenziert sich, je mehr auf dem Spiel steht. Forschungen und persönliche Erfahrungen in der Führung und im Coaching haben immer wieder bewiesen: Erfolgreich sind diejenigen, die heiklen und schwierigen Gesprächen nicht aus dem Weg gehen! Dies gilt im Berufsleben genauso wie im privaten Umgang mit Partnern, Familien, Freunden oder in Vereinen. Leichter gelingt dies, wenn wir folgende Punkte berücksichtigen bzw. folgende Fragen beantworten:

  • Sind Sie ehrlich mit sich selber? Was wollen Sie wirklich? Berücksichtigen Sie zugleich Fakten UND Emotionen?
  • Wissen Sie um Handlungsspielräume und Emotionen des anderen?
  • Herrscht Vertrauen zwischen Ihnen? Was tun Sie, um dieses Vertrauen aufzubauen?
  • Fragen Sie schon oder interpretieren Sie noch?
  • Hören Sie wirklich zu oder formulieren Sie Ihre Antworten schon, während Ihr Gesprächspartner noch spricht?
  • Sprechen Sie Klartext oder reden Sie diplomatischen Müll?

Wenn wir alle Fragen reflektiert und beantwortet haben, können wir guten Gewissens jede Diskussion führen. Mit dem Kollegen, dessen Art und Weise uns täglich nervt und dem Chef, der uns endlich für unsere Leistung sehen soll!

4. Raus aus der Nettigkeitsfalle

Frauen werden oft (noch) anders sozialisiert. Pass Dich an! Das letzte Stück nimmt man sich aber nicht! Lass andere immer ausreden! Interessanterweise werden diese durchweg positiven Eigenschaften gerne mit „sympathisch“ bewertet – folgt man diesem Zug nicht, so ist man es auch direkt nicht mehr. Die Frage ist, wie schaffen Frauen es von „Keiner hört mir zu“ zum „Hier geht´s lang“? Wie kommt man raus aus dem Image der Ja-Sagerin und der Nettigkeitsfalle hin zur Kompetenz durch Kommunikation? Der Improvisationstheater-Gründer Keith Johnstone hat herausgefunden, dass bei der Begegnung zweier Menschen immer der Status „ausgehandelt“ wird – und diese Einstellung in jeder Situation wieder aufs Neue definiert wird. Man unterscheidet zwischen dem Hoch- und dem Tiefstatus, den es jeweils nach innen und nach außen gibt. Deutlich macht dies folgende Grafik:

Quelle: Kreaturen Agentur/Olivier Kleine

Leider wird Frauen oft genug gesagt, sie wären bossy, wenn sie sich klar artikulieren, oder auch: Man muss als Frau einfach nur die Ellenbogen ausfahren, um gesehen zu werden. Doch ist die Erfahrung eine ganz andere: Mit innerer Größe und Standing können Frauen es mit Charisma überall hinschaffen – und dieses Charisma erreichen Sie ausschließlich über innere Arbeit und das Klären Ihrer eigenen Position. Fragen Sie sich daher ruhig einmal öfter:

  • In welchen Situationen bin ich eher im Hochstatus und in welcher eher im Tiefstatus (nach innerlich und nach außen)?
  • An welchen Stellen möchten ich ab sofort anders handeln und wirken?
  • Welche Verhaltensweise werden Sie dafür ab sofort ändern?

5. NETwork statt NETTwork

Viele Frauen verbringen reichlich Zeit mit netten Menschen (spricht ja grundsätzlich nichts dagegen), aber wenn es eng wird oder sie Support brauchen, unterstützt sie keiner – sie netzwerken nicht richtig. Aktuelle Studien sagen, dass 84 Prozent der Frauen Social Media zum Netzwerken nutzen, jedoch nur 30 Prozent von ihnen für businessrelevante Themen. Männer sind da anders: Sie überlegen ganz genau, ob – und mit wem – sich ein Smalltalk lohnt. Sie unterscheiden klar zwischen privaten Freunden und einem Business-Netzwerk, das ihnen wertstiftende Diskussionen bietet, sie vor allem aber in ihrer Karriere voranbringt. Fragen Sie sich daher, ob auch Sie die für Sie und Ihr Vorwärtskommen nötigen Personen um sich haben:

  • Haben Sie einen Cheerleader?
    Jemand, der total von Ihnen überzeugt ist. Jemand, der sich immer hinter Sie stellt. Der Sie einfach toll findet.
  • Haben Sie einen Freund?
    Jemand, der Sie emotional auffängt, wenn Sie Hilfe brauchen. Jemanden zum Reden, Lachen und Weinen.
  • Haben Sie einen Peer?
    Jemand, mit dem Sie jederzeit ohne Fassade Ihre Themen diskutieren können. Der Sie fachlich hinterfragt – ohne Versteckspiel, sondern offen und ehrlich.
  • Haben Sie einen Mentor?
    Jemand, der Sie nimmt wie Sie sind, hierarchisch und/oder erfolgstechnisch besser unterwegs ist als Sie. Der Ihnen Tricks und Kniffe verrät und Sie mit den richtigen Menschen bekannt macht. Und Ihnen auch zeigt, was Sie noch lernen müssen, um dort anzukommen, wo Sie hinwollen.
  • Haben Sie einen Coach?
    Jemand, der Ihnen die richtigen Fragen stellt und mit dem Sie genau das trainieren können, was fehlt, um den nächsten Schritt zu gehen.

Sich regelmäßig mit diesen Menschen, unseren Supportern zu treffen, um den weiteren Weg zu besprechen und die nächsten Schritte zu diskutieren, ist die Minimalanforderung, um erfolgreich zu sein. Weniger darf es nicht sein! Erfolg kommt von Machen. Nicht von Planen. So sehr man Frauen allerdings zum Handeln raten kann, so sehr ist zu empfehlen, strategisch und konzentriert vorzugehen und realistische Ziele zu setzen und diese in jedem Fall aufzuschreiben.

Frauen lassen sich schnell ablenken, oder sehen gerne andere Frauen als Konkurrenz. Auch verlieren Frauen häufig ihren Fokus. Kein Wunder – schließlich stürmen sekündlich unzählige Informationen auf sie ein, treffen sie – ob real oder virtuell – ständig neue Menschen, die etwas von ihnen wollen, ja sogar fordern. Gibt es ein Rezept, um heute als Frau im Business erfolgreich zu sein? Schön wäre es, aber Nein. Es gibt einzelne Bausteine, die dabei helfen, alte Muster zu verlassen und neue Wege zu beschreiten. Und ganz egal, ob Sie es aus freien Stücken tun oder weil uns Umstände dazu zwingen, wenn Sie – wie zum Einstieg dieses Beitrags beschrieben – Chancen sehen, Ihr Leben selber gestalten und für Erfolge trainieren, kommen Sie in die Umsetzung.

Über den Autor

Dr. Marion Bourgeois, Coach

Dr. Marion Bourgeois Mit 28 Jahren ist sie promovierte Physikerin, mit 33 zweifache Mutter, mit 39 Witwe. Rückbesinnung auf die eigenen Stärken. Mit 43 Jahren übernimmt sie die Geschäftsleitung innerhalb eines DAX-Konzerns und ist Aufsichtsratsmitglied. Dann macht sie sich selbstständig als zertifizierter Business-Coach, Mediatorin und Moderatorin. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Thema „Frauen in der Führung“ mit dem Ziel, durch Exklusiv-Coachings „die Quote ohne Quote zu erhöhen“.
Zum Autorenprofil

Kommentare

Kommentar schreiben:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.