7 Aspekte, die traditionelle Unternehmen von Start-ups lernen können
Unternehmensführung

7 Aspekte, die traditionelle Unternehmen von Start-ups lernen können

Von Carolin Fischer
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Sie sind klein, schnell - und können ganze Geschäftsbereiche umwälzen. Start-ups haben sich zu einer wichtigen Größe in der Wirtschaft entwickelt, auch wenn sie oft nicht ernst genommen werden. Mittelständler und Konzerne sollten die kleinen, schnell wachsenden Unternehmen jedoch nicht als Spielerei abtun. Es gibt einiges, was etablierte Firmen von ihnen lernen können.

1. Kundennähe

Was macht Start-ups wie Airbnb oder Uber so erfolgreich? Natürlich spielen hier mehrere Faktoren eine Rolle, aber eine Sache, die viele Start-ups richtig machen, ist ihre Nähe zum Kunden. Das beginnt schon bei der Entwicklung des Produkts: Was brauchen die potenziellen Kunden? Welche Probleme haben sie? Wie lassen sich diese lösen? Viele Start-ups entstehen, weil die Gründer aus eigener Erfahrung wissen, was den Kunden fehlt.

Das Berliner Start-up Penta wurde beispielsweise von mehreren Unternehmern gegründet, die die Probleme, die junge Firmen mit etablierten Banken haben, genau kennen. Daraus ist ein innovatives Geschäftskonto entstanden, das sich an den Bedürfnissen junger Unternehmen orientiert, mit ihnen wächst und das Kundenfeedback bei der Weiterentwicklung miteinbezieht.

In großen Unternehmen geht diese Fokussierung auf den Kunden oft verloren. Ab einer bestimmten Betriebsgröße haben die Mitarbeiter automatisch weniger Kundenkontakt. Oft steht dann die Erledigung der eigenen Aufgaben vor dem Wunsch, dem Kunden zu helfen. Doch auch in großen Unternehmen ist es möglich, die Produktentwicklung und -pflege an den Kundenbedürfnissen auszurichten. Methodische Ansätze wie Design Thinking oder User Centered Design helfen dabei, den Nutzer nicht aus den Augen zu verlieren, und sie lassen sich auch in großen Firmen umsetzen.

2. Flache Hierarchien

Start-ups zeichnen sich durch kleine Teams mit hoher Eigenverantwortung sowie flache Hierarchien aus. Entscheidungen werden schnell gefällt, man kann auf Kundenfeedback oder Marktveränderungen schnell reagieren. Größere Unternehmen sind hingegen oft träge. Entscheidungen oder Abstimmungen dauern oft wochenlang, weil mehrere Abteilungen und Hierarchieebenen involviert sind.

Wenn größere Unternehmen nach Start-up-Vorbild kleine, selbstorganisierte Teams mit eigenem Entscheidungsspielraum aufbauen, können Entscheidungen schneller getroffen werden und die Firma kann schnell auf Veränderungen reagieren. Diese Agilität bedeutet am Anfang eine Umstellung, gerade wenn das Unternehmen bislang sehr hierarchisch strukturiert ist. Sie zahlt sich aber aus. Wie die Boston Consulting Group in einer Studie ermittelt hat, sind agile Unternehmen erfolgreicher.

3. Unternehmerisches Denken

Start-ups unterscheiden sich auch oft in ihrer Denkweise von Mittelständlern und Konzernen. In Start-ups denken alle Mitarbeiter tendenziell eher unternehmerisch. Es geht nicht darum, dass die eigene Abteilung am Ende gut dasteht, es geht um den Gesamterfolg des Produkts oder der Dienstleistung. Jeder tut dafür, was er kann.

Unternehmen können nur dann profitieren, wenn sie das sogenannte Silodenken aufbrechen. Davon spricht man, wenn die Mitarbeiter lediglich ihre Abteilung sehen und nicht die Firma als Ganzes. Silodenken kann Innovationen ausbremsen und damit den Unternehmenserfolg hemmen. Um diese festgefahrene Denkweise zu durchbrechen, ist es zum Beispiel hilfreich, die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen zu fördern, Mitarbeiterfeedback in die Arbeitsabläufe einzubeziehen und Transparenz im Unternehmen zu schaffen.

4. Quereinsteiger fördern

Mit dem Fachkräftemangel haben sowohl etablierte Unternehmen, als auch Start-ups zu kämpfen. Besonders im IT-Bereich ist es schwierig, passendes Personal zu finden. Viele traditionelle Unternehmen gehen sehr konservativ vor und erwarten eine entsprechende Ausbildung, wie einen Universitätsabschluss und Zeugnisse. Start-ups sind da unkonventioneller. Sie stellen auch mal Quereinsteiger ein, die sich entsprechend weitergebildet beziehungsweise sich das adäquate Know-How angeeignet haben. Hier fehlt den traditionellen Firmen oft der Mut zum Ausprobieren. Auf diese Weise sind ihnen auch hier die Gründer einen Schritt voraus.

5. Kein perfektes Endprodukt

Start-ups bringen ihre Produkte sehr schnell auf den Markt und entwickeln diese dann weiter. Bei dieser sehr kurzen Time to Market lässt es sich nicht verhindern, dass auch Fehler gemacht oder falsche Entscheidungen getroffen werden oder dass das Produkt selbst nicht ausgereift ist. Dank der Agilität im Unternehmen lassen diese sich aber schnell beheben. Unter Umständen wird dadurch das gesamte Geschäftsmodell über den Haufen geworfen und neu entwickelt.

Eine große Firma kann sich sicherlich nicht den abrupten Wechsel des Geschäftsmodells leisten. Allerdings können auch Vorannahmen, die aufgrund von Analysen getroffen werden, falsch sein. Wieso daher nicht einfach wie Start-ups etwas mutiger sein und schneller in den Markt gehen mit einem Produkt, das vielleicht noch nicht perfekt ist? Mit den Erfahrungen, die man am Markt sammelt, und dem Kundenfeedback lässt sich das Produkt weiterentwickeln. Wer agiler handelt, kann seinen Wettbewerbern einen Schritt voraus sein.

6. Eine positive Fehlerkultur etablieren

Wer nach dem Trial-and-Error-Prinzip vorgeht, muss auch in der Unternehmenskultur verankern, dass Fehler gemacht werden dürfen. Wenn Fehlschläge ausschließlich negativ aufgefasst werden, wird kaum ein Mitarbeiter couragiert genug sein, sich auszuprobieren und Risiken einzugehen, die der Firma Erfolg bescheren könnten. Eine positive Fehlerkultur gehört zu Start-ups wie der Kickertisch und das Feierabendbier. Es gilt: Fehler sind zum Lernen da und oft ein wichtiger Schritt zum Erfolg.

In traditionellen Unternehmen sind Fehler hingegen oft nicht gerne gesehen. Wer dies ändern möchte, muss die gesamte Unternehmenskultur umkrempeln. Eine offene Kommunikation, bei der Fehler und Probleme ohne Wertung angesprochen werden dürfen, hilft dabei, einen neuen Umgang mit Fehlschlägen zu etablieren. Wer bereitwillig über eigene Fehler spricht, sorgt dafür, dass auch andere daraus lernen können. Das gilt nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Vorgesetzten: Diese sollten mit gutem Beispiel vorangehen und Fehleinschätzungen und -entscheidungen nicht unter den Tisch kehren, sondern offen kommunizieren – und dazu stehen.

7. Home-Office fördern

Start-ups haben oft flexible Arbeitszeitmodelle und fördern meistens das Arbeiten im Home-Office. Bei vielen herkömmlichen Unternehmen ist das Home-Office zwar auch im Kommen, aber oft sind es die Beschäftigten, die sich sehr vehement für Home-Office einsetzen müssen. Manche schaffen es dann, dass sie dann immerhin ein bis zwei Tage in der Woche von Zuhause arbeiten dürfen, andere sind da etwas großzügiger. Allerdings: Die Idee des „Digitalen Nomaden“, dass heißt, arbeiten, von wo man möchte, ist bei Start-ups ausgeprägter. Das bedeutet aber auf keinen Fall, dass Gründer und Ihre Angestellten weniger arbeiten. Gerade Start-ups in der Gründungsphase müssen sich erst etablieren und da ist langes Arbeiten oft beziehungsweise zu bestimmten Zeiten angesagt.

Foto/Thumbnail: ©Baloncici/Depositphotos.com

Über den Autor

Carolin Fischer

Carolin Fischer Carolin Fischer ist Content-Managerin und Redakteurin bei onpulson.de. Sie ist spezialisiert auf die Themen "Personal" und "Karriere". Außerdem schreibt sie für verschiedene Mitarbeiterzeitschriften. Zuvor hat sie u.a. mehrere Jahre für die Süddeutsche Zeitung in München gearbeitet.
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