Worauf müssen Start-ups bei ihrer Strategiearbeit achten
7 hilfreiche Tipps

Worauf müssen Start-ups bei ihrer Strategiearbeit achten

Claudio Catrini
Am

Risikobereitschaft, Entwicklungsfreudigkeit und „Drive“ – das brauchen Start-ups. Genauso brauchen sie jedoch Struktur, Organisation und Strategie. Während Jungunternehmen meist unter der Anforderung stehen, mit begrenzten Ressourcen schnell wachsen zu müssen, leidet ihre strategische Arbeit. Das kann – schneller als sie denken – ins Aus führen. Wo die größten Hindernisse liegen und welche Merkmale erfolgreiche Strategiearbeit auszeichnet im Folgenden.

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) zählte letztes Jahr 367.000 Existenzgründungen – laut Statistik streichen jedoch mehr als die Hälfte der Start-ups innerhalb der ersten drei bis fünf Jahre nach Gründung die Segel. Trotz unterschiedlicher Gründe für das Scheitern gibt es durchaus Gemeinsamkeiten, schließt die Deutsche Industrie- und Handelskammer aus ihren Studien.

Laut DIHK-Gründerreport 2019 stellt die Bürokratie schon vor der Unternehmensgründung eines der größten Hindernisse dar. Dazu kommen unausgereifte Geschäftsmodelle, keine klaren Vorstellungen über die Zielgruppe, unausgereifte Produkte und überhöhte Umsatzerwartungen. 44 % der Gründer machten den Fehler, vor lauter Euphorie über die eigene Idee den Kunden zu vergessen.

Start-ups haben oft keine konsistente Strategie

Die wichtige Frage, ob der Kunde das Produkt überhaupt braucht und wenn ja, wer „der Kunde“ überhaupt ist, gerät in der Anfangseuphorie oft in den Hintergrund. Weitere Fragen nach der Größe der Zielgruppe, wo sie ist und wie sie erreicht wird, werden nicht angemessen geklärt. Fast die Hälfte der Start-ups ist nach DHIK-Angaben nicht in der Lage, ihre Zielgruppe genau einzugrenzen.

Die Einzigartigkeit (USP) des Produkts genau herauszuarbeiten ist genauso wichtig wie eine langfristige Planung der Aktivitäten. Ein Drittel der Gründer arbeiten laut DHIK mit einem zu kurzen Planungshorizont. Fehlinvestitionen, nicht kostendeckende Preise und ein riskantes Wachstum zeigen weitere Schwächen in der Strategiearbeit. Oft verfolgen Start-ups von Beginn an keine konsistente Strategie.

Die richtige Strategiearbeit gestaltet die Zukunft

Die strategischen Entscheidungen des Gründers bzw. des Managers führen jedoch mehr oder weniger schnell zum Erfolg oder zum Scheitern. Die Strategien gestalten die Zukunft des jungen Unternehmens. Genauso wie beim Schachspiel nie das Ziel aus den Augen verloren werden sollte, muss der Gründer seine Vision stets im Blick behalten. Der beste nächste Zug benötigt einen vollständigen Überblick über die strategischen Optionen. Eine sorgfältige und professionelle Strategiearbeit ist unerlässlich.

So funktioniert nachhaltige Strategiearbeit

Die eine Strategie gibt es nicht. Start-ups sind so einzigartig wie die Menschen, die sie ins Leben rufen. Jedes Unternehmen bedarf einer genauen Analyse und eine individuelle, auf die jeweiligen Produkte und Menschen zugeschnittene Strategie. Wie es typische Fehler und Ursachen für das Scheitern gibt, gibt es entscheidende Merkmale für eine nachhaltige Strategiearbeit, die Jungunternehmen beachten sollten:

1. Im Vordergrund steht die Vision des Start-ups

Die Vision des Unternehmens bildet das Entwicklungsfundament, auf dem sich Produkte und Strategie (häufig) ändern können. Die Unternehmensvision klar darzustellen und die angestrebte einzigartige strategische Position des Start-ups gründlich zu durchdenken, gehört zu den wichtigsten Aufgaben.

2. Vorteil: Ambidextriefähigkeit

Ambidextrie bezeichnet in der Wirtschaft, dass Unternehmen sowohl Exploration (Innovation / Erkundung von Neuem) als auch Exploitation (Effizienz / Ausnutzung von Bestehendem) integrieren. Die unterschiedlichen Modi sollten ebenfalls in der Strategiearbeit Anwendung finden.

3. Keine langfristigen Strategien

Streben Sie  kurzfristige Strategieschleifen an.

4. Konzentration auf Business Model Innovation

Das Geschäftsmodell sollte immer wieder hinterfragt und optimiert werden. Zahlreiche global agierende Unternehmen wie Kodak, AirBerlin, oder Nokia haben im Negativen gezeigt, was die Vernachlässigung dieser Aufgabe nach sich zieht. Große Marktanteile mussten an Konkurrenten mit innovativeren Modellen abgegeben werden. Die Fähigkeit, ein innovatives Geschäftsmodell zu entwickeln und das bestehende Modell an die Umstände anzupassen, ist der Schlüssel für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit.

5. Beständige Strategiearbeit

Start-ups sollten routinemäßig in Meetings und Gesprächen immer wieder ihre Strategie überprüfen.

6. Die Strategie kann verständlich und involvierend erzählt werden

Investoren, (deren Geld benötigt wird), und Mitarbeiter (deren Arbeit benötigt wird), wollen sich begeistern und für eine erfolgreiche Sache einsetzen. Dafür brauchen sie Kenntnis von dem Weg, der eingeschlagen wird, um das Ziel zu erreichen. Power Point steht dabei nicht in dem Ruf, Konzentration und Begeisterung zu hervorzurufen. Mit Storytelling, d. h. mit Geschichten, die involvieren, lassen sich Menschen mitreissen und von Strategie überzeugen. Ihre Potenziale lassen sich so einbringen und für den gemeinsamen Erfolg nutzen.

7. Kontinuierliche Nutzung der entsprechenden Tools

Neben dem strategischen Gespür und dem notwendigen Wissen benötigt der Gründer die passenden methodischen Werkzeuge für seine Strategiearbeit. Diese sollte er nicht nur sporadisch, sondern kontinuierlich für seine Stategiearbeit nutzen.

Im „Liquidationsreport Existenzgründung 2019“ des Instituts für Unternehmenserfolg heißt es, dass über neunzig Prozent der Existenzgründer ohne jegliche Beratung in die Selbständigkeit starten und „in typische Fallen“ tappt. Unternehmen, die eine Beratungsleistung in Anspruch genommen haben, seien zu 80 Prozent erfolgreich. Der Start des Unternehmens muss genauso gut geplant werden, wie das nachhaltige Bestehen. Qualitativ hochwertige Strategiearbeit ist ein Muss für Unternehmen, die nicht nur starten, sondern auch erfolgreich in der Zukunft laufen wollen.

Foto/Thumbnail: ©SergeyNivens/Depositphotos.com

Über den Autor

Claudio Catrini

Claudio Catrini Claudio Catrini ist Verhandlungsexperte und TOP 10 Trainer. Er hat durch über 20 Jahre Verhaltensstudien am Menschen gelernt, wie wichtig es für eine gewinnbringende Kommunikation ist, die Eigenschaft des Rechthabens zu minimieren und seine eigene Art der Kommunikation an die Persönlichkeitsstruktur des Gegenübers anzupassen. www.claudio-catrini.de
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