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Tipps und Regeln für einen gelungenen Small Talk

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sind auf einem Kongress. Dort begegnen Sie vor dem Lift dem Geschäftsführer einer Firma, den Sie gern als Kunden hätten. Ihr Hirn arbeitet fieberhaft: Was könnte ich Geistreiches sagen?

Mehr als ein schüchternes „Guten Tag” fällt Ihnen aber nicht ein. Der andere verabschiedet sich von Ihnen mit einem kurzen Kopfnicken. Sie ärgern sich. Es ist im Grunde so leicht mit anderen ins Gespräch zu kommen, wenn…ja, wenn es gelingt, das Eis zu brechen.

Small Talk Tipp 1: Das Kompliment

Erinnern Sie sich an den letzten Besuch eines Versicherungsvertreters? Hat er Sie gleich bestürmt: „Ich habe da ein ganz tolles neues Produkt!” Wahrscheinlich erwähnte er Ihre tolle Wohngegend, bewunderte die geschmackvolle Einrichtung, streichelte Ihren Hund und erzählte Ihnen, dass sein eigener Vierbeiner Secco heißt. Mit diesem Einstieg hatte er relativ sicher Ihre Sympathien gewonnen.

Begegnet nicht jeder von uns gerne Menschen, die ihn durch ein Kompliment in eine gute Stimmung versetzen und für ein angenehmes Gesprächsklima sorgen? Schon Mark Twain wusste: „Von einem guten Kompliment kann ich zwei Monate leben.” Wir Deutschen tun uns schwer mit Loben und sind deshalb auch, was verbale Nettigkeiten anbelangt, eher zugeknöpft.

Eines sollten Sie bei Komplimenten in jedem Fall beachten:

  • Sie sollten aufrichtig gemeint sein
  • Sie sollten nicht zu dick auftragen, denn wer übertreibt wirkt unglaubwürdig
  • Sie sollten bei anderen keine Neidgefühle hervorrufen.

Small Talk Tipp 2: Gemeinsames Hervorheben

Bleiben Sie im Small Talk so lange wie möglich bei den Gemeinsamkeiten und umgehen Sie alles Trennende!

Das Diskutieren über Meinungsverschiedenheiten löst unweigerlich ein wechselseitiges Argumentieren aus. Jeder versucht den anderen von seinen Ansichten zu überzeugen. Schnell beißen Sie sich in einem Streit fest. Tabuthemen sind deshalb alles, was polarisiert, also Krankheit, Krise, Politik oder Religion.

Eine Binsenweisheit der praktischen Psychologie lautet: Nicht einmal Zwillinge sind in ihrer Persönlichkeit hundertprozentig identisch. Umgekehrt bedeutet das: Es gibt keine zwei Leute, und seien sie noch so verschieden, die nicht wenigstens in einigen Punkten übereinstimmender Auffassung sind. Selbst ein sechzigjähriger Manager und eine sechzehnjährige Punkerin könnten sich z. B. darauf einigen, dass Kinder ohne Zwänge und Prügel aufwachsen sollten, dass ihr eigener Hund eine treuere Seele hat als die meisten Mitmenschen, dass das Leben in der Großstadt spannender ist als jede Dorfidylle.

Bitte rufen Sie sich immer wieder in Erinnerung: Menschen sind verschieden. Jeder sieht die Welt durch seine Brille. Akzeptieren Sie deshalb, dass jeder einfach ein Recht darauf hat, anders zu denken, anders zu fühlen, anders zu handeln als Sie selbst.

Small Talk Tipp 3: Humor

Von dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan stammt der Satz: „Die besten vertrauensbildenden Ouvertüren sind die, bei denen es gelingt, gemeinsam zu schmunzeln, vielleicht sogar zu lachen.” Recht hat er. Bringe einen Menschen zum Lachen und du hast sein Herz gewonnen, wer hat diese Erfahrung noch nicht gemacht? Der Schriftsteller Curt Goetz meint: „Humor ist nicht erlernbar. Neben Geist und Witz setzt er vor allem ein großes Maß an Herzensgüte voraus, an Geduld, Nachsicht und Menschenliebe.”

Was also tun, wenn der Humor nicht gerade zu Ihren Stärken zählt?

  • Bringen Sie eine heitere Stimmung mit.
  • Setzen Sie sich nicht unter Druck, Sie müssen keinem irgend etwa beweisen.
  • Vergessen Sie allen Ärger des Tages. Ärger ist Gift für Ihre Seele.
  • Interessieren Sie sich ernsthaft für Ihren Small Talk Partner. Lachen Sie ihn an!
  • Erzählen Sie von einem lustigen Missgeschick, das Ihnen kürzlich widerfahren ist. Lachen Sie über sich selbst!

Untersuchungen haben gezeigt: Schon in den ersten 20 Minuten wird durch häufiges Lachen geklärt, wer sich innerhalb der Gruppe am sympathischsten ist. Das Lachen zeigt an, dass zwei Menschen sich freundlich gesonnen sind, dass sie sich gegenseitig zustimmen, also eine Basis an Gemeinsamkeiten haben. Deshalb bezeichnen viele Wissenschaftler das Lachen auch als soziales Schmiermittel oder als Klebstoff.

Small Talk Tipp 4: Fragen stellen

Small Talk Beispiele für eher privaten Partys:

  • „Ob wir heute trocken nach Hause kommen?”
  • „Wie war es auf Ibiza?”
  • „Eiswürfel habe ich gefunden. Aber wo der Whisky versteckt ist …?”

Small Talk Beispiele für offizielle Veranstaltungen:

  • „Sie sagten vorhin, Sie kommen aus … Da haben Sie sicher eine lange Fahrt hinter sich?”
  • „Sagen Sie, seit wann beschäftigen Sie sich schon mit …?”
  • „Das Programm ist wirklich interessant – aber je länger es dauert, desto größer ist am Ende der Hunger, nicht wahr?” (Beim Anstehen am Büfett).

Wichtig: Fragen dürfen nicht zum Verhör ausarten. Vermeiden Sie deshalb Kettenfragen. Begründen Sie im Zweifelsfall Ihre Frage.

Small Talk Tipp 5: Die perfekte Einstiegsfrage

„Grüß Gott, Frau Köpp, lange nicht mehr gesehen, wie geht es Ihnen?”
„Danke, gut. Und selbst?”
„Auch gut. Danke der Nachfrage.”

Und schon ist der Gesprächsstoff ausgegangen. Dabei könnte es jetzt erst richtig interessant werden. Wie vermeidet man solche Sackgassen? Erweitern Sie die Standardfloskel „Wie geht’s?” durch einige Zusatzfragen. Greifen Sie dabei auf etwas zurück, das der Situation angemessen ist.

  • Einstiegsfrage Beispiel 1: „Wie geht’s? Wie ich erfahren habe, sind Sie kürzlich Oma geworden? Ist das Ihr erstes Enkelkind, Junge oder Mädchen?”
  • Einstiegsfrage Beispiel 2: „Guten Tag, Herr Maier, wie geht’s? Wie schön, Sie hier in der Allianz Arena zu treffen! Sind Sie ein Freund des FC Bayern? … Was meinen Sie, wer heute gewinnt?…”

Auf diese Weise lässt sich ein angenehmer Small Talk entwickeln, der dann sogar in ein intensives Gespräch übergehen kann. Wichtig: Gut zuhören, was der andere sagt!

Wie können Sie Ihrerseits dem „Wie geht’s?” fragenden Gesprächspartner zu weiteren Nachfragen anregen?

Antworten Sie nicht mit „Danke, gut”, sondern zum Beispiel mit „Oh, vielen Dank, mir ist es schon lange nicht mehr so gut gegangen…” und schon kann der Small Talk wesentlich interessanter werden, vorausgesetzt Ihr Gegenüber greift diese Bemerkung auf. Wenn nicht, können auch Sie jetzt zu einer Gegenfrage übergehen: „Und Ihnen, wie geht’s denn selbst, alles okay?”

Falls Sie Details aus der jüngsten Vergangenheit Ihres Gegenübers kennen oder auf den jetzigen Augenblick eingehen wollen, dürfen Sie gezielt danach fragen. Sie können auch selbst ein Statement wie beispielsweise dieses einbringen: „Danke, gut! Ich bin gerade dabei, meinen Urlaub zu planen…” Versuchen Sie mit Ihrer Antwort den weiteren Gesprächsverlauf zu steuern: „Danke, gut. Allerdings gibt es vor dem Geburtstag meines Mannes noch viel zu erledigen. Ich habe mir ein ganz besonderes Geschenk überlegt.” Oder: „Danke, super! Wir haben endlich für unseren Sohn in München eine Wohnung gefunden, ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben!”

Small Talk Tipp 6: Der souveräne Gesprächsabschluss

Beim Small Talk gilt die Fünfminutenregel. Brechen Sie das Gespräch also nach spätestens fünf bis zehn Minuten erst einmal ab. Wollten Sie als routinierter Small Talker nicht möglichst viele interessante neue Leute kennen lernen? Schon allein aus diesem Grund verbieten sich stundenlange Unterhaltungen mit nur einer Person. Beim souveränen Gesprächsabschluss helfen Ihnen folgende Punkte:

  • Beenden Sie das Gespräch positiv, aber eindeutig: „Es hat mich gefreut, Sie kennen zu lernen. Vielleicht können wir ein anderes Mal dieses Thema vertiefen? Ich habe nämlich dort drüben Herrn Dr. Meyer entdeckt, den ich schon seit langem sprechen wollte. Noch einen schönen Abend und vielen Dank für das Gespräch!”
  • Gebrauchen Sie eine Notlüge: „Meine Tochter hat heute Geburtstag. Ich habe ihr versprochen, pünktlich zu sein.”
  • Reichen Sie Ihren Gesprächspartner weiter: „Kommen Sie, ich mache Sie mit Frau Benedetti bekannt. Sie ist genau so wie Sie ein Fan der französischen Küche.”
  • Ein Motiv aus dem Gesprächsanfang aufgreifen: „Sie hatten zu Beginn gesagt, dass Sie nach Mallorca fliegen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Urlaub und würde mich freuen, wenn wir bei der nächsten Gelegenheit den Gesprächsfaden wieder aufnehmen könnten.”

Gerhard Reichel

Über den Autor Gerhard Reichel

Gerhard Reichel ist Geschäftsführer des "Institut für Rhetorik" und bietet Trainings für Rhetorik, Dialektik, Schlagfertigkeit und erfolgreich Verhandeln.

1Kommentare

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  1. 1 Marc | 4. September 2009

    „Brechen Sie das Gespräch also nach spätestens fünf bis zehn Minuten erst einmal ab.“

    –> Es kommt aber auch immer darauf an, wie sich das Gespräch entwickelt. Wenn aus einem Small-Talk ein „besserer Talk“ wird, kann man ruhig länger als 10 Minuten reden.

    Gruss
    Marc