Bargeldlose Welt

Verschwindet in Deutschland bald das Bargeld?

Von Onpulson Redaktion
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Der Umgang mit Geld verändert sich kontinuierlich. Besonders in den letzten zehn Jahren hat sich das weltweite Zahlungsverhalten besonders stark weiterentwickelt. Die Digitalisierung des Finanzsektors macht einen allmählichen Verzicht auf Bargeld möglich. Wird der Gang zum Bankautomaten bald vollständig entfallen und das Bargeld aus dem Alltag verschwinden?

Spitzenreiter bezüglich der bargeldlosen Zahlungen in den letzten Jahren war vor allem Nordamerika, gefolgt von Europa. Foto: ©samsonovs/Depositphotos.com

In der Infografik „Wann stirbt das Bargeld aus?“ von smava, einem Portal für Kreditvergleich, in der die Entwicklung des weltweiten bargeldlosen Zahlungsverkehrs dargestellt ist, wird bis zum Jahr 2020 ein kontinuierlicher Anstieg bargeldloser Transaktionen deutlich. Weltweit betrachtet wird bis zu diesem Zeitpunkt eine durchschnittliche Zunahme der digitalen Bezahlvorgänge von 10,9 Prozent erwartet.

Spitzenreiter hinsichtlich bargeldloser Zahlungen in den vergangenen Jahren war eindeutig Nordamerika, gefolgt von Europa. Prognosen zufolge werden bis 2020 bargeldlose Transaktionen vor allem in den asiatischen Schwellenländern stark zunehmen. Experten gehen von einem Wachstum von bis zu 30 Prozent aus. In Nordamerika, Europa, Südamerika und den asiatischen Industrieländern ist von einem geringeren jedoch konstanten Wachstum von 4 bis 7 Prozent jährlich auszugehen. Es wird erwartet, dass bereits 2020 weltweit die meisten kontaktlosen Zahlungen in den asiatischen Schwellenländern vorgenommen werden.

Bargeldlose Zukunft für Europa?

Die Entwicklung des bargeldlosen Transfers verläuft nicht nur weltweit, sondern auch innerhalb Europas heterogen. Vor allem die skandinavischen Länder gelten als Vorreiter bezüglich der Abschaffung von Bargeld. Während in Deutschland Bargeld mit 79 Prozent das meistgenutzte Zahlungsmittel ist, werden in Dänemark bereits 75 Prozent aller Transaktionen elektronisch oder per Bankkarte getätigt. In Schweden liegt der Anteil der bargeldlosen Transaktionen sogar bereits bei 80 Prozent. Selbst kleinste Beträge können in den skandinavischen Ländern bargeldlos bezahlt werden. Es verwundert daher nicht, dass in Dänemark und Schweden immer weniger Bargeld im Umlauf ist und immer mehr Bankfilialen und Geldautomaten entfernt werden. Seit 2006 sind in Dänemark mehr als 500 Geldautomaten abgebaut worden. Doch warum ist in Deutschland nicht eine vergleichbare Entwicklung festzustellen?

In Deutschland spielt Bargeld nach wie vor eine wichtige Rolle

Nur ein Drittel der deutschen Verbraucher kann sich vorstellen, zukünftig nur bargeldlos zu bezahlen – die Deutschen hängen an ihrem Bargeld. Diese Einstellung kann auf mehrere Faktoren zurückgeführt werden. Viele Bargeldnutzer sind der Meinung mit einer Barzahlung eine bessere Kontrolle über die eigenen Finanzen zu haben. Die Haptik des Geldes spielt hier eine wichtige Rolle.

Gerade ältere Verbraucher haben eine fast schon emotionale Bindung zu den Scheinen und Münzen, während jüngere eher zur Karte oder dem Smartphone greifen, um Bezahlungen vorzunehmen. Obwohl Bargeld viel eher geklaut oder verloren werden kann, halten viele Verbraucher vehement an der Nutzung fest. Es wird die Meinung vertreten, dass die vermehrte Nutzung bargeldloser Transaktionen Verbraucher zum „gläsernen Kunden“ macht. Auch Datenschützer schlagen Alarm. Anonymität im Zahlungsverkehr ist den Verbrauchern wichtig. Dabei werden die Möglichkeiten, die mit dem bargeldlosen Transfer ebenso einhergehen, oft missachtet.

Diese Vorteile bietet der bargeldlose Zahlungsverkehr Verbrauchern

Wenn kein oder weniger Bargeld im Umlauf ist, wird vielen kriminellen Machenschaften der Nährboden entzogen. Raubdelikte werden weniger lukrativ, wenn weniger Bargeld in Banken oder Supermärkten gelagert wird. In Schweden ist die Anzahl der Banküberfälle seit der Verringerung des Bargeldes stark zurückgegangen. Auch Schwarzarbeit oder organisierte Kriminalität lassen sich durch die Verfolgbarkeit der bargeldlosen Transaktionen besser in den Griff bekommen.

Ein weiterer großer Vorteil des bargeldlosen Bezahlens liegt in der Effizienz und der Geschwindigkeit. Verbraucher müssen sich keine Gedanken darüber machen, genug Bargeld in der Tasche zu haben oder einen Geldautomaten suchen, falls das Geld nicht reicht. Auch bei Reisen ins Ausland erweisen sich bargeldlose Transaktionen als großer Vorteil: trotz anderer Währung kann problemlos bezahlt werden, ganz ohne umständliche Umrechnung oder Umtausch. Je nach gewählter Bezahlmethode können bargeldlose Zahlungen zudem sekundenschnell durchgeführt werden – man denke beispielsweise an eine Bezahlung per Near Field Communication (NFC).

Ist die baldige Abschaffung des Bargeldes in Deutschland vorstellbar?

Ganz offensichtlich ist es ohne weiteres möglich auf Bargeld zu verzichten oder zumindest weitestgehend auf einen bargeldlosen Transfer umzusteigen und dennoch ist zumindest in Deutschland in naher Zukunft nicht von einer solchen Entwicklung auszugehen. In vielen Fällen fehlt hierzulande schlicht und ergreifend die nötige Infrastruktur für bargeldloses Bezahlen. In Deutschland bezahlte 2016 jeder Deutsche durchschnittlich 49-Mal mit Giro-oder Kreditkarte, wohingegen jeder Schwede mehr als 300 Mal bargeldlos einkaufte. Vor allem kleinere Beträge können in Deutschland nicht bargeldlos gezahlt werden – in Schweden können Kirchengänger sogar den Klingelbeutel bargeldlos füllen. Zudem spielen Payments über das Handy in Schweden eine viel größere Rolle. In Deutschland hingegen haben sich mobile Payments derzeit noch nicht durchsetzen können. Ergänzend zu den fehlenden Möglichkeiten stellen die prinzipielle Abneigung vieler Verbraucher und die Angst vor Datenmissbrauch weitere Gründe zum Festhalten am Bargeld dar. Von einer baldigen Abschaffung des Bargeldes kann trotz vorhandener Vorteile nicht ausgegangen werden. Ein Anstieg der bargeldlosen Transaktionen ist jedoch sicher zu erwarten.

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