Wie Sie in schweren Zeiten nicht Ihr Selbstwertgefühl verlieren
Erfolgreich bleiben

Wie Sie in schweren Zeiten nicht Ihr Selbstwertgefühl verlieren

Porträtfoto von Christoph Mât von Korn Ferry
Am

Seit Wochen werden wir alle bombardiert von schlechten Nachrichten – auf globaler Ebene, auch ganz individuell – das kann unser Selbstwertgefühl ankratzen. Zu den schlechten Nachrichten zählen ein unerreichbarer Bonus, Gehaltsverzicht, große persönliche Unsicherheit, vielleicht bereits ein erlittener Job-Verlust. Leicht überträgt sich das auf das Selbstwertgefühl. Gerade noch gefragter Star, jetzt auf dem Abstellgleis? Wie kann es gelingen, dass Sie den Glauben an sich nicht verlieren?

1. Trennen Sie Einkommen und Selbstwertgefühl

Wer in der Wirtschaft arbeitet, der gibt Dingen einen Wert – auch sich selbst. Für viele ist dieser Wert auch von Ihrem faktischen Einkommen mitbestimmt, noch vor Titel und Position. Denn wo es um Umsätze, Profit und Deckungsbeiträge geht, ist Geld ein wichtiges Messkriterium. In der jetzigen Zeit, wo viele sich mit Kurzarbeit, freiwilligem Gehaltsverzicht oder unfreiwilligem Jobverlust konfrontiert sehen, sinkt mit dem Einkommen, dann auch schnell das Selbstwertgefühl. Fokussieren Sie sich darum eher darauf, welchen Beitrag Sie leisten können, mit welcher Qualität Sie Ihre Arbeit abliefern und welches Ansehen Sie genießen – und leiten Sie davon Ihren beruflichen Wert ab. Vergleichen Sie nicht das, was Sie bekommen, sondern das, was Sie geben. Dann wird Ihnen deutlich bewusst, wie wertvoll Sie auch jetzt sind.

2. Bestimmen Sie Ihre Position neu

Wenn Sie die Dinge um Sie herum nur noch graduell beeinflussen können, reiben Sie sich nicht daran auf. Sondern fokussieren Sie sich genau darauf, auf was Sie wirklich Einfluss und wo Sie (jetzt!) Gestaltungsspielraum haben. Anstatt darauf zu warten, dass sich die Welt um Sie herum verändert, verändern Sie sich selbst und setzen Sie Ihre Ziele neu – angepasst an die neue Realität. Damit ist nicht nur gemeint, dass Sie Ihre Ziele quantitativ anpassen. Sondern die bisherigen Ziele grundsätzlich in Frage zu stellen, die eigene Positionierung neu zu definieren und so mit teils angepassten, teils komplett neuen Zielen zu arbeiten. Das versetzt Sie in die Lage, selbst wieder das Steuer zu übernehmen. Und sich nicht treiben zu lassen.

3. Erzeugen Sie kurzfristige Erfolge

Nichts deprimiert – in guten wie in schlechten Zeiten – so sehr, wie keinen Erfolg zu haben. Vice versa. Sorgen Sie darum in schwierigen Zeiten dafür, dass Sie schnelle und immer wieder Erfolge verspüren. Setzen Sie sich bewusst Ziele so, dass sie kurzfristig und mit großer Sicherheit erreichbar sind. Das wird Sie motivieren, auch die schwierigen, langfristigeren Aufgaben anzugehen. Im Fall eines Jobverlusts sagen Sie nicht: „In drei Monaten habe ich einen neuen Job.“ Sondern: „Diese Woche definiere ich zehn mögliche neue berufliche Ziele. Nächste Woche habe ich für alle Ziele eine Strategie entwickelt, wie ich Kontakt aufnehme. In drei Wochen habe ich fünf Ziele persönlich kontaktiert. In Woche fünf führe ich das erste persönliche Gespräch.“ Sie werden sehen: dieses Aufteilen in kleine Schritte wird Sie deutlich mehr motivieren, als nur mit dem globalen Zielen ‚neuer Job‘ zu arbeiten. So ziehen Sie von Erfolg zu Erfolg beziehungsweise nehmen einen kleinen Misserfolg in einer Serie von bereits erreichten Erfolgen gelassener hin.

4. Tauschen Sie sich gezielt aus

Was auch immer Ihnen gerade passiert oder wovor Sie sich fürchten, was passieren könnte: Sie sind gerade nicht allein. Identifizieren Sie darum gezielt, wer sich in einer ähnlichen Situation wie Sie befindet. Und nehmen Sie Kontakt auf, tauschen Sie sich aus – das steigert das Selbstwertgefühl. Gehen Sie dabei gezielt vor: Meiden Sie Kontakt mit denjenigen, die vor allem mit Jammern oder Selbstmitleid der neuen Situation begegnen – denn das wirkt ansteckend und demotivierend.

Suchen Sie sich stattdessen diejenigen aus, die trotz einer vielleicht schwierig wirkenden Lage zuversichtlich in die Zukunft schauen. Die über Chancen, Perspektiven und Ziele sprechen. Und die Wege aufzeigen, wie sie diese künftig erreichen wollen. Sie werden sehen, auch das wird auf Sie abfärben. Wählen Sie gerade in dieser Krisenzeit Ihr Umfeld genau aus. Auch wenn das bedeuten mag, den ein oder anderen Kontakt zunächst nicht allzu intensiv fortzuführen.

5. Seien Sie selbst Vorbild

Ob man ein Vorbild ist oder nicht, ist eine bewusste Entscheidung. Leben Sie selbst anderen vor, dass man durch eine Neu-Positionierung, neue Zielsetzungen und dem Perspektivwechsel von Risiko zu Chance auch mit persönlich sehr schwierigen Situationen umgehen kann und dass dadurch Ihr Selbstwertgefühl sich steigert. Sie werden sehen, wie andere Ihnen diese Haltung anerkennen werden. Und wie sehr Sie automatisch Menschen um sich herum scharen, die es Ihnen nachtun wollen und werden. Dies wird Ihnen nicht nur im hier und heute persönliche Bestätigung geben. Sie bilden jetzt auch ein wichtiges Netzwerk von Helfern und Unterstützern für Ihre Zukunft aus.

Foto/Thumbnail: ©Depositphotos.com

Über den Autor

Porträtfoto von Christoph Mât von Korn Ferry

Christoph Mât Christoph Mât ist Client Partner bei Korn Ferry und leitet in Deutschland das Assessment und Succession Geschäft. Seit über 10 Jahren berät er international Organisationen und Vorstände bei Veränderung und in der Ausrichtung, Auswahl und Entwicklung ihrer Führungskräfte. Er ist diplomierter Psychologe sowie ausgebildeter Executive Coach und Business Change Experte. www.kornferry.com/de
Zum Autorenprofil

Kommentare

Kommentar schreiben:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.