Gründerporträt

Tobias Horka, Gründer von Optune, der Buchungsplattform für die Livemusik Branche

Von Onpulson Redaktion
Am

Optune vernetzt auf der Plattform Veranstalter mit den für einen Event qualifiziertesten Künstlern. Mit wenigen Klicks kann eine Buchung abgewickelt werden. Der Service ist für Künstler bisher gratis - in Zukunft wird eine Kommission auf die gezahlte Gage fällig.

Name: Tobias Horka

Titel: Gründer von Optune, Buchungsplattform für die Livemusik Branche

Geburtsjahr: 1985

Position: Mitgründer und Geschäftsführer

Vita: Vor, neben und nach seinem Masterstudium in Trends an der Zürcher Hochschule der Künste baute er zehn Jahre lang eine Event- und Artistmanagementfirma auf. Events in der Unterhaltungsindustrie zu gestalten war seine große Leidenschaft und für ihn allgegenwärtig. Er hat rund 1’500 Events und Festivals organisiert, sowie mehr als 15’000 Künstlerbuchungen getätigt. Die ineffizienten, intransparenten und nicht digitalisierten Arbeitsprozesse in der Branche haben ihm jedoch über die Zeit die Freude an neuen Ereignissen genommen. Der administrative und koordinative Aufwand stand plötzlich im Zentrum der Arbeit und das Gestalten der Events im Hintergrund. Daher hat er einen Schritt aus der Komfortzone gewagt, seine Eventagentur erfolgreich verkauft und im Anschluss (2016) zu dritt die Firma Oscillate AG gegründet, um diese Branche mit dem Produkt Optune zu digitalisieren und ins neue Zeitalter zu heben.

Lebensmotto: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Dr. Volker van Rüth

Über das Unternehmen

Optune (Oscillate AG)
Riedtlistrasse 27
8006 Zürich
tobias@oscillate.ch
Gründungsjahr: 2016
Mitarbeiter: 7
Telefon: +41 44 586 42 27

Was ist das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens?

Wir vernetzen auf der Plattform Veranstalter mit den für einen Anlass qualifiziertesten Künstlern. Mit wenigen Klicks kann eine Buchung abgewickelt werden. Der Service ist für Künstler (noch) gratis; in Zukunft wird eine Kommission auf die gezahlte Gage fällig. Für das Management der Buchungen wird abhängig vom Funktionsumfang eine monatliche Gebühr entrichtet. Diese beinhaltet das Automatisieren der administrativen Arbeiten wie z. B. der Erstellung der Rechnung, das Kollaborieren mit allen involvierten Parteien sowie die Publikation der Buchungen. Optune macht den gesamten Buchungsprozess für alle Parteien transparenter, effizienter und unterstützt aufgrund von Daten vergangener Buchungen.

Erst kommt die Vision, dann die Gründung. Wie sind Sie auf Ihre Geschäftsidee gestoßen?

Vor Optune leitete ich zehn Jahre lang zwei Event- und Künstleragenturen. Mit der Firma organisierten wir Veranstaltungen und Festivals und schlossen mehr als 15’000 Künstlerbuchungen ab. Die Branche war intransparent, man arbeitet ineffizient, setzte kaum digitale Lösungen ein. Zum Kommunizieren wurden unterschiedlichste Kommunikationsmittel wie SMS, Whatsapp, Facebook, Slack, E-Mail und Telefonie eingesetzt. Übersicht zu behalten war schwierig und es passierten Fehler. Dies war erschreckend, denn bei der Abwicklung einer internationalen Buchung sind zwischen 20 und 50 Leute involviert. Dadurch entstanden zwangsläufig ein großes Chaos. Die Arbeitsweise war für mich zeit- und nervraubend. Ich verkaufte meine damaligen Firmen und dies führte zum Startschuss von Optune.

Neben einer guten Idee spielt auch die Team-Zusammensetzung oft eine entscheidende Rolle. Wie setzt sich das Team bei Ihnen zusammen?

Über die Fähigkeiten und interdisziplinäre Zusammensetzung des noch kleinen Kernteams von sieben Leuten bin ich besonders stolz. Wir ergänzen uns in den relevanten Disziplinen und haben für jede Herausforderungen einen Spezialisten. Unser Gründerteam besteht aus Joel Meiller, Patrick Horka und mir. Joel, unser CTO, ist ein Experte im Bereich Full Stack Webentwicklung und Deep Learning mit Erfahrung in der Unterhaltungsindustrie als ehemaliger Schlagzeuger in einer Rockband. Patrick, mein Bruder und CFO, musste schon in meiner Zeit als Eventorganisator immer die Probleme der Branche hautnah miterleben und bringt in das Gründerteam das Wissen um Finanzen, Skalierung von Startups und Fundraising mit ein. Er war zuvor Investment Manager eines 500 Mio. Startup-Funds. Unsere Advisors Pascal Mathis (Co- Founder GetYourGuide), Ramon Joss (Best Open Format DJ Switzerland) und Beat Selig (Inhaber und Partner von Panter AG) helfen uns die Außensicht auf den täglichen Wahnsinn nicht zu verlieren.

Wie differenzieren Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Durch den Fokus auf Kollaboration! Es sind bei der Abwicklung einer internationalen Buchung bis zu 50 Akteure involviert (Künstler, Künstleragentur, Management, Veranstalter, Lokalität, Techniker, Catering etc.) und es werden gut und gerne 250 E-Mails versendet, zusätzlich zu den SMS, WhatsApp-Nachrichten, Telefonaten, Facebook- und Slack-Nachrichten. Unsere Wettbewerber helfen einem Akteur die administrativen Arbeiten zu vereinfachen. Wir bei Optune fokussieren uns auf die Kollaboration und vernetzen der Akteure untereinander. Dies gibt es nicht auf dem Markt, wir befinden uns in einem “Blue Ocean”.

Optune ist die Branchenlösung für alle im Bookigprozess involvierten Parteien. Sie alle können sich vernetzen und ihre täglichen Arbeiten direkt untereinander und auf der Plattform abwickeln. Die bisherigen Kommunikationskanäle werden obsolet, es passieren weniger Fehler, das System lernt aufgrund der Daten vergangener Buchungen und der Nutzer profitiert. Optune hat offene Schnittstellen und kann externe Lösungen, wie beispielsweise eine Buchhaltungslösung, integrieren. So müssen wir nicht alle Funktionen selber programmieren und können sie trotzdem anbieten.

Was war Ihre Motivation Unternehmer zu werden?

Ich war mein Leben lang Unternehmer. Angefangen hat es im Kindesalter mit einer Pralinen Firma namens HoTo AG (Horka Tobias), anschließend mit der Organisation von eigenen Veranstaltungen und Vermittlungen von Künstlern. Mich motiviert es, Prozesse neu anzugehen und eine bessere oder neue Lösung zu finden. Ich bin eine ungeduldige Macher-Persönlichkeit und könnte mir nicht vorstellen, meine Zeit in einem großen Betrieb mit einem lustlosen Team abzusitzen. Den inneren Drang, Neues zu schaffen und das eigene Arbeitsumfeld zu gestalten, kann ich als Unternehmer ausleben.

Welche unternehmerischen Ziele haben Sie für die nächsten 3 Jahre?

Täglich nutzen zufriedene, zahlende Kunden Optune, bisher mehrheitlich aus den Dach-Ländern. Wir zählen Swiss Music Award Winners, European MTV Award Winners und Red Bull World DJ Champions zu unserer Nutzergruppe, sowie deren Management und Künstleragentur. Die Verbreitung von Optune fand jedoch vorwiegend organisch statt.

Gerade sind wir im Fundraising für eine Seedrunde von 1,2 Millionen Franken, welche Ende Sommer abgeschlossen werden sollte. Mit dem Geld werden wir ein Marketingteam in Deutschland aufbauen, um Optune international zu skalieren. Im Jahr 2021 wird Optune den Break Even erreichen. Auf Produktseite werden wir weiteren in den Bookingprozess involvierten Akteuren einen Zugang zu unserer Brachenlösung erschaffen. Beispielsweise werden Managern von Lokalitäten einen Zugang erhalten. Zusätzlich verfeinern wir die Algorithmen von Optune bis in drei Jahren. Dadurch können wir Veranstalter und Künstler sowie weitere Akteure datenbasiert miteinander verknüpfen. Zu diesem Zeitpunkt wird es dank Optune keine Entschuldigung mehr geben für misslungene Buchungen.

Was waren die größten Herausforderungen in der Gründungsphase?

Unsere Vision ist umfangreich und die Umsetzung des gesamten Optune Universum wäre während der Gründungsphase nicht zu bewältigen gewesen. Innerhalb unserer Vision mussten wir uns zu Beginn auf das wichtigste Teilproblem der Kunden fokussieren, dieses konnten wir Dank vielen Nutzertests evaluieren.

Die größte Herausforderung bestand darin, den Fokus nicht zu verlieren und auch vielversprechende Partnerschaften und Kundenwünsche abzulehnen. In der Gründungsphase war das Fokussieren und Priorisieren für das Überleben der Firma ausschlaggebend. Wir haben sehr viel weggelassen, es schmerzt, aber ist unumgänglich.

Ein Unternehmen zu gründen und zu expandieren kostet Geld. Wie finanzieren Sie sich?

Die Nutzer bezahlen eine monatliche Gebühr, um Optune verwenden zu können. Jedoch finanziert sich die Firma noch nicht selbst. Das Geld kommt von verschiedenen Angel-Investoren. Gerade eben sind wir an einer Seed-Runde. Das Funding wird uns helfen europaweit mit einem Marketing-/Salesbüro in Deutschland zu skalieren.

Ist für Sie eine Partnerschaft mit Venture-Kapitalgebern eine Option?

Dies ist durchaus für die anstehende Seedrunde eine Option, sofern der VC eine ähnliche Vision wie wir verfolgt. Interessierte VC’s dürfen sich gerne bei mir melden.

Welchen Tipp möchten Sie an andere Gründer gerne weiter geben?

Erarbeiten Sie sich ein Netzwerk mit anderen Gründer, die weiter sind als Sie. Sie können sehr viel von ihnen lernen und sich gegenseitig motivieren. Die Problemstellungen vieler Startups sind erstaunlicherweise ähnlich. Ebenso relevant ist der intensive persönliche Austausch mit Kunden. Testen Sie die neuen Funktionen oder Produkte vor der Fertigstellung mit ihnen. Ich bin immer aufs Neue erstaunt, wie viel ich bei jedem Testing wieder dazulernen kann. Langfristig gesehen ist die Zeitersparnis enorm, auch wenn es zu Beginn eine gewisse Überwindung braucht.

Ist Ihr Team bereits vollständig oder suchen Sie aktuell noch freie und/oder feste Mitarbeiter?

Wir sind auf der Suche nach weiteren Managing Partnern, die uns bei der Produktentwicklung aktiv unterstützen und zu Mitinhabern der Firma werden können.

Warum sollten Fach- und Führungskräfte sich bei Ihrem Unternehmen bewerben?

Wir sind gerade dabei, eine Industrie zu digitalisieren. Dies ist eine spannende Herausforderung mit vielen Möglichkeiten. Unsere Kundschaft besteht aus lebhaften und spannenden Persönlichkeiten. Wir arbeiten sehr nahe mit ihnen zusammen und sie kommen regelmäßig im Büro zu Besuch.
Weiterhin sind unsere Hierarchien flach, wir haben ein inspirierendes Team, arbeiten agil, selbstständig und ohne gegenseitiges Mikromanagement.

Stellen Sie sich vor, Sie treffen den Bundeswirtschaftsminster. Was würden Sie sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland bei ihm wünschen?

Es gibt viele innovative Ideen im Bereich der Digitalisierung. Für deren Umsetzung benötigte es zusätzliche Web-Entwickler.
Um dem Mangel der Fachkräfte dieser Berufsgattung entgegenzutreten, muss die Ausbildung stärker gefördert werden.

Welche Person hat Sie in der Gründungs- und Wachstumsphase besonders unterstützt? Bei wem möchten Sie sich bedanken?

Ich möchte mich definitiv beim Team bedanken. Ich lerne jeden Tag viel von ihnen und wir schaffen es gemeinsam, die vielen Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, ohne dass einer auf den Boden fällt. Ein großes Dankeschön an die ersten Geldgeber, die viel Mut bewiesen haben, an unsere Vision glauben und uns ihr Vertrauen schenken.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal zum Dinner gehen und warum?

Mit Jay-Z (bürgerlich Shawn Corey Carter). Er ist sehr erfolgreich – sowohl in der Unterhaltungsindustrie als auch als Unternehmer – und investiert in Startups, auch in der Musikindustrie. Wir hätten mit Sicherheit viel zu besprechen!

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