Die Ähnlichkeitsfalle im Asiengeschäft
Vorsicht

Die Ähnlichkeitsfalle im Asiengeschäft

Von Dr. Hanne Seelmann-Holzmann
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Was ist die Ähnlichkeitsfalle? Wenn Sie heute die großen Städte in China, Japan, Südkorea oder auch Südostasien besuchen, dann sehen Sie: Westliche Architektur, westliche Kleidung und Angebote westlicher Fast-Food-Ketten. Man schließt von dem westlichen Schein auf das Bewusstsein der Menschen und schlussfolgert: Die sind ja schon wie wir! Zack! Die Ähnlichkeitsfalle ist zugeschnappt.

Folgen des Irrtums bei der Ähnlichkeitsfalle

Und weil Sie ja überzeugt sind, dass Ihre asiatischen Partner ganz westlich sind und damit Ihre Einstellungen und Werte teilen, dann müssen Sie sich gar nicht mehr mit „Kulturunterschieden“ aufhalten. „China hat schon längst seine Exotik verloren“, sagte mal ein Personalleiter. Und ein junger Mitarbeiter vertrat die Ansicht, ob man sich nicht eingestehen müsse, dass man eine One-World-Culture (natürlich unter der Vorherrschaft westlicher Werte) haben.

Deshalb müssen Sie sich, provokant formuliert, nicht mehr auf Ihre asiatischen Partner vorbereiten. Sie verhalten sich wie zu Hause. Sie sagen den Kollegen zum Beispiel frank und frei die Meinung. Sie finden dieses ständige Kümmern einfach nur lästig und teilen den Kollegen mit, Sie wollten  heute Abend mal endlich Ihre Ruhe haben.

Enttäuschung auf allen Seiten

Und dann wundern Sie sich: Der von Ihnen offen kritisierte asiatische Kollege verlässt die Firma und antwortet nicht einmal mehr auf Ihre Mails. Der von Ihnen gemaßregelte asiatische Kunde bricht die Geschäftsbeziehungen ab. Die chinesischen Kollegen sagen zwar immer „ja, ja“, wenn Sie ihnen etwas erklären, machen aber nicht, was Sie ihnen sagen. „Da gibt es schon viel menschliche Enttäuschung in China. Wir wurden angelogen und betrogen“, hörte man von einem Personalverantwortlichen in einer Firma, die keine Vorbereitung auf China nötig sah.

Asiaten passen sich (äußerlich) an

Warum nun wird diese Gefahr der Ähnlichkeitsfalle immer größer? Weil Ihre asiatischen Kollegen oder Lieferanten mittlerweile oft schon viele Erfahrungen mit Ihnen und Ihrer westlichen Kultur haben. Sie lernen schnell und passen sich oft äußerlich an. Erwarten Sie das aber bitte nicht von Ihren Kunden!

„Wenn du in ein fremdes Land kommst, dann öffne Augen und Ohren und schließe den Mund!“ lautet ein chinesisches Sprichwort. Das befolgen zum Beispiel die chinesischen Kollegen, wenn sie nach Deutschland kommen – und reden den Deutschen nach dem Mund. Nicht etwa, weil sie Sie täuschen wollen, sondern weil sie damit Harmonie im Umgang schaffen möchten.

Sie geben Ihnen Recht, wenn Sie Ihre Meinung zu dem diesem und jenem kundtun. Und Sie? Sie tappen von einem Fettnäpfchen ins nächste und erleben allzu oft – siehe oben- dann „menschliche Enttäuschungen“.

Es gibt keine One-World-Culture

Schützen Sie sich vor der Ähnlichkeitsfalle, indem Sie sich gut auf Ihre asiatischen Partner vorbereiten! Sie benötigen tiefergehende Hintergrundinformationen, Sie sollten wissen, warum Ihre Kollegen so handeln und warum sie die technischen Informationen einfach nicht verstehen oder umsetzen können.

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Foto/Thumbnail: ©Zhang Zhiwei/Depositphotos.com

Über den Autor

Dr. Hanne Seelmann-Holzmann Dr. Hanne Seelmann-Holzmann ist Expertin für interkulturelles Management in Asien. Seit 1994 berät sie deutsche und europäische Unternehmen in Fragen rund um das Asiengeschäft. www.seelmann-consultants.de
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