Deutsche Konsumenten zahlen immer häufiger bargeldlos
Bezahlverhalten

Deutsche Konsumenten zahlen immer häufiger bargeldlos

Von Onpulson Redaktion
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Erstmals ist der Wert bargeldloser Transaktionen im deutschen Einzelhandel so hoch wie der von Bezahlungen mit Münzen und Scheinen. Auch in der Summe gibt es einen positiven Trend zu mehr Bargeldzahlungen. Die Erträge der Zahlungsverkehrsdienstleister in Deutschland wachsen jährlich um drei Prozent.

Den Trend zu bargeldlosen Transaktionen ist das Ergebnis des Report Global Payments 2019 –Tapping into Pockets of Growth, in dem die Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) jährlich die weltweiten Zahlungsströme und Erträge der Zahlungsdienstleister analysiert.

Die Deutschen lieben immer noch ihr Bargeld

Im internationalen Vergleich sind die Deutschen aber immer noch Bargeldliebhaber. Beim Gesamtwert bargeldloser Transaktionen liegen sie 2018 mit 68 Billionen US-Dollar im europäischen Vergleich auf Rang 11, bei der Anzahl bargeldloser Zahlungen– 211 pro Kopf per annum– auf Rang 15. „Wir beobachten einen Mentalitätswandel der Deutschen in ihrem Bezahlverhalten. Dieser wird vor allem durch den steigenden Onlinehandel sowie kontaktlose Kartenzahlungen und neue Bezahlmethoden getrieben“ sagt Dr. Markus Ampenberger, BCG-Experte für Zahlungsverkehr und Koautor der Studie. Verglichen mit anderen Ländern gebe es aber noch viel Luft nach oben. Zum Vergleich: In Norwegen ist die Anzahl bargeldloser Zahlungen mehr als doppelt so hoch und liegt bei rund 550 pro Kopf pro Jahr.

Skandinavier zahlen am häufigsten per Karte

Die meisten Kartenzahlungen pro Einwohner werden in Europa nach wie vor in skandinavischen Ländern getätigt. Mit 60 Kartenzahlungen pro Kopf in 2018 liegt Deutschland auf dem viertletzten Platz in Europa. „Bei Kartenzahlungen verbleibt Deutschland auf den hinteren Rängen. Dagegen haben andere westeuropäische Länder wie Frankreich, Belgien, die Niederlande und die Schweiz in den letzten fünf bis zehn Jahren deutlich zugelegt“, erklärt Ampenberger.

Insgesamt steigt die Tendenz für Deutschland bei bargeldlosen Transaktionen weiter. Beim Gesamtwert dieser Transaktionen prognostiziert BCG für die nächsten fünf Jahre einen jährlichen Anstieg von 4 Prozent. Bei der Anzahl liegt die Prognose bei einem jährliche Plus von 6 Prozent. Für die Erträge der Banken und Zahlungsdienstleister in Deutschland bedeutet das ein jährliches Plus von 3 Prozent bis 2023 im bargeldlosen Zahlungsverkehr. Händler sollten sich in Zukunft darauf einstellen.

Weltweite Erträge von 2,5 Billionen US-Dollar erwartet

Die Erträge aus dem Zahlungsverkehr insgesamt in Deutschland erreichten 2018 rund 18 Milliarden US-Dollar – zwei Drittel davon im Privatkundengeschäft, ein Drittel aus Zahlungen im Geschäftsbereich. „Die Erträge werden weiter steigen“, sagt Dr. Michael Strauß, BCG-Partner und Koautor der Studie. „Das gilt nicht nur für das Privatkundengeschäft – auch der sogenannte Wholesale-Bereich wächst weiter, vor allem aufgrund von Wachstum im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr, verstärkter elektronischer Rechnungsabwicklung im KMU-Geschäft oder bei zunehmenden elektronischen Zahlungen im E-Commerce und in angrenzenden Ökosystemen.“

Auch weltweit sind die Prognosen für die nächsten zehn Jahre rosig. Die Erträge für Zahlungsverkehrsdienstleister erreichten 2018 ein Gesamtvolumen von 1,4 Billionen US-Dollar. BCG erwartet bis zum Jahr 2028 eine Steigerung auf 2,5 Billionen US-Dollar. Das bedeutet ein Plus von weltweit mehr als 1 Billion US-Dollar. Das Ertragswachstum für bargeldloses Zahlen wird bis 2028 jährlich bei rund 6 Prozent liegen – ein ungebrochener Anstieg seit der Finanzkrise 2008. Ein Treiber für diese Prognosen sind Entwicklungs- und Schwellenländer. Denn immer mehr Verbraucher erhalten hier Zugang zu Bank- und elektronischen Zahlungsdienstleistungen.

Die Studienautoren gehen von einer klaren Prognose aus: 2028 wird Asien für 40 Prozent der globalen Erträge verantwortlich sein.

Etablierte Anbieter geraten unter Druck

Trotz dieses Wachstums steigt der Druck auf etablierte Zahlungsdienstleister aufgrund neuer Anbieter aus dem Fintech-Bereich sowie neuer Technologien. „Die Abwicklung elektronischer Zahlungen weltweit hat deutlich zugenommen und wird das auch weiter tun. Das liegt an den enormen Wachstumsraten im E- und Mobile-Commerce, aber auch an technologischen Innovationen wie zum Beispiel Instant und Mobile Payments“, sagt Strauß. „Um weiterhin erfolgreich zu sein, sollten etablierte Anbieter sich darauf einrichten. Es geht darum, die Digitalisierung zu beschleunigen, das Angebot im Bereich E- und Mobile-Commerce zu optimieren und die schnell wachsenden Entwicklungsmärkte zu erschließen.“

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Foto/Thumbnail: ©zhudifeng/Depositphotos.com

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