Wie Freelancer die passende Plattform finden
Gig vs. Projekt

Wie Freelancer die passende Plattform finden

Thomas Maas
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Mehr als drei Viertel aller Freelancer nutzen branchenspezifische Online-Plattformen für die Suche nach neuen Projekten. Gerade in schwierigen Zeiten profitieren Selbstständige von digitalen Kanälen und einem gut gepflegten Netzwerk. Gig vs. Project Economy: Wie Freelancer den passenden Marktplatz für ihre Ziele finden, im Artikel anbei.

Kurzfristig, anonym, günstig: Gig Economy

Die Gig Economy ist oft schnelllebig: heute einen Auftrag annehmen, morgen das Ergebnis einreichen. Portale dieser Art eignen sich gut, um kurzfristig Projekte an Land zu ziehen. Die Bezahlung ist dabei ein in der Regel vorher festgelegter Festpreis. Nachverhandeln funktioniert nicht, dafür ist die Konkurrenz auf den Plattformen in der Regel zu groß – es findet sich immer jemand, der bereit ist, für das angegebene Budget das Projekt umzusetzen. Der Umfang der ausgeschriebenen Aufträge hält sich meist in Grenzen, die Aufgaben sind tendenziell nicht sehr komplex und so innerhalb weniger Tage, manchmal im Laufe einer Woche erfüllt. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel.

Sowohl ein Vor- als auch Nachteil der Gig Economy ist die Anonymität, die nicht nur Freelancer, sondern auch Auftraggeber genießen. Niemand muss Daten über sich preisgeben oder sein Gesicht zeigen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass mit großer Wahrscheinlichkeit keine langfristigen Geschäftsbeziehungen entstehen. Damit diese nämlich wachsen können, müssen die beiden Parteien meist ein persönliches Verhältnis zueinander entwickeln. Auf Plattformen der Gig Economy tummeln sich zudem viele Privatpersonen, die wahrscheinlich nur einmalig die Hilfe eines freien Experten benötigen.

Klassische ausgeschriebene Aufträge sind z.B. das Designen eines individuellen Logos, das Einsprechen eines kurzen Voiceover oder Bauen einer rudimentären Webseite mit geringem Funktionsumfang. Freelancer, die jedoch nach größeren Herausforderungen suchen oder sich weiterentwickeln wollen, werden diese Bedürfnisse mit Gigs eher nicht stillen können.

Langfristig, persönlich, lukrativ: Project Economy

Unter der Project Economy versteht man einen Teil des Arbeitsmarktes, bei dem große Aufträge über einen tendenziell längerfristigen Zeitraum an unabhängige Selbstständige, Freelancer und Freiberufler vergeben werden. Haben Freelancer einen dieser Aufträge gewonnen, so arbeiten sie daran meist über mehrere Monate hinweg und erhalten für diesen Zeitraum ein fest vereinbartes Einkommen. Wie hoch oder niedrig dieses ausfällt, bestimmen freie Experten mit: Auf den Marktplätzen geben sie ihren Stundensatz an und handeln dann ggf. mit Auftraggebern die konkrete Bezahlung aus. Die eingestellten Projekte sind in der Regel so umfangreich und komplex, dass Freelancer an diesen Herausforderungen wachsen und sich weiterentwickeln können. Gleichzeitig müssen sie natürlich die Erwartungen des Auftraggebers erfüllen und bereit sein, ihre getane Arbeit ausführlich zu überarbeiten, bis sie genau den Wünschen des Kunden entspricht.

Anonymität funktioniert in der Project Economy nicht, hier treten sich die Parteien häufig von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Wenn die Zusammenarbeit für beide zufriedenstellend verläuft, kann daraus eine langfristige Kundenbeziehung oder aber auch eine Geschäftspartnerschaft entstehen. Stimmt andererseits die erbrachte Leistung nicht, ist ein Kontakt möglicherweise für die Zukunft verbrannt. Bei diesem Teil des Freelancermarkts steht der „Business“-Aspekt im Fokus, hier sind viele Unternehmen und Recruiter unterwegs, Privatpersonen eher rar gesät. Wer sich an neuen Herausforderungen beweisen und mehrere Produkte prägen will, sollte nach langfristigen Projekten streben. Je nach Ausrichtung des Online-Portals werden Freelancer z.B. für Rollen in der Beratung und Management, IT-Infrastruktur oder Entwicklung gesucht.

Profil auf Vordermann: Worauf achten Recruiter?

Egal, ob Gig oder Projekt: Mit Abstand am wichtigsten ist das Know-how, das Selbstständige mitbringen. Über 54 Prozent der Recruiter achten auf die Skills, die sich freie Experten auf die Fahnen schreiben. Welche beruflichen Stationen sowie Projekte sie in der Vergangenheit schon erfolgreich abgeschlossen haben, interessiert Headhunter ebenfalls sehr (34 Prozent). Freelancer sollten ihr Profil deshalb unbedingt mit diesen Eckpunkten auf dem aktuellen Stand halten. Indem sie ihre Verfügbarkeit auf dem Profil anzeigen, erhöhen Freelancer ihre Attraktivität für Recruiter zusätzlich.

Erst das Ziel, dann die Plattform

Bevor sie sich für eine Plattform entscheiden, sollten Freelancer sich deshalb gut überlegen, was sie eigentlich erreichen wollen. Eben mal eine Projektflaute überbrücken? Ein kurzfristiger Gig ist hier ideal. An einer langfristigen, fachlichen Herausforderung mit unterschiedlichen Facetten wachsen? In diesem Fall bietet die klassische Projektplattform, was die freien Spezialisten suchen. Eindeutig gilt jedoch: Erst das Ziel, dann der Marktplatz!

Foto/Thumbnail: ©istock.com/Konstantin Aksenov

Über den Autor

Thomas Maas

Thomas Maas Thomas Maas ist CEO bei freelancermap. Er setzt sich dafür ein, dass Freelancer, Freiberufler, Selbstständige und Unternehmen für die Arbeit an Projekten über die Plattform zusammenfinden können. Davor war er bei Immowelt unter anderem im Produktmanagement tätig. Seinen beruflichen Werdegang begann Thomas Maas mit einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Danach studierte er Wirtschaftsinformatik an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. freelancermap.de
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