Bilanz zu zwei Jahren DSGVO: Was sagen die Experten?
EU-Recht

Bilanz zu zwei Jahren DSGVO: Was sagen die Experten?

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2018 veränderte die DSGVO radikal unseren Umgang mit Daten sowie die Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse im Onlinemarketing und bei der Onlinewerbung. Nun stellt die EU die Verordnung planmäßig auf den Prüfstand. Dazu legt die Kommission einen Bericht mit Änderungsvorschlägen vor. Experten aus der Digitalwirtschaft wurden gefragt: Wenn Sie eine Minute mit Thierry Breton, dem zuständigen EU-Kommissar, im Fahrstuhl hätten, welche Änderungen würden Sie ihm dann vorschlagen? Was sollte dringend an der DSGVO verbessert werden?

Barbara Nietzer, Legal Director EMEA von Criteo. Bildnachweis: Criteo

„Eines hat die DSGVO klar gezeigt: Europa ist im Umgang mit dem Datenschutz und der Privatsphäre seiner Bürger führend, vergisst darüber aber auch nicht die Verantwortung gegenüber seinen Unternehmen. Gerade global agierende AdTech-Unternehmen mit europäischen Wurzeln wie Criteo benötigen entsprechende einheitliche Leitlinien, wie sie mit welchen Daten umgehen sollen.
Dennoch gibt es Baustellen. Die nationalen Datenschutzbehörden sind beispielsweise immer noch nicht personell so gut aufgestellt, dass sie die großen Plattformen entsprechend ihrer marktbeherrschenden Stellung ausreichend kontrollieren, geschweige denn ein gemeinsames Vorgehen europaweit einheitlich koordinieren können. Auch eine klare gemeinsame Ausrichtung aller europäischen Datenschutzbehörden fehlt noch. Das spüren Unternehmen besonders deutlich, wenn es um die Einwilligung in die Verarbeitung personenbezogener Daten von EU-Bürgern und damit um eine konsistente strategische Ausrichtung ihres Geschäfts in ganz Europa geht.“

Claas Voigt, Geschäftsführer von emetriq. Bildnachweis: emetriq

Claas Voigt, Geschäftsführer von emetriq:

„Ich würde mit Thierry Breton klären, dass er den Cookie retten muss. Mit der Sandbox in Chrome wird der 3rd-Party-Cookie sterben. Wir diskutieren heute schon mit den Juristen der Telekom, ob dies nicht eine Wettbewerbsverletzung von Google darstellt. Hält Google an seinen Plänen fest, kommt dies einer Monopolisierung des Werbemarkts gleich. Die DSGVO hat für einen komplett gegenteiligen Effekt gesorgt. Statt für mehr Markt, Vielfalt und Freiheit zu sorgen, treibt uns die Verordnung immer weiter in die Arme von Google und Facebook.“

Andreas Fruth, Managing Director bei Global Savings Group. Bildnachweis: Global Savings Group

Andreas Fruth, Managing Director bei Global Savings Group:

„Wir wünschen uns nicht weniger Datenschutz, sondern klarere Regeln. Der Raum für Interpretation führte bisher dazu, dass eine eigentlich europäische Regelung in den Mitgliedsstaaten ganz unterschiedlich restriktiv ausgelegt wird. So erreichen wir auch das EU-Ziel, globaler Vorreiter im Datenschutz zu sein, nicht.
Ein zweites weitreichendes Problem ist, dass die DSGVO gemeinsame Verantwortlichkeiten für die Datenverarbeitung vorsieht. Wer wann wie beteiligt ist am Schutz beispielsweise sensibler Kundendaten, wird bisher auf Einzelfallbasis entschieden. Das schafft unnötige Unsicherheiten und Aufwand, wo man sich eigentlich auf das Ziel fokussieren will: Dem Kunden trotz Datensparsamkeit ein attraktives, idealerweise zugeschnittenes Angebot zu machen.“

Dr. Dirk Kall, Geschäftsführer der PIA Group. Bildnachweis: PIA Group

Dr. Dirk Kall, Geschäftsführer der PIA Group:

„Die Zielsetzung der DSGVO-Einführung wurde bislang nur zum Teil erreicht. Ohne Zweifel ist der Schutz von Verbraucherdaten erhöht. Aber zu welchem Preis? Nur mit einem übermäßigen administrativen Aufwand für alle Unternehmen und Organisationen. Diese sind mit der Umsetzung des DSGVO-Regelwerkes nach wie vor in großen Teilen überfordert. Ganz zu schweigen von den in Aussicht gestellten positiven wirtschaftlichen Auswirkungen. Im Fokus der anstehenden Evaluierung der DSGVO muss deshalb eine kritische Bewertung und Änderung der geschaffenen erhöhten Datenschutzbürokratie sowie der ausgebliebenen wirtschaftlichen Effekte sowohl auf Unternehmens- wie auch auf Verbraucherseite stehen.

Dazu ist eine enge Verzahnung mit der weiterhin ungeklärten Ausgestaltung der zukünftigen E-Privacy-Verordnung anzustreben. DSGVO und E-Privacy-Verordnung müssen inhaltlich Hand in Hand gehen. Das versteht sonst weder ein werbungtreibendes Unternehmen noch irgendein Verbraucher, der sich in digitalen Medien informiert und Onlinekäufe tätigt. Alleine bei der inhaltlichen und zeitlichen Ausgestaltung der angestrebten E-Privacy-Verordnung besteht vor dem Hintergrund der aktuellen Unsicherheit auf allen Seiten nach wie vor ganz erheblicher Handlungsdruck. Hier ist die Politik gefragt, endlich klare Lösungen zu schaffen und Entscheidungen vorzubereiten.“

Willms Buhse, Gründer und CEO der Hamburger Managementberatung doubleYUU und des Weiterbildungspartners d-cademy. Bildnachweis: doubleyuu

Willms Buhse, Gründer und CEO der Hamburger Managementberatung doubleYUU und des Weiterbildungspartners d-cademy:

„Bitte forciert endlich auch einen nutzerfreundlichen Umgang mit der DSGVO und verbindet eine Daten- mit einer echten Zustimmungssparsamkeit. Erfindet doch bitte eine Möglichkeit, dass nicht jeder Besucher ständig den Cookies auf jeder Webseite zustimmen muss. Das wäre schon einmal ein erster guter Schritt.“

 

Foto/Thumbnail: ©mixmagic/Depositphotos.com

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