E-Commerce

So steigern Händler mit einer schnellen Website ihre Conversion Rate

Von Heinrich Rauh
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Die Conversion Rate spielt eine immer wichtigere Rolle: Kunden sind heute kaum länger als einen Wimpernschlag bereit, auf den Aufbau einer Webseite zu warten. Durch die intensive Nutzung von Smartphones für den mobilen Warenkauf ist die Erwartungshaltung diesbezüglich noch einmal enorm gestiegen. Lesen Sie hier, an welchen Stellschrauben Händler drehen können, um die Ladezeiten ihrer Onlineshops erheblich zu verkürzen.

Wenn es um die Frage geht, ob potenzielle Kunden mit einer Website interagieren und Käufe tätigen, ist die User Experience von entscheidender Bedeutung. Beeinflusst wird diese unter anderem durch die Präsentation des Angebots, die Möglichkeiten der Navigation, das Bestellverfahren oder auch durch die vorhandenen Bezahlmöglichkeiten.

Nicht weniger wichtig ist jedoch die Geschwindigkeit beim Aufrufen einer Internetseite. „Verzögerungen der Ladezeit führen nicht nur zu einer schlechten Nutzererfahrung, sondern bedeuten auch weniger Umsatz für Marken und Firmen„, sagt beispielsweise Mark Wächter, Vorsitzender, Mobile Marketing Association Germany. „Denn wenn potenzielle Kunden wegklicken, gehen sie zur Konkurrenz und kaufen dort.“

Laut Dominik Wöber, Head of Mobile & Display Solutions, Central Europe bei Google, haben bislang allerdings nur wenige Organisationen die Wichtigkeit des Page-Speeds erkannt: „Obwohl 70 Prozent der Nutzer angeben, dass die Geschwindigkeit die Kaufentscheidung beeinflusst, priorisieren nur drei Prozent der Unternehmen das Thema Ladezeit entsprechend“. Wie wichtig die Geschwindigkeit insbesondere bei mobilen Webseiten ist, zeigt die Studie „State of Online Retail Performance“. Demnach fällt die Conversion Rate um rund 50 Prozent, wenn diese drei statt nur einer Sekunde zum Laden benötigt.

Trend geht zum mobilen Einkauf

Dieser Wert ist von herausragender Bedeutung, da inzwischen 40 Prozent aller Onlinekäufe über Smartphones erfolgen – Tendenz steigend. Selbst das klassische Einkaufen wird durch die steigende Nutzung von Mobilgeräten beeinflusst.

So ergab eine aktuelle, vom Marktforschungsinstitut Lightspeed Research durchgeführte Umfrage mit über 2.500 Teilnehmern, dass inzwischen 62 Prozent der Deutschen ihr Smartphone beim Offline-Shopping im stationären Handel nutzen. Insbesondere die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen greift immer häufiger zum Mobiltelefon (83 Prozent), um während des Einkaufs nach Informationen zu Filialen oder Produkten zu suchen.

Den Ergebnissen des aktuellen Mobile Speed Leaderboards zufolge, werden hierzulande jedoch nur wenige Firmen den hohen Erwartungen der Nutzer gerecht. Das ernüchternde Resultat: Nur acht der 250 beliebtesten mobilen Websites in Deutschland laden unter einer Sekunde – das entspricht lediglich 3,2 Prozent. Insgesamt folgen kaum mehr als fünf Prozent aller deutschen Websites der Google-Empfehlung von einer maximalen Ladezeit von einer Sekunde. Doch wie können Händler eben diese beschleunigen und die Conversion Rate steigern?

Bild-Komprimierung wichtigste Page-Speed-Stellschraube

Den proportional größten Teil der Ladezeit machen in der Regel Bilder aus. Dies gilt insbesondere für Onlineshops mit vielen Produktfotos. Ein wichtiger Ansatzpunkt, um die Geschwindigkeit zu erhöhen, ist somit die Reduzierung der Bildgrößen. Grundsätzlich gilt, dass Fotos und hochwertige Grafiken für die Webnutzung als JPEG-Dateien vorliegen sollten. Kleinere, in geringerer Qualität vorliegende sollten hingegen als PNG-Dateien verwendet werden. Bildbearbeitungsprogramme wie Gimp oder Adobe Photoshop verfügen über die Funktion „fürs Web speichern“, mit der sich beide Formate leicht komprimieren lassen.

Ein weiteres Werkzeug, mit dem sich Bildgrößen schnell und einfach verkleinern lassen, ist das sowohl für Windows als auch für Mac verfügbare Freeware-Programm IrfanView. Es unterstützt alle gängigen Formate und bietet neben der Option der Bildkomprimierung auch die Möglichkeit, Abmessungen und Farbtiefe zu modifizieren. Grundsätzlich muss bei jeder Verkleinerung jedoch unbedingt darauf geachtet werden, dass die richtige Balance zwischen Größe und Qualität erhalten bleibt, da Produkte auf Bildern in zu geringer Auflösung schnell minderwertig erscheinen.

Lazy-Loading und Code-Komprimierung

Webseiten mit vielen Bildern, beispielsweise Startseiten mit umfangreichen Produktgalerien, benötigen trotz umfangreicher Bildkomprimierung oftmals sehr lange, bis sie vollständig geladen sind. Viele der übertragenen Bilder sind für Nutzer allerdings erst sichtbar, wenn sie auf der Seite hinunter scrollen.

Um die Verfügbarkeit der Seite zu beschleunigen, können Händler festlegen, dass Bilder erst geladen werden, wenn sie im Sichtbereich der Shopbesucher erscheinen. Diese als „Lazy Loading“ bezeichnete Methode muss im Code der Website hinterlegt werden.

Ähnlich wie Bilder können auch Code-Dateien wie etwa Funktions-Bibliotheken optimiert werden. Das Prinzip ähnelt dabei dem von aus dem Alltag bekannten ZIP-Dateien. Zunächst wird der Code vom Server komprimiert, anschließend an den Browser verschickt und dort wieder entpackt. JavaScript- und CSS-Dateien eignen sich hierfür besonders gut, da in ihnen viele wiederkehrende Zeichen und Wörter vorkommen.

Lange galt das Programm gzip hier als Standard, allerdings ist der von Google-Mitarbeitern entwickelte Datenkompressions-Algorithmus brotli noch effizienter. Für beide Werkzeuge gilt, dass die Konfiguration des Webservers angepasst werden muss, um die Code-Komprimierung zu aktivieren.

Conversion Rate steigern durch Umstellung auf moderne Datenübertragung

Neben der Größe einer Website ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der Daten übertragen werden können, für den Page-Speed entscheidend. Die meisten Webseiten nutzen hierfür noch immer den veralteten Standard HTTP/1.1. Als dieses Protokoll konzipiert wurde, mussten beim Aufruf einer Webseite nur wenige Daten übertragen werden, sodass eine Einzelübertragung sinnvoll erschien.

Da moderne Webseiten jedoch über viele Bilder und Funktionsbibliotheken verfügen, wird die Datenübertragung ausgebremst, wenn jedes Mal eine neue Verbindung zum Server aufgebaut werden muss. Der neue Standard HTTP/2 behebt dieses Problem, indem alle Daten auf einmal geladen werden. Um ihn zu implementieren, ist ein SSL-Zertifikat notwendig. Auch an dieser Stelle ist ein Eingriff in die Konfiguration des Webservers unumgänglich.

Die vier hier vorgestellten Stellschrauben – Bild-Komprimierung, Lazy Loading, Code-Minimierung sowie die Umstellung auf HTTP/2 – bieten jedem Händler die Möglichkeit, seinen Onlineshop schneller, seine Kunden glücklicher zu machen und die Conversion Rate zu steigern. Insbesondere die Komprimierung von Bildern lässt sich auch ohne umfangreiche Fachkenntnisse leicht umsetzen.

Foto/Thumbnail: ©ra2studio/Depositphotos.com

Über den Autor

Heinrich Rauh Heinrich Rauh ist Produktmanager der Plattform wao.io, die die Ladezeit und Sicherheit von Websites automatisch, kontinuierlich und ohne Codeänderungen verbessert. Zuvor war er in London, Marseille und Köln in verschiedenen Management-Positionen im Bereich E-Commerce tätig – sowohl auf Dienstleister- als auch auf Anbieterseite.
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