Motivation von Arbeitnehmern sinkt in Corona-Krise
Führungskräfte besonders gefordert

Motivation von Arbeitnehmern sinkt in Corona-Krise

Porträtfoto von Christoph Mât von Korn Ferry
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Drei von fünf Arbeitnehmern fällt es bei fortschreitender Corona-Pandemie schwerer, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Gleichzeitig sagen 67 Prozent, dass sie heute noch mehr Arbeit hätten als vor Beginn der Krise.

Diese Ergebnisse zu Arbeitnehmern beruhen auf einer Befragung der Organisations- und Personalberatung Korn Ferry.

Angst vor ökonomischen Konsequenzen der Krise ist groß

Als Grund für die Konzentrationsschwäche haben 45 Prozent der Befragten angegeben, zu viele Verantwortlichkeiten gleichzeitig erhalten zu haben. Fast jeder Dritte fühlt sich durch die Pandemie und ihre Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft mehr und mehr überfordert. Hinzu kommt, dass mehr als die Hälfte (55 Prozent) angegeben haben, dass die neuen Arbeitsbedingungen zu Konflikten mit ihrer Familie geführt haben. In neun Prozent der Fälle sogar zu deutlichen Konflikten. Viele Arbeitnehmer fühlen sich zudem wirtschaftlich unsicher: 61 Prozent fürchten sich mehr vor den ökonomischen als den medizinischen Konsequenzen der Krise.

Das Überstehen der Pandemie und deren Folgen gleicht einem Marathon. Den Menschen wird zunehmend klar: Ein kurzfristiges Ende ist nicht zu erwarten. Vor 2021 ist mit einer medizinischen und damit auch gesellschaftlichen Erholung kaum zu rechnen. Und das auch nur dann, wenn es signifikante medizinische Fortschritte bei Impfstoff und Behandlung von Covid19 gibt. Da ist bei vielen, wie im Mittelteil eines Marathons, die Luft raus. Das Ziel scheint noch so unerreichbar weit entfernt. Da kommt es jetzt darauf an, nicht aufzugeben und durchzuhalten.

Führungskräfte dürfen die Produktivität nicht einbrechen lassen

Diese Durchhaltephase müssen vor allem die Führungskräfte jetzt gestalten. Führungskräfte waren bereits in der ersten Pandemie-Phase vor große Herausforderungen gestellt. Umstellung auf Home-Office und Remote-Arbeit, Treffen schwieriger Entscheidungen in kürzester Zeit, Verkündung schwieriger Entscheidungen wie Kurzarbeit, Lohnkürzungen oder gar Entlassungen, fehlender Planungshorizont. Wer heute führt, macht in kürzester Zeit eine der schwierigsten Phasen seiner Karriere mit, für den ihn bisherige Führungsstrategien und -konzepte kaum ausreichend vorbereitet haben.

Der einzige Kontakt, den Führungskräfte und ihre Mitarbeiter in vielen Unternehmen seit Monaten haben, ist der über Telefon und Videokonferenzen. Dementsprechend haben 70 Prozent der Befragten angegeben, beim digitalen Austausch die Kamera häufiger (22 Prozent) oder viel häufiger (48 Prozent) anzuschalten.

Der physische Kontakt ist auch heute noch vielfach nicht möglich, gerade in globalen Organisationen wird dies vielleicht noch viele weitere Monate so anhalten. Umso wichtiger ist es, dass Führungskräfte ein Vorbild sind und ihre Videofunktion ausreichend nutzen um damit Präsenz zu zeigen. Es ist zudem an ihnen, trotz der physischen Ferne mit jedem einzelnen ihrer Mitarbeiter die größtmögliche Nähe herzustellen: mit so vielen Einzelgesprächen wie möglich, neben Gesprächsrunden in Gruppen. Und wenn das nicht möglich ist, wirkt auch eine aufmunternde SMS vom Chef manchmal große Wunder. Es geht in dieser Phase darum, die Motivation der Teams unbedingt zu erhalten und damit ihr Durchhaltevermögen zu stärken.

Auch Führungskräfte müssen geführt werden: Hohe Unterstützung aus dem Top-Management notwendig

Aber auch Führungskräfte werden geführt – vom Top-Management oder den Aufsichtsorganen. Wir raten diesen obersten Gremien, das bei allen anderen strategischen und operativen Herausforderungen nicht zu vergessen. Auch wenn wichtige Entscheidungen getroffen, Kunden und Stakeholder intensiv gepflegt werden müssen: die eigenen Führungskräfte sind nicht nur das Bindeglied in die Mitarbeiterschaft. Sie sind vor allem auch Menschen, die unter einer besonderen Anspannung stehen. CEOs, Vorstände und Geschäftsführungen sollten hohe Präsenz zeigen, offen auf ihre eigenen Top-Leute zugehen, zuhören und wo es geht versuchen, aus ihrer Position heraus zu helfen. Wer bisher Führung stets als Nebenprodukt von Management gesehen hat, muss spätestens jetzt umdenken. Sonst droht die Stimmung im Unternehmen zu kippen.

Foto/Thumbnail: ©Depositphotos.com

Über den Autor

Porträtfoto von Christoph Mât von Korn Ferry

Christoph Mât Christoph Mât ist Client Partner bei Korn Ferry und leitet in Deutschland das Assessment und Succession Geschäft. Seit über 10 Jahren berät er international Organisationen und Vorstände bei Veränderung und in der Ausrichtung, Auswahl und Entwicklung ihrer Führungskräfte. Er ist diplomierter Psychologe sowie ausgebildeter Executive Coach und Business Change Experte. www.kornferry.com/de
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