Wie Führungskräfte, HR-Expert:innen und Tech-Entscheider die Personal-Trends 2026 bewerten
2026 wird zum Wendepunkt der Arbeitswelt: Führung entschleunigt sich, Kultur wird zum Wirtschaftsfaktor und Technologie zum Qualitätshebel. Expert:innen aus HR, Gesundheit und Tech zeigen: Stabilität, Sinn und Menschlichkeit gewinnen klar an Bedeutung. Unternehmen, die Orientierung geben, Wertschätzung leben und KI verantwortungsvoll nutzen, schaffen Arbeitsumfelder, in denen Fortschritt und Motivation nachhaltig wachsen.
Warum 2026 das Jahr der entschleunigten Führung wird
Dr. Miriam von Felbert, Director good healthcare group

Dr. Miriam von Felbert, Director good healthcare group
2026 wird das Jahr, in dem Führung wieder Raum bekommt. Teams brauchen Führungskräfte, die Stabilität, Ruhe und Sicherheit schaffen — und selbst vor Überlastung geschützt werden. Denn während Anforderungen und Verantwortung steigen, geht es nicht um mehr Geschwindigkeit, sondern darum, Resilienz, Energie-Management und Kapazitätsdesign gezielt zu stärken und zu gestalten. Führungskräfte, die diese Fähigkeiten verankern, stärken nicht nur ihre Teams, sondern auch ihre eigene Wirksamkeit. Gleichzeitig rückt die Kultur stärker denn je in den Mittelpunkt. Sie ist ein Gefühl, kein Projekt und entsteht dort, wo Führung Emotionskompetenz genauso ernst nimmt wie die Strategie. Nur so entsteht ein Umfeld, in dem Menschen gesund arbeiten, mutig entscheiden und ihr Potenzial entfalten können.
Talente suchen Arbeit, die zu echten Zukunftslösungen beiträgt
Jessica Hiltermann, Vorstand der Vanguard AG

Jessica Hiltermann, Vorstand der Vanguard AG
Purpose wird 2026 immer stärker an die Frage geknüpft, ob Arbeit einen nachvollziehbaren Beitrag zu einer größeren Zukunftsaufgabe leistet. Besonders technikaffine Talente achten darauf, ob ihr Know-how dort eingesetzt wird, wo Effizienz, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit zusammenkommen. Das Bedürfnis: nicht nur Teil eines Unternehmens zu sein, sondern Teil einer Lösung. Organisationen punkten, wenn sie zeigen, an welchen konkreten Herausforderungen sie arbeiten – und wie jede Rolle zu langfristigen Fortschritten beiträgt. Dafür müssen Unternehmen transparent kommunizieren, welche technologischen und gesellschaftlichen Ziele sie verfolgen und welche Teams daran mitwirken. Gleichzeitig brauchen Mitarbeitende Perspektiven, die zeigen, wie sie ihren Beitrag im Unternehmen weiterentwickeln können.
Change Management im Wandel: Moderne Klinikstrukturen brauchen Vertrauen statt Kontrolle
Christoph Stancke, Geschäftsführer & Managing Director (CDO) Bergman Clinics Germany

Christoph Stancke, Geschäftsführer & Managing Director (CDO) Bergman Clinics Germany
Klinikverbünde und Konsolidierungen gelten im Gesundheitswesen als Antwort auf wachsende Belastungen: Sie schaffen Effizienz, bündeln Ressourcen und fördern Innovation. Gleichzeitig eröffnen sie die Chance, Arbeitsbedingungen zu verbessern und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden langfristig zu stärken. Damit das gelingt, braucht es jedoch eine neue Art der Führung. Statt top-down organisierte Veränderungsprozesse zu diktieren, sind Strukturen gefragt, die Beteiligung, Vertrauen und Eigenverantwortung fördern.
Wenn betroffene Mitarbeiter:innen in Entscheidungen eingebunden werden – etwa bei der Prozessoptimierung oder der Einführung digitaler Tools – steigt nicht nur die Akzeptanz, sondern auch die Motivation. Offene Kommunikation, regelmäßiges Feedback und transparente Ziele helfen, Unsicherheit zu reduzieren und Stress zu vermeiden. So wird Wandel nicht zur zusätzlichen Belastung, sondern zu einem Motor für bessere Zusammenarbeit, höhere Zufriedenheit und mehr Innovationskraft im Gesundheitswesen.
Wo KI entlastet, bekommt Recruiting eine neue Qualität
Dominik Faber, Product & Tech Paul’s Job

Dominik Faber, Product & Tech Paul’s Job
Die größte Herausforderung im Recruiting liegt heute nicht im Finden, sondern im effizienten Verarbeiten von Bewerbern. Agentische KI wird 2026 vor allem dort relevant, wo High-Volume-Prozesse ins Stocken geraten – bei Screening, Dokumentenprüfung und Terminierung via WhatsApp, SMS oder Voice. So entsteht Recruiting in Echtzeit: 24/7 erreichbar, DSGVO-konform, menschlich in der Ansprache und ohne Kontrollverlust. KI ersetzt dabei keine Recruiter – sie gibt ihnen die Zeit zurück, die sie wirklich für Menschen brauchen. Das Ergebnis: mehr Qualität in der Auswahl und eine Candidate Experience, die begeistert. Wer KI im Recruiting also richtig einsetzt, gewinnt nicht nur Zeit, sondern auch das Vertrauen der besten Talente.
Menschlichkeit als Wirtschaftsfaktor: Warum Familienunternehmen 2026 die besseren Arbeitgeber sind
Thomas A. Zenner, Gründer Family Office 360grad

Thomas A. Zenner, Gründer Family Office 360grad. Foto: Family Office 360grad
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit zeigt sich, worauf es wirklich ankommt: Vertrauen, Zusammenhalt und eine klare Haltung. Während Konzerne in Krisen oft in anonymen Sparprogrammen und kurzfristigen Strategien verharren, handeln Familienunternehmen langfristig – mit echtem Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihren Mitarbeitenden. Entscheidungen fallen nicht nur nach Quartalszahlen, sondern nach Prinzipien, die häufig über Generationen gewachsen sind. 2026 wird deshalb das Jahr, in dem sich Menschlichkeit als harter Wirtschaftsfaktor etabliert. Familienunternehmen, die Nähe zulassen, transparent kommunizieren und ihren Mitarbeitenden auch in schwierigen Zeiten Sicherheit und Sinn vermitteln, gewinnen nicht nur Loyalität, sondern auch Motivation. HR wird dabei zur Brücke zwischen Tradition und Zukunft: Es geht darum, Werte erlebbar zu machen und eine Kultur zu fördern, in der Menschen nicht nur funktionieren, sondern sich zugehörig fühlen. Genau das schafft Stabilität, die keine Kennzahl messen kann.
Wertschätzung schafft Stabilität in unsicheren Zeiten
Nora Feist, CEO Mashup Communications

Nora Feist, CEO Mashup Communications. Foto: Mashup Communications
Führung war selten so herausfordernd wie heute: KI verändert Arbeitsweisen, hybride Zusammenarbeit erfordert neue Formen der Nähe und gesellschaftliche Dynamiken stellen neue Anforderungen an Kommunikation und Haltung. Genau deshalb wird Wertschätzung 2026 zu einem zentralen Hebel der Unternehmenskultur. Mitarbeitende brauchen Orientierung, Zugehörigkeit und sichtbare Anerkennung, um in dieser dynamischen Zeit handlungsfähig zu bleiben. Erfolgreiches Employer Branding entsteht dort, wo Werteprogramme im Alltag spürbar werden: durch klare Rituale, respektvolle Feedbackformate und transparente Führung. So wird Employer Branding 2026 zu einer kontinuierlichen Führungsaufgabe, die echte Vertrauensräume schafft, wirksame Bindung ermöglicht und langfristige Attraktivität im Team stärkt.
Wenn Wissen wirkt: KI-Kompetenz ist der echte Effizienz-Booster
Daniel Hikel, General Manager DACH Optimizely

Daniel Hikel, General Manager DACH Optimizely. Foto: Optimizely
Die größte Herausforderung beim Einsatz von KI ist, dass Mitarbeitende sie richtig bedienen können. Ohne Verständnis für die Technologie und präzises Prompting bleibt das Potenzial ungenutzt. Schulungen und Trainings sind daher essenziell, ergänzt durch die Begleitung von Teams und Kunden sowie die gemeinsame Entwicklung von KI-Agenten zur Automatisierung. Die Chancen liegen in Effizienzsteigerung, verkürzter Time-to-Market und der Automatisierung monotoner Aufgaben, sodass mehr Raum für Strategie entsteht. Datenanalysen erfolgen in Minuten statt Stunden.
Remote-First: Globale Teams als neue Chance
David Matthaei, Co-Founder und CEO bei service.health

David Matthaei, Co-Founder und CEO bei service.health. Foto: service.health
Remote-First verändert aktuell die Art, wie Unternehmen im Gesundheitswesen Talente gewinnen. Durch internationales Recruiting öffnen sich Fachkräftepools, die weit über den deutschen Markt hinausgehen. Spannend ist, dass dafür keine große globale Marke nötig ist: Das internationale Vertrauen in deutsche Arbeitgeber reicht oft aus, um weltweit Top-Absolvent:innen anzuziehen. Verteilte Teams über mehrere Zeitzonen ermöglichen zudem ein echtes Follow-the-Sun-Development. So können Projekte kontinuierlich vorangetrieben werden, mit mehr Geschwindigkeit und zusätzlicher Innovationskraft. In einer Branche, die dringend Expertise und Tempo braucht, wird Remote-First damit zu einem wichtigen strategischen Vorteil.
Bildnachweis: Bergman Clinics Germany, good healthcare group, Paul’s Job, Mashup Communications, service.health

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