Dunkle Triade und die Auswirkungen auf Unternehmen
Führungspersönlichkeiten

Dunkle Triade und die Auswirkungen auf Unternehmen

Porträtfoto von Oliver Wüntsch, Coach
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Die wahrscheinlich größte Rolle in der Gestaltung der Unternehmenskultur nehmen die Führungskräfte ein, da sie für die Prozessplanung, Überwachung und Steuerung zuständig sind und als Vorbild für die Mitarbeiter vorangehen sollen. Vereinzelt bringen erfolgreiche Führungskräfte jedoch Persönlichkeitsmerkmale in einer besonderen Ausprägung mit, die zwar in jedem von uns stecken, bei ihnen jedoch in einer besonderen Intensität. Die sogenannte dunkle Triade. Was verbirgt sich dahinter?

Die dunkle Triade ist die Zusammensetzung von Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. Diese können in gewissen Dosen zu höherer Kompetenzwahrnehmung und Einfluss führen, bei fehlender moralische Integrität jedoch eine Unternehmenskultur auch negativ prägen.

Die dunkle Triade, was ist das eigentlich?

Um die dunkle Triade in Gänze zu verstehen, ist es zunächst hilfreich, die drei Charakteristika über die sie von den Wissenschaftlern Paulhaus und Williams definiert wurde, genauer zu beleuchten. Narzissmus kann mit Selbstverliebtheit und Arroganz gleichgesetzt werden. Zur selben Zeit ist ein Narzisst unfähig Kritik entgegenzunehmen. In der Geschäftswelt kann es ein potentieller Vorteil dieser Menschen sein, dass sie durch ihr überdurchschnittlich ausgeprägtes Ego oft einen guten ersten Eindruck hinterlassen.

Die Forschung zeigte auch, dass Narzissten mehr verdienen. Noch öfter kommt gerade in ranghohen Positionen der Machiavellismus vor, ein Begriff, der sich vom italienischen Theoretiker und Diplomaten Nicolò Machiavelli ableitet, dessen Erfolgsgeheimnis in dem Satz „der Zweck heiligt alle Mittel“auf den Kopf getroffen wird. Es sind demnach diejenigen, die ihren eigenen Erfolg über alles andere stellen und nicht selten mit manipulativen Mitteln ihr Ziel erreichen (1). Ihnen fehlt die Fähigkeit zur Empathie während sie genau wissen, wie sie sich sozial adäquat zum größtmöglichen Vorteil zu verhalten haben. Es ist daher oft schwierig einen Machiavellisten zu erkennen.

Sein Vorteil in der Arbeitswelt ist neben seiner teils skrupellosen Zielstrebigkeit, auch seine Fähigkeit zur Kalkulation, was ihm im hektischen Geschehen des Arbeitsalltags durch das Bewahren einen kühlen Kopfes die Möglichkeit gibt, wichtige Entscheidungen ohne den Einfluss von Emotionen zu treffen. Dies kann Unternehmen gerade in Verhandlungssituationen zugute kommen, gleichzeitig kann er aufgrund seines ausgeprägten Egoismus die Atmosphäre am Arbeitsplatz genauso negativ beeinflussen.

Übergänge fließend

Wie bereits erwähnt, tragen wir alle diese Persönlichkeitsmerkmale zu einem gewissen Maße in uns, wenn auch meist nicht in extremer Ausprägung. Die Übergänge innerhalb der dunklen Triade sind fließend (2) und so lässt sich der Psychopath am besten als ein impulsiv/aggressiv handelnder Mensch kategorisieren, dem die Fähigkeit zur Empathie zwar nicht grundsätzlich fehlt, sie jedoch nur schwach ausgeprägt ist. Er zeichnet sich auch durch seine besondere Risikobereitschaft und Fruchtlosigkeit aus. Eigenschaften, über die es sich durchaus lohnt nachzudenken, wenn man an seine Unternehmensstruktur denkt, gerade weil Psychopathen nicht grundsätzlich sozial inkompetent sind.

Es ist bei allen drei Merkmalen wichtig zu erwähnen, dass sie zu Selbstüberschätzung neigen, was nach einem anfänglich guten ersten Eindruck und Bewunderung für den neuen Chef schnell umschlagen kann, wenn die eigentlichen Charakterzüge sich bemerkbar machen. Studien zeigen, dass jede Seite der dunklen Triade dazu tendiert, durch „Schummeln“ ihre Chancen zu erhöhen. Narzissten und Machiavellisten greifen vermehrt zu Plagiaten und Diebstählen, während Psychopathen Mobbing oft als die richtige Führungsstrategie erachten.(3) Häufig ist es deshalb so, dass diese Menschen mit wenig Arbeit mehr Erfolg haben, da sie nicht aufgehalten werden und sich mit unfairen Mitteln einen Vorteil verschaffen.

Der Gegenspieler der dunklen Triade

Diese sogenannte „dunkle Seite der Führung“, steht mit den genannten Eigenschaften der „hellen Seite“ gegenüber, welche sich über das Gegenteil, das heißt die reflektierte und ethische Führung, die eben nicht impulsgesteuert ist, definiert. Oft auch als authentischer Führungsstil bezeichnet, steht es im Vordergrund, sich seiner Werte und Emotionen, seiner Persönlichkeit bewusst zu sein und dementsprechend, dasheißt kongruent zu handeln. Auch der Regulation dieser innersten Gefühle und Absichten kommt eine entscheidende Rolle zu.

Wenn es die Führungskraft schafft diesen Spagat erfolgreich zu meistern, vermittelt sie Glaubwürdigkeit und erzeugt Vertrauen, während sie andere dazu anregt ebenfalls zu reflektieren und kongruent dazu zu handeln. Non-verbale und verbale Kommunikation sollten ebenfalls im Einklang miteinander sein. Auf natürliche Weise entsteht durch die Präsentation eines authentischen und ehrlichen Selbst eine positive Beziehung zwischen Vorgesetztem und Mitarbeitern und bietet eine hervorragende Basis für Teamerfolge.

Klare Kommunikation schafft Transparenz, beugt Missverständnissen vor und ist Grundvoraussetzung für einen guten Umgang miteinander. Daneben ist Wertschätzung durch den Vorgesetzten wohl eine der größten Motivatoren für Mitarbeiter. Echte Anteilnahme und Fürsorge durch die Führungskraft verbessern das Arbeitsklima und wirken ermutigend. Diese Art von Führung wirkt sich folglich positiv auf die Effizienz und die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern aus und ist damit ein entscheidender Faktor für den Unternehmenserfolg.

Wo geraten authentische Führungskräfte an Ihre Grenzen?

Im harten Geschäftsalltag, gehört es zum Regelfall für Top-Manager auch harte Entscheidungen treffen zu müssen. Sie dürfen nicht vergessen, in welcher Rolle sie agieren. Hier spielt die nötige Distanz zwischen Führungskraft und Mitarbeitern eine entscheidende Rolle. Wer auf entsprechendem Level zu wenig Distanz hat, Business und Privatperson nicht trennen kann oder Dinge zu persönlich nimmt, verliert seine Authentizität und damit seine Fähigkeit zur Unternehmensführung. Führungskräfte sollten auch in kritischen Situationen eine positive Haltung zeigen und Optimismus ausstrahlen. Gerät ein Unternehmen in Schieflage, muss der CEO seinen Mitarbeitern weiterhin ein sicheres Gefühl vermitteln.

Beim Abwägen wie viel seiner Emotionswelt man gegenüber seinen Mitarbeitern teilt, handelt es sich um einen Drahtseilakt, da 100% Transparenz in allen Prozessen, Mitarbeiter mehr überfordern oder demotivieren kann als für Vertrauen zu sorgen. Gleichzeitig sollte sie natürlich authentisch und motivierend in Richtung etablierter Ziele lenken, wobei ein vertrauensvolles Verhältnis gegenüber den Mitarbeitern hilft. Die schwierigste Aufgabe ist jedoch wahrscheinlich, sich immerzu seiner Innenwelt bewusst zu sein und dementsprechend kongruent zu handeln.

Fazit

Nur in Einzelfällen sind die Extreme der genannten Führungsstile Garanten für einen langfristigen Unternehmenserfolg. Die Persönlichkeitseigenschaften der dunklen Triade bei Führungskräften müssen jedoch, gerade in geringer Ausprägung, nicht zwangsläufig etwas schlechtes sein. Die Eigenschaften der dunklen Triade und ihr Gegenspieler, die Authentizität, sollten sich am besten in einem gesunden Gleichgewicht zueinander befinden. Ein zu transparenter und kollegialer Führungsstil kann auf Dauer zu mehr Konflikten führen als er löst, während die Persönlichkeitsmerkmale der dunklen Triade und dem oftmals ausgeprägten Egoismus, die sie mit sich bringt, ebenfalls das Potential haben, das Arbeitsklima zu zerstören.(4)

Hinzu kommt, dass die genannten Eigenschaften oftmals unbewusst auftreten und es nicht in der Macht der Führungsperson liegt, von heute auf morgen eine 180° Wende zu machen. Seine Persönlichkeit sucht man sich nunmal nicht aus und es erfordert harte Arbeit und Zeit herauszufinden, wie am besten geführt werden kann und welcher charakterlichen Anpassungen es eventuell bedarf. Für langfristigen Führungserfolg hat sich über die letzten Jahre die authentische Führung als das Mittel der Wahl herauskristallisiert, da Authentizität und ethisches Verhalten am Arbeitsplatz wahrgenommen und von Mitarbeitern entsprechend widergespiegelt werden.

Im Bezug auf die Mitarbeiterauswahl ist es wichtig, schon bei den Bewerbungsmaterialien auf Anzeichen der dunklen oder hellen Seite Ausschau zu halten. Aus den genannten Gründen gilt es zu jedem Zeitpunkt abzuschätzen, welcher Kurs gerade zu ihrem Unternehmen passt, grundsätzlich lässt sich jedoch sagen, Extreme sind niemals eine langfristig gute Lösung.

Quellen:

(1): Christie, R., & Geis, F. L. (1970). Studies in machiavellianism. New York: Academic Press.
(2): Lee, K., & Ashton, M. C. (2005). Psychopathy, Machiavellianism, and narcissism in the five- factor model and the HEXACO model of personality structure. Personality and Individual Differences, 38(7), 1571–1582.
(3): Boddy, C. R. (2011). Corporate psychopaths. London: Palgrave Macmillan.
(4): DeShong, H. L., Grant, D. M., & Mullins-Sweatt, S. N. (2015). Comparing models of counterproductive workplace behaviors: the Five-Factor Model and the dark triad. Personality and Individual Differences, 74, 55–60.

Foto/Thumbnail: ©istock.com/ajr_images

Über den Autor

Porträtfoto von Oliver Wüntsch, Coach

Oliver Wüntsch Oliver Wüntsch (Jahrgang 1968) ist Business Coach und unterstützt seit mehr als 12 Jahren Unternehmer und Führungskräfte. Er begleitet Menschen, die ein eigenes Business starten möchten, bei den ersten Schritten in die Selbstständigkeit und beim Aufbau eines funktionierenden Geschäftsmodells. Agile und schlanke Arbeitsprinzipien sind für ihn die wirkungsvollste Antwort auf die zunehmende Digitalisierung der Märkte. redplane.de
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