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Chatbots werden für viele zur emotionalen Bezugsperson
KI und Beziehungen

Chatbots werden für viele zur emotionalen Bezugsperson

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Künstliche Intelligenz verändert Beziehungen und Kommunikation spürbar. Eine Studie zeigt: Für viele sind Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Claude mehr als Tools – sie werden zu Gesprächspartnern oder emotionalen Bezugspersonen. Besonders Jüngere nutzen KI zunehmend im privaten Umfeld.

Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig: Sie hört zu, gibt Rat und widerspricht selten – und übernimmt zunehmend Rollen, die bislang Menschen vorbehalten waren, etwa in Familie, Freundschaft und Partnerschaft. 26 Prozent der Nutzer empfinden Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Claude als digitale Bezugsperson, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 32 Prozent. 11 Prozent fühlen emotionale Verbundenheit, ebenso viele Männer können sich vorstellen, dass KI reale Liebe ersetzt. Das zeigt eine aktuelle Bitkom-Studie. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) erwartet, dass KI menschliche Beziehungen in den nächsten zehn Jahren grundlegend verändert – insbesondere bei jüngeren Menschen ist ihr Einfluss bereits deutlich spürbar. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder betont, dass KI zunehmend in Bereiche von Nähe und Vertrauen vordringt und zentrale gesellschaftliche Fragen zu Authentizität, Transparenz und zwischenmenschlichem Austausch aufwirft.

1. KI als Beziehungscoach

Künstliche Intelligenz gewinnt auch im zwischenmenschlichen Bereich an Bedeutung: 18 Prozent der Nutzer setzen Chatbots wie ChatGPT bei Fragen zu Familie, Freundschaft oder Partnerschaft ein – etwa zum Formulieren sensibler Nachrichten, zur Konfliktklärung oder bei Themen wie Eifersucht und Trennung. Besonders verbreitet ist dies bei Jüngeren (37 Prozent unter 30, 31 Prozent bei 30–39), während die Nutzung ab 40 deutlich abnimmt (17 Prozent bzw. 5 Prozent Ü50). Rund drei Viertel der Anwender bewerten die Unterstützung dabei positiv.

Auch für persönliche Themen wird KI häufig genutzt: 32 Prozent setzen sie im Jobkontext zur Persönlichkeitsentwicklung oder Stressbewältigung ein, 20 Prozent für mentale Gesundheit (z. B. bei Ängsten oder Einsamkeit) und 16 Prozent zur Selbstreflexion, etwa als digitales Tagebuch.

2. KI-Kommunikation wirkt für viele befremdlich

Beim Einsatz von KI in der direkten Kommunikation zeigt sich ein ambivalentes Bild: 61 Prozent empfinden es als befremdlich, wenn ihr Gegenüber mithilfe von KI kommuniziert, und 40 Prozent glauben, solche Antworten erkennen zu können. Gleichzeitig sehen viele konkrete Vorteile: 24 Prozent nutzen Tools wie ChatGPT, um in Konflikten klarer zu formulieren, 17 Prozent verlassen sich bei schwierigen Gesprächen zunehmend auf KI, und 15 Prozent konnten damit bereits einen Streit beilegen. Laut Bernhard Rohleder kann KI zwar Konflikte entschärfen, berührt im direkten Austausch jedoch sensible Fragen nach Echtheit, Nähe und Vertrauen.

Einfluss von KI auf zwischenmenschlicher Kommunikation

Einfluss von KI auf zwischenmenschlicher Kommunikation

3. Künstliche Intelligenz dringt in die Gefühlswelt vor

KI wird zunehmend zum emotionalen Bezugspunkt: 38 Prozent der Nutzer fühlen sich von Anwendungen wie ChatGPT häufig gut verstanden (unter 30-Jährige: 50 Prozent). 20 Prozent vertrauen der KI Dinge an, die sie keinem Menschen erzählen würden (U30: 32 Prozent), und 26 Prozent empfinden sie als digitale Bezugsperson (U30: 32 Prozent). 11 Prozent berichten von emotionaler Verbundenheit (U30: 15 Prozent), während 14 Prozent zugleich die Sorge haben, abhängig zu werden (U30: 16 Prozent).

Parallel verändert KI die Kommunikation: Für 21 Prozent hat sie bereits Einfluss darauf genommen, und 26 Prozent sagen, sie sei „immer da“ – teils verlässlicher als ein Mensch. Besonders Jüngere nutzen KI damit als eine Art geschützten Gesprächsraum. Laut Bernhard Rohleder entsteht so eine neue Form digitaler Vertrautheit, bei der KI weit über ihre ursprüngliche Funktion als Werkzeug hinausgeht.

Künstliche Intelligenz dringt in die Gefühlswelt vor

Künstliche Intelligenz dringt in die Gefühlswelt vor

4. KI-Avatare – Männer sind offener als Frauen

Nach Chatbots folgt die nächste Entwicklungsstufe: KI-Avatare (AI-Companions), also digitale Begleiter in Apps, mit denen Nutzer eine virtuelle Beziehung aufbauen können. 18 Prozent können sich vorstellen, solche Avatare zu nutzen – Männer deutlich häufiger (23 Prozent) als Frauen (13 Prozent). Bereits genutzt werden sie von 5 Prozent der Männer und 4 Prozent der Frauen.

KI-Avatare sind  international bereits verbreitet und entwickeln sich zunehmend vom Nischen- zum potenziellen Massenphänomen – auch in Deutschland, wenn auch mit gemischten Reaktionen. (Bernhard Rohleder, Bitkom)

Auch die Haltung dazu unterscheidet sich: 77 Prozent der Frauen (Männer: 69 Prozent) sehen es kritisch, wenn KI in Liebesbeziehungen vordringt, und 76 Prozent (Männer: 68 Prozent) finden emotionale Bindungen zu KI-Avataren befremdlich. Gleichzeitig sind Männer offener: 26 Prozent sind neugierig auf KI-Romantik (Frauen: 17 Prozent), 15 Prozent halten Gefühle für KI für möglich (Frauen: 10 Prozent), und 11 Prozent können sich vorstellen, dass KI reale Beziehungen ersetzt (Frauen: 4 Prozent).

KI – Chance oder Risiko für Beziehungen und Freundschaften?

Die Auswirkungen von KI auf zwischenmenschliche Beziehungen werden überwiegend kritisch gesehen: 65 Prozent betrachten sie eher als Risiko, nur 22 Prozent als Chance. Gleichzeitig erwarten 54 Prozent innerhalb der nächsten zehn Jahre einen grundlegenden Wandel – bei den unter 30-Jährigen sogar 63 Prozent.

Laut Bernhard Rohleder ist KI längst im privaten Alltag angekommen, doch ihre langfristigen Folgen für Freundschaft und Liebe sind noch unklar. Damit rücken zentrale Fragen in den Fokus: Was bedeutet Nähe, wenn sie jederzeit verfügbar ist? Verändert sich unsere Bereitschaft, für andere da zu sein? Wie viel emotionale Bindung zu Maschinen ist wünschenswert – und woran erkennen wir künftig noch echte menschliche Kommunikation?

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