Carbon Footprints: So gelingt die Erstellung für Ihr Unternehmen
Der CO2-Fußabdruck

Carbon Footprints: So gelingt die Erstellung für Ihr Unternehmen

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Klimaschutz, Treibhausgase und deren Wirkungen dominieren die Medienwelt. Dabei entwickelt sich die Wahrnehmung und Betrachtung des Klimawandels zunehmend international, kein Politiker, kein Unternehmer und keine verantwortungsbewusste Privatperson kann sich heute noch dem Thema entziehen. Doch ungeachtet der nach wie vor kontroversen Diskussionen rund um die Notwendigkeit von Klimaschutz wird immer deutlicher, dass eine zielführende Herangehensweise nur mit der erforderlichen systematischen Basis gelingen kann. Diese Grundlage bildet der Carbon Footprint.

Das verbirgt sich hinter dem Klima-Fußabdruck

Ob wir nun von einer Treibhausgasbilanzierung, einem Klima-Fußabdruck oder einem Carbon Footprint sprechen, es geht immer um die gleiche Bestandsaufnahme der klimarelevanten Emissionen einer Aktivität, eines Produkts, einer Organisation, einer Stadt oder eines Landes. Mit dieser Erhebung lässt sich transparent darstellen, in welchem Maße der Betrachtungsbereich zum Klimawandel beiträgt. So unterschiedlich der Fokus eines solchen Klima-Fußabdrucks sein kann, so einfach ist seine Definition: In der öffentlichen Diskussion wird unter dem Carbon Footprint die Menge an Treibhausgasemissionen verstanden, die von einem vorab definierten Betrachtungsbereich verursacht werden. Ergebnis des Carbon Footprintings ist eine übersichtliche Darstellung der Treibhausgasemissionen, beispielsweise eines Unternehmens.

Beispiel: Der Klima-Fußabdruck eines typischen Beratungsunternehmens

Carbon Footprint

Die zentrale Messgröße des Carbon Footprint: Treibhausgasemissionen

Das einfache Verständnis eines Carbon Footprints darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie kompliziert es in der Praxis sein kann, die relevanten Treibhausgase zu messen und zusammenzuführen. Denn es geht nicht allein um Kohlenstoffdioxid CO2. Die Herausforderung liegt deshalb zunächst darin, die verschiedenen Treibhausgase so zu normieren, damit ein einheitlicher Vergleichswert entsteht.

Vom Treibhauspotenzial zum Carbon Footprint

Bereits 1997 wurden die ersten Treibhausgase klar abgegrenzt und definiert, heute kennen wir über 80 verschiedene Gase, die das Klima nachweislich schädigen. Doch nicht jedes Gas wirkt in gleichem Maße auf die Erwärmung der Erdatmosphäre. Methan zum Beispiel trägt pro emittiertem kg um den Faktor 28 stärker zum Treibhauseffekt bei als die gleiche Masse des wichtigsten Treibhausgases CO2. Deshalb wurde für Methan ein Treibhauspotential bzw. Global Warming Potential (GWP) von 28 definiert.

Die Umrechnung der Klimagase erfolgt somit auf einen einheitlichen Faktor, der der Klimawirksamkeit von CO2 entspricht. In einem Carbon Footprint wird folglich das Treibhauspotenzial von einem kg Methan in 28 kg CO2e (oder auch CO2Äq) angegeben. CO2e steht hierbei für CO2-equivalent, CO2Äq für CO2-Äquivalent.

Ermittelt und veröffentlicht werden die GWPs der einzelnen Treibhausgase vom Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC) über den jeweils aktuellen Zustandsbericht (Assessment Report). Die aktuellen Werte des fünften Zustandsberichts AR5 finden heute als internationale Grundlage für die Berechnung von Carbon Footprints Verwendung.

Sobald Sie also alle Treibhausgasemissionen Ihres Unternehmens kennen, können Sie auf diese Art mit geringem Aufwand den entsprechenden Carbon Footprint erstellen. In der Realität liegt die Herausforderung jedoch vielmehr darin, die relevanten Triebhausgasemissionen zuverlässig zu ermitteln.

Auch ohne die genaue Messung von Treibhausgasen ist eine Berechnung des Carbon Footprint möglich

Wenn Sie das obige Beispiel des Carbon Footprint eines Beratungsunternehmens genauer in Augenschein nehmen, fällt schnell auf, dass es für bestimmte Betrachtungsbereiche nahezu unmöglich erscheint, die genauen Treibhausgasemissionen selbst zu erfassen. Was beim Gasverbrauch der eigenen Heizung oder beim Treibstoffverbrauch eines PKW noch machbar ist, scheidet bei den Flugreisen, beim Papierverbrauch oder gar beim Einsatz elektrischen Stroms weitgehend aus: Die eigenständige Messung oder anderweitige Ermittlung der Treibhausgasemissionen.

Doch auch hierfür stellt uns die Wissenschaft Daten und Hilfsmittel zur Verfügung, die Sie für Ihre Berechnungen nutzen können. Denn mit den sogenannten Emissionsfaktoren können auch ganze Aktivitäten, Produkte oder Dienstleistungen ähnlich einfach in CO2e umgerechnet werden, wie Treibhausgasemissionen.

Für Ihren Stromverbrauch bietet es sich beispielsweise an, den Emissionsfaktor des Strom-Mix in Deutschland zugrunde zu legen. Dieser betrug gemäß Ermittlung des Umweltbundesamts im Jahr 2019 401 g CO2e pro kWh. Ein Verbrauch von 5.000 kWh trägt demnach mit 2.005 kg CO2e zum Carbon Footprint bei. Ähnliche Emissionsfaktoren finden sich für die Produktion von Büropapier (in CO2e pro kg) oder für Flugreisen (in CO2e pro Flug-km).

In 5 Schritten zum ersten Carbon Footprint

Ein einfacher Carbon Footprint lässt sich somit schnell in fünf Schritten erstellen:

Schritt 1: Erfassen Sie alle direkten Treibhausgasemissionen, die im Unternehmen anfallen. Das sind in der Regel die Emissionen aus dem Einsatz fossiler Energieträger, also Erdgas, Heizöl, Diesel oder Benzin. Auch die Emissionen anderer Treibhausgase wie Methan, Lachgas, FKWs etc. müssen bei dieser Erfassung berücksichtigt werden.

Schritt 2: Berechnen Sie das Treibhauspotenzial CO2e der erfassten Klimagasmengen, indem Sie die Umrechnungsfaktoren des IPCC AR5 heranziehen.

Schritt 3: Erfassen Sie die weiteren klimarelevanten Aktivitäten Ihres Unternehmens, wie den Stromverbrauch, bedeutende Materialverbräuche sowie Mobilität und Transportaktivitäten.

Schritt 4: Berechnen Sie auch hiervon die CO2-Äquivalente CO2e über die Emissionsfaktoren, die ebenfalls vom IPCC oder beispielsweise auch vom Umweltbundesamt zur Verfügung gestellt werden.

Schritt 5: Die Bilanzierung der ermittelten Werte können Sie dann einfach und transparent als Ihren ersten provisorischen Carbon Footprint darstellen.

Diese Normen geben Orientierung

Ein solcher Carbon Footprint kann natürlich im Wirtschaftsumfeld kaum seriös oder belastbar veröffentlicht werden. Hierfür ist die skizzierte Vorgehensweise zu vage. Auch eine eingeschränkte Vergleichbarkeit mit anderen Carbon Footprints kann erst über eine normierte Erfassung und Berechnung sichergestellt werden, die die Berücksichtigung übergreifender Standards erfordert.

Heute haben sich zwei Standards etabliert, die beide als Leitfaden für die Berechnung eines Carbon Footprint herangezogen werden können. Für die Erstellung eines seriösen Carbon Footprint empfehle ich vor allem die ISO-Standards und die Leitfäden des GHG (Greenhouse Gas Protocol):

  • Die ISO 14064 widmet sich der „Quantitativen Bestimmung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen auf Organisationsebene“ und gibt damit die nötige Orientierung, wenn Sie einen Carbon Footprint für Ihr Unternehmen erstellen wollen.
  • Den gleichen Fokus hat das GHG-Protocol, das die Erstellung eines „Corporate Carbon Footprints“ beschreibt.
  • Haben Sie hingegen vor, einen Carbon Footprint für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu erstellen, bieten sich hierfür die ISO 14067 oder die GHG-Protocol Product Initiative an.

Egal, ob Sie sich für die Verwendung der ISO-Normen oder des GHG entscheiden, lege ich Ihnen eine klare Reihenfolge bei der Planung Ihrer Carbon Footprints ans Herz: Erstellen Sie immer zuerst einen Carbon Footprint für Ihr Unternehmen, bevor Sie sich um die Klimabilanzierung Ihrer Produkte oder Dienstleistungen kümmern. Warum ich diese Empfehlung gebe, erkennen Sie nach der Kurzbeschreibung beider Varianten.

Corporate Carbon Footprint: Die Treibhausgasbilanz einer Organisation

Auf den ersten Blick wirkt Ihr Unternehmen äußerst komplex und unübersichtlich – vor allem, wenn es um die vielen direkten oder indirekten Klimaauswirkungen geht, die alle berücksichtigt werden wollen. Dies ist auch der überwiegende Grund, warum so viele Unternehmen das Thema Carbon Footprinting nur widerwillig angehen.

Wenn Sie allerdings strukturiert vorgehen, verliert das Projekt schnell seinen Schrecken. Und diese Struktur müssen Sie nicht einmal selbst erarbeiten. Ein Blick in die ISO- oder GHG-Normen offenbart Ihnen die richtige Vorgehensweise:

  • Zuerst stecken Sie den Betrachtungsrahmen ab, indem Sie die Systemgrenzen für den Carbon Footprint festlegen. Diese Grenzen definieren, welche Organisationseinheiten einbezogen werden und welche Aktivitäten innerhalb dieser Einheiten Sie genauer analysieren. Dabei dürfen Sie gerne mutig agieren, so lange Sie Ihre Entscheidungen begründen können: Lassen Sie bei der ersten Ermittlung alles außen vor, was Ihnen nicht wesentlich erscheint oder worauf Sie ohnehin keinen Einfluss haben.
  • Beginnen Sie dann mit der Ermittlung der Treibhausgasemissionen. Konzentrieren Sie sich zunächst auf die direkten Emissionen, also die Treibhausgase, die von Ihrer Organisation emittiert werden.
  • Danach werden die indirekten Treibhausgasemissionen betrachtet. Zwingend erforderlich ist hierbei die Berücksichtigung der eingekauften nutzbaren Energie, also elektrischer Strom, Fernwärme, Druckluft etc.
  • Als weitere indirekte Emissionen können je nach Relevanz folgende Betrachtungsbereiche einbezogen werden: Transporte, eingekaufte Vorprodukte, Rohstoffe und Material, bezogene Dienstleistungen, die Nutzung von Produkten, Geräten, Maschinen etc. und andere indirekte Quellen von Treibhausgasemissionen.
  • Nach der Datenermittlung müssen dann die Berechnungsmethoden, vor allem Treibhausgaspotenziale und Emissionsfaktoren, ermittelt und ausgewählt werden.
  • Mit dieser Basis können Sie sich an die Berechnung des Carbon Footprints machen.

Wenn Sie bereits Erfahrung mit der Anwendung anderer ISO-Normen wie z. B. der ISO 9001 haben, werden Sie sich schnell in den Standards für Carbon Footprinting zurechtfinden. Planen Sie aber genügend Zeit für das Projekt ein. Selbst ein erfahrenes Team wird für die Erstellung eines Carbon Footprints für Ihr Unternehmen einige Monate benötigen.

Carbon Footprint eines Produkts

So übersichtlich ein Produkt aus Sicht des Klimaschutzes auf den ersten Blick wirken mag, so kompliziert ist die Erstellung eines Product Carbon Footprints, also des Klima-Fußabdrucks für ein Produkt. Denn um die Klimawirkung eines Produktes oder einer Dienstleistung abschätzen zu können, müssen Sie zwingend den gesamten Produktlebensweg in der Betrachtung berücksichtigen. Und der beginnt bereits bei der Rohstoffgewinnung und schließt die Konstruktion und Produktion des Produktes genauso ein wie die Distribution. Darüber hinaus müssen auch die Treibhausgasemissionen in der Nutzungsphase und bei der Entsorgung vollständig in den Carbon Footprint einfließen.

Wenn man nun bedenkt, wie viele Unternehmen, Transporteure und Nutzer den Produktlebensweg gestalten und begleiten, erkennt man schnell, dass jedes dieser Unternehmen zuerst einen Carbon Footprint für die eigene Organisation erstellen müsste, um seinen Beitrag zum Carbon Footprint des Produktes ermitteln zu können. Darüber hinaus muss bei der Erstellung eines Product Carbon Footprint sehr viel akribischer und genauer gearbeitet werden, um mit dem Ergebnis eine Vergleichbarkeit zu anderen Produkten schaffen zu können. Denn solche Vergleiche tangieren immer auch das Wettbewerbsrecht.

Deshalb meine Empfehlung: Kümmern Sie sich zuerst um den Carbon Footprint Ihres Unternehmens, dann um Ihren Beitrag zum Carbon Footprint Ihrer Produkte. Dann erst macht es Sinn, auch die vor- und nachgelagerten Stufen des Produktlebenswegs in die Betrachtung einfließen zu lassen.

Fazit: Carbon Footprint – eine umsetzbare Herausforderung

Klimaschutz ist das neue Boom-Thema in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen: Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Konsum und Privatleben. Dabei bildet das Instrument des Carbon Footprinting aktuell die einzige sinnvoll nutzbare Basis, um die Herausforderung Klimawandel strukturiert angehen zu können. Das Konzept ist einfach, die Umsetzung erfordert jedoch ein systematisches Vorgehen. Unsere Empfehlung: Beginnen Sie mit einem Corporate Carbon Footprint für Ihr Kerngeschäft anhand der Vorgaben der ISO 14064 oder unter Beachtung des GHG Protocols. So gelingt Ihr erster Carbon Footprint sicher und mit seriösem Ergebnis.

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