Selbstmanagement

Prokrastination: So machen Sie Schluss mit der Aufschieberitis

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Manchmal muss man vorher den Kopf frei bekommen, um ungeliebte Aufgaben danach erfolgreich zu meistern. Foto: ©lightsource/Depositphotos.com

Prokrastination? Manchen Menschen macht das gar nichts aus. Im Gegenteil: Sie schieben Arbeiten bewusst bis Ultimo auf, weil sie wissen, dass sie unter Hochdruck zu ihrer Bestform auflaufen. Anderen ist das zu anstrengend. Sie würden lieber früher anfangen, schaffen es aber nicht. Und leiden dann unter dem durch die Aufschieberei selbst erzeugten Stress. Für diese Menschen anbei ein paar nützliche Tipps.

Die Motivation ist der Schlüssel zum Prokrastinieren, vulgo Aufschieben

Es sind ja nicht die Lieblingsaufgaben, die aufgeschoben werden, sondern die unangenehmen. Diejenigen, die man als langweilig, belastend oder schwierig erlebt. Die einem den Nerv töten, die viel Kraft kosten, die einem vielleicht sogar Angst einflößen.

Es ist schwierig, solche Aufgaben frisch und fröhlich anzugehen. Viel eher schiebt man sie unlustig vor sich her. Das ist menschlich. Erfahrungen mit dem Prokrastinieren haben die meisten Menschen schon gemacht, natürlich auch Führungskräfte und Selbstständige. Aber es muss ja nicht dabei bleiben.

Wie gehen Sie am besten mit der „Aufschieberitis“ um?

Wie soll Prokrastinieren nun „richtig“ gehen? Mit „richtig“ meine ich, dass Sie Ihre Unlust nicht verbissen bekämpfen sollten – denn das kostet (zu) viel Energie –, sondern sie annehmen und sinnvoll für sich nutzen können. Dabei helfen Ihnen diese 3 Tipps:

1. Nehmen Sie Ihre Unlust ernst

Zu jeder Arbeit gehören Aufgaben, die nicht die reine Freude bereiten. Da müssen wir alle durch. Wenn es aber wiederkehrende Aufgaben gibt, die Sie wirklich hassen, die Sie jedes Mal vor sich herschieben und nur mit äußerster Kraftanstrengung bewältigen, sollten Sie darüber nachdenken, ob das wirklich sein muss.

Manche Aufgaben könnten Sie delegieren. Ich zum Beispiel verabscheue es, Steuererklärungen zu machen. Ich habe diese Aufgabe an meinen Steuerberater delegiert. Das kostet mich eine Stange Geld, aber die ist es mir wert.

Andere Aufgaben könnten Sie anders angehen. Viele Selbstständige finden es beispielsweise höchst unangenehm, aktiv Kundenakquise zu betreiben. Dabei gibt es viele Wege zum Kunden, und wenn Ihnen der eine nicht liegt, wählen Sie eben einen anderen. Wenn Ihnen keine neuen Wege einfallen, lesen Sie ein Buch dazu oder besuchen Sie ein Seminar, um sich das Methodenwissen anzueignen.

Zu Ihrem Job gehören viele Aufgaben, die Sie nicht leiden können, die nicht anders angegangen und nicht delegiert werden können? Dann haben Sie vermutlich den falschen Job. Wie wäre es mit einem Wechsel?

Falls Sie selbstständig sind: Überlegen Sie, ob Sie diesen ungeliebten Kunden/diese nervigen Aufträge weiter bedienen wollen. Weniger Umsatz kann mehr Lebensqualität bedeuten – und bestimmt finden Sie Kunden und Aufträge, die besser zu Ihnen passen.

2. Erlauben Sie sich einen Aufschub, wenn Sie ihn brauchen

Als Führungskraft oder Selbstständiger haben Sie immer lange To-do-Listen vor sich und arbeiten an mehreren Projekten parallel. Man bemerkt kaum, wenn ein Projekt endlich abgeschlossen werden konnte, denn längst haben neue begonnen, muss schon wieder etwas anderes Unangenehmes bewältigt werden. So ein Aufgabenbandwurm zehrt an den Energiereserven – kein Wunder, wenn Sie irgendwann nur noch Kleinteiliges erledigen und den mühsamen Rest vor sich herschieben. Dann brauchen Sie einfach eine Pause. Stures Weiterarbeiten bringt in so einer Phase nichts.

Wenn Sie merken, dass Sie in so einer „Mir-ist-alles-zuviel-Aufschiebephase“ stecken, nehme Sie sich bewusst eine Auszeit. Gehen Sie zum Beispiel eine längere Runde spazieren. Dabei können Sie gut überlegen, was Sie als Nächstes erledigen und wie Sie dem Unangenehmen seinen Schrecken nehmen können. Oder Sie verabreden sich abends mit Freunden, um wieder mal über ganz andere Dinge zu sprechen und den Kopf freizubekommen. Manchmal hilft es auch, telefonisch ein bisschen bei einer Kollegin herumzujammern und sich aufmuntern zu lassen. Danach geht es dann wieder.

Überlegen Sie, was Ihnen in dieser Situation guttut. Tun Sie es. Mit neuer Energie geht alles besser.

3. Seien Sie produktiv beim Prokrastinieren

Während Sie Schwieriges vor sich herschieben, können Sie eine Menge anderer Dinge erledigen. Die Ablage zum Beispiel. Endlich mal die ganzen Papiere abheften und die E-Mails in die passenden Ordner verschieben. Im Büro ausmisten und Unbenötigtes wegwerfen. Das macht den Schreibtisch und den Kopf frei. Telefonate erledigen, Termine abstimmen. Danach können Sie sich viel besser auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren.

Sie werden manchmal selbst erstaunt sein, was Sie alles an einem Vormittag erledigt bekommen, an dem Sie eigentlich mit einer unangenehmen Arbeit anfangen wollten. Danach fühlen Sie sich gleich so viel besser („endlich habe ich X und Y erledigt“), dass Sie mittags tatsächlich mit der ungeliebten Aufgabe beginnen.

Fazit: Begegnen Sie dem Drang zum Prokrastinieren nicht wie einem Feind, sondern als Freund. Dann verliert er seine Macht über Sie.


Über den Autor Barbara Kettl-Römer

Barbara Kettl-Römer ist Fachautorin und -redakteurin für Wirtschaftsthemen und arbeitet seit 20 Jahren freiberuflich im Homeoffice. Über Selbstmanagement für Selbstständige schreibt sie nicht nur, sie praktiziert es auch erfolgreich.

2Kommentare

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  1. 1 habipasco | 1. März 2018

    Guten Morgen, eine schöne Ideenkiste hast du da zusammengestellt! 🙂 Den Punkt Erledige alles, was du tun musst, bevor du dich an die Arbeit setzt“ finde ich allerdings kritisch da landet man schnell beim Prokrastinieren. 😉 Ich mag die Pomodoro-Technik sehr gerne, bei der man sich den Wecker auf eine bestimmte überschaubare Zeitspanne wie etwa 30 Minuten stellt und sich in dieser Zeit wirklich auf eine Sache konzentriert, ohne Unterbrechungen oder Ablenkungen. Danach kommt dann eine kurze Pause und der nächste Sprint“. Liebe Grüße Anne

  2. 2 Barbara Kettl-Römer | 10. März 2018

    Hallo Anne, klar, die Tomatentechnik ist prima. Mir ging es in diesem Beitrag weniger um wirksame Arbeitstechniken als darum, das Prokrastinieren zu hinterfragen. Bzw. zu überlegen, was hinter der Aufschiberitis stecken könnte und wie man diesen Drang aushebelt.

    Weiterhin viel Erfolg beim „Sprinten“ wünscht
    Barbara

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