Karriere-Tipp

Wie Sie Vortragsredner und Keynote-Speaker werden

1. Klare Zieldefinition
Definieren Sie, bevor Sie Zeit und Geld in Ihre Selbstvermarktung als „Speaker“ investieren, Ihr Ziel: Wollen Sie als Vortragsredner Ihren Lebensunterhalt verdienen oder sollen Ihre Vorträge primär ein Instrument sein, um zum Beispiel größere Trainings- und Beratungsaufträge an Land zu ziehen?

2. Sorgen Sie für Popularität 
Fragen Sie sich, inwieweit Sie aufgrund Ihrer Biografie bereits die nötige Popularität und/oder das nötige Image „Spezialist für …“ haben, um für Organisationen, die Redner engagieren, als solcher attraktiv zu sein. Für die meisten Berater gilt: Sie können sich nur über den Aufbau eines „Expertenstatus“ als Redner profilieren – denn sie sind keine aus Funk und Fernsehen bekannten Celebrities wie Joschka Fischer und Christian Wulff, Ulrich Wickert und Reinhold Messner. Sie sind auch nicht so profilierte und teils polarisierende Wirtschaftsgrößen wie Thomas Middelhoff und Utz Claassen sind.

3. Analysieren Sie die Motive, warum ein Keynote-Speaker arrangiert werden soll
Analysieren Sie, welches der folgenden drei Hauptmotive von Unternehmen, Verbänden und Kongressveranstaltern, einen Redner oder Keynote-Speaker für eine Veranstaltung zu engagieren, Sie mittelfristig befriedigen können.

  • Motiv 1: Der Veranstalter will seinen „Gästen“ zum Beispiel einen schönen Abend bereiten, der ihnen im Gedächtnis haften bleibt. Dann muss der Redner entweder einen gewissen Promi-Status haben, damit die Anwesenden anschließend stolz zu ihren Bekannten sagen können „Ich habe den XY schon mal live erlebt“, oder sein Auftritt muss so spritzig sein, dass die Anwesenden sich zum Beispiel vor Lachen biegen, weshalb sie sich gerne an den Abend erinnern.
  • Motiv 2: Der Veranstalter will die Zuhörer zu einem Umdenken oder bestimmten Verhalten motivieren. Dann muss der Experte aus Veranstaltersicht ein ausgewiesener Experte für das betreffende Thema sein (sei es Vertrieb, Changemanagement oder Motivation), der den Zuhörern etwas zu sagen hat und seine Inhalte so präsentiert, dass er bei ihnen auf offene Ohren stößt.
  • Motiv 3: Der Veranstalter benötigt ein Zugpferd, das den Saal mit zahlenden oder für ihn attraktiven Besuchern füllt. Dann muss der Redner bei den Zielpersonen eine hohe Bekanntheit haben und/oder aus deren Sicht ein ausgewiesener „Experte für …“ sein. Ansonsten verfügt er nicht über die gewünschte Zugkraft.

4. Erneute Zielprüfung
Checken Sie anhand der genannten Motive, einen Redner zu engagieren, nochmals, inwieweit Ihr Ziel, zum Beispiel von Ihren Redner-Honoraren allein Ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, realistisch ist. Provokante These: Bei 98 Prozent aller „Möchtegern-Redner“ ist dies nicht der Fall.

5. Fokussierung auf ein Thema
Definieren Sie als (angehender) Redner ein Thema, für das Sie sich als Experte profilieren möchten – zum Beispiel „Unternehmer werden, Unternehmer sein“. Oder: „Big Deals an Land ziehen“. Oder: „Barrieren überwinden“. Oder: „Konsequenz“. Meiden Sie möglichst so allgemeine Themen wie „Führung“, „Erfolg“ oder „Verkauf“ – außer dies ergibt sich sozusagen zwingend aus Ihrer Biografie. Denn je allgemeiner Ihr Thema ist, umso mehr Mitbewerber haben Sie, und umso schwieriger fällt es Ihnen, sich von diesen abzuheben. Also fällt es Ihnen auch schwer, die für Ihr Redner-Sein nötige Bekanntheit aufzubauen.

6. Definieren Sie Ihre Zielgruppe als Keynote-Speaker
Leiten Sie aus Ihrem Thema ab, bei welchen Organisationen und Personen Sie sich einen Namen machen sollten. Angenommen Ihr Thema wäre „Unternehmer werden, Unternehmer sein“. Dann würden hierzu zum Beispiel alle Verbände zählen, denen die Inhaber vieler kleiner und mittlerer Unternehmen angehören. Erfassen Sie die Entscheider in diesen Organisationen, soweit möglich, adressmäßig und kontaktieren Sie diese – zum Beispiel mittels eines Newsletters – regelmäßig, damit sich Ihr Name verknüpft mit der Botschaft „Spezialist für ..“ und „möglicher Redner für …“ allmählich in deren Köpfen verankert.

7. Definieren Sie Ihre Botschaft
Arbeiten Sie, nachdem Ihr Thema feststeht, daran, Ihre Botschaft „Spezialist für …“ immer stärker zu unterfüttern. Zum Beispiel, indem Sie ein entsprechendes Buch publizieren. Oder indem Sie Artikel in den für Ihre Zielkunden relevanten Medien platzieren, die Sie anschließend als Kompetenznachweise selbstverständlich auf Ihre Webseite stellen und an die Zielpersonen/-organisationen in Ihrer Datenbank mailen.

8. Schritt für Schritt zum großen Ziel
Hoffen Sie nicht auf den Big Bang, dass Sie zum Beispiel von Anne Will oder Markus Lanz als Talkgast eingeladen werden. Denn solche Massenmedien wie Rundfunk und Fernsehen suchen ihre Talkgäste und Interviewpartner ebenfalls nach dem Kriterium aus, inwieweit diese bereits den Ruf „Experte für …“ haben. Also müssen Sie, wenn Sie irgendwann einmal auf einem Sessel in einem Fernsehstudio sitzen möchten, die nötige Vorarbeit leisten.

9. Kommunzieren Sie „echte“ Inhalte
Legen Sie sich nicht nur eine optisch ansprechende Webseite mit schönen Bildchen zu, sondern gestalten Sie diese auch inhaltlich und textlich so, dass man spürt:

  • Der Mann/die Frau hat vom Thema „…“ eine Ahnung.
  • Er/Sie kann Dinge auf den Punkt bringen.
  • Er/Sie hat eine kraftvolle, bildhafte Sprache.
  • Er/Sie ist kein fader Langweiler, sondern eine Person, die Menschen auch unterhalten und Emotionen bei ihnen wecken kann.

10. Achten Sie auf Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenmarketing
Optimieren Sie Ihre Webseite für die Suchmaschinen, so dass diese, wenn man zum Beispiel Wortkombinationen wie „Vortrag Networking“ oder „Vortragsredner Networking“ oder „Keynote-Speaker Networking“ bei Google & Co eingibt, in der Trefferliste möglichst auf Seite 1 steht. Denn das Internet ist das bevorzugte Informationsmedium für Personen und Organisationen, die einen Vortragsredner suchen – und nicht irgendwelche Rednerlexika.

Sollte Ihnen dies mittelfristig nicht gelingen, dann schalten Sie entsprechende AdWords-Anzeigen.

11. Erstellen Sie Videos
Stellen Sie auf Ihre Webseite auch ein, zwei Videos, die Sie als Redner zeigen (und/oder laden Sie diese bei YouTube hoch). Doch Vorsicht: Lassen Sie die Videos von einem Profi erstellen und bearbeiten, sonst wirken sie schnell kontraproduktiv.

12. Schätzen Sie die kleinen Erfolge
Freuen Sie sich in den ersten zwei, drei Jahren auch über Rednerauftritte auf kleinen Bühnen mit einem mickrigen Honorar. Denn zum einen geben Ihnen diese Auftritte die Chance zu üben und die Souveränität aufzubauen, die ein guter Redner braucht, zum anderen können Sie danach wieder ein Testimonial eines begeisterten Kunden auf Ihre Webseite stellen – sofern Ihr Auftritt „spitze“ wahr.

Machen Sie sich immer wieder bewusst, dass die Reise zum Ziel „ein gefragter Redner sein“ eine sehr, sehr lange und weite ist; außerdem, dass Sie schon mehr als 90 Prozent aller Möchte-gern-Speaker erreicht haben, wenn Sie fünf, sechs Mal pro Jahr als Redner engagiert werden und der Veranstalter Ihnen hierfür einen vierstelligen Betrag zahlt. Sonst ist der Frust vorprogrammiert.


Bernhard Kuntz

Über den Autor Bernhard Kuntz

Bernhard Kuntz ist Geschäftsführer von Die PRofilBerater GmbH und Autor der Bildungs- und Beratungsmarketing-Fachbücher "Die Katze im Sack verkaufen" und "Fette Beute für Trainer und Berater" sowie der PR-Ratgeber "Warum kennt den jeder?" und "Mit PR auf Kundenfang".

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